„Nicht daß ich wüßte“ –Markus Schupp erinnert sich nicht
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 1,078 KlicksMarkus Schupp hat mich nicht verstanden. Nun, so etwas passiert mir öfters und ist so weit nicht sehr verwunderlich. Denn ich gebe zu, daß meine Gedankengänge nicht selten ins Bizarre neigen und sich dem Außenstehenden, wenn überhaupt, erst mit Verspätung erschließen. Und, zugegeben, es ist für einen neuen Trainer auch ungewöhnlich, von einem Journalisten eben nicht nach seinen ersten Eindrücken gefragt zu werden, sondern nach Geschichten von „anno dunnemals“. Nach dem Samstagstraining wollte ich also den neuen Trainer des KSC auf seine FCK-Vergangenheit und folgend auf Besonderheiten früherer Aufeinandertreffen mit dem badischen Lokalrivalen ansprechen. Denn in Kaiserslautern machte der Idar-Obersteiner seine ersten Schritte als Fußballprofi und spielte von 1984 bis 1991 immerhin satte sieben Jahre im roten Trikot. Schon als jugendlicher Fußballfan schaute Schupp, schon aufgrund der räumlichen Nähe, mit Sympathie in Richtung Betzenberg und erlebte dort als Mittelfeldspieler später bemerkenswerte Erfolge – DFB-Pokalsieg 1990 und Deutscher Meister 1991. Und natürlich hat er dorthin noch zahlreiche Kontakte, im besonderen zu seinem ehemaligen Jugendtrainer, der FCK-Ikone Ernst Diehl.
„Nicht daß ich wüßte“
Auf meine folgende Frage, ob denn das baldige Aufeinandertreffen der Lauterer mit dem KSC für ihn etwas Außergewöhnliches sei, wurde er sofort sehr professionell und befand, daß es natürlich etwas Besonderes sei, „wir jetzt aber zunächst einmal in einer Woche Cottbus vor uns haben und dann die Dortmunder kommen. Auf diese Spiele arbeiten wir hin.“ Ob er denn noch die eine oder andere bemerkenswerte Erinnerung an ein einstiges Derby als Spieler habe? „Nein“. Wirklich nicht? „Nicht daß ich wüßte“. Nach 1 Minute und 41 Sekunden war das Gespräch hier beendet und der Kollege Gerhard Wolff von den BNN übernahm.
Tumultartige Szenen
Das fand ich schade. Denn ginge es nach dem unauslöschbaren Derby-Gedächtnis des gemeinen Fußball-Anhängers, so müßte Markus Schupp doch so manches zu erzählen haben – war er doch bei einigen heißen Auseinandersetzungen dabei. So am 1. September 1987, als der damalige Aufsteiger KSC im Wildpark die Gäste mit 1:0 besiegte. Es war vor 36.000 Zuschauern ein ebenso packendes wie dramatisches Spiel gewesen, und als Schiedsrichter Peter Gabor den Gästen in der 90. Minute einen Elfmeter verweigerte, kam es in der aufgeheizten Stimmung schließlich zu tumultartigen Szenen. Die Pfälzer reagierten empört und ließen sich Wolfram Wuttke (gegen den KSC-Mannschaftsarzt) und Gerald Ehrmann (gegen den Linienrichter) sogar zu Handgreiflichkeiten hinreißen. Beobachter sprachen hernach von „Schlägen“, die Akteure selbst lediglich von „Schubsern“.
Ein 4:5 war möglich
Auch am 5. November 1988 stand Schupp auf dem Platz, als die Lauterer in Karlsruhe mit 1:4 untergingen. Der „Kicker“ schwärmte anschließend von einem „Spiel der Superlative“, das auch hätte 6:1 oder 4:5 ausgehen können. Arno Glesius, Michael Harforth, Daniel Simmes und Thomas Süß trafen letztlich für die Gastgeber, Harald Kohr für die Gäste. Und Baden begann zu träumen, fand sich der unter Winfried Schäfer erst im zweiten Bundesligajahr befindliche KSC nach diesem 13. Spieltag doch auf dem 3. Tabellenplatz wieder – und das mit den meisten erzielten Toren aller Bundesligisten! Sauer waren aber erneut die Gäste, da das dritte KSC-Tor aus einer Abseitsposition erzielt worden und den Lauterern ein klares Tor nicht zuerkannt worden war. Also, solch ein Spiel haben bestimmt nur wenige Zeitzeugen vergessen.
Ein Fußballwunder
Und schließlich war Schupp bei einer weiteren denkwürdigen Schlacht dabei, beim 3:2 des FCK gegen den KSC am 3. Mai 1991. Uwe Scherr, Guido Hoffmann und Stefan Kuntz hatten in der zweiten Halbzeit ein Spiel gedreht, das nach Toren von Mehmet Scholl und Rainer Schütterle schon fast verloren schien. Doch wenn ein Michael Harforth vom Platz gestellt wird und die Uhr des Schiedsrichters in der 89. Minute offensichtlich für mehrere Minuten einfach stehenbleibt, bis der FCK sein Tor erzielt hat, dann passieren eben solche Fußballwunder, an die man sich später erinnert. Bestimmt auch Markus Schupp.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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Schöne Erinnerung! Danke, Matthias!
Aber was is los? Seit dem 8.9.09 keine Einträge mehr???
Verdammt ruhig hier geworden
Vielleicht auch das Sommerloch!
[...] „Nicht daß ich wüßte“ –Markus Schupp erinnert sich nicht Auf, Ihr Helden! – PeopleRank: 6 – 08.09.2009 …Stefan Kuntz hatten in der zweiten Halbzeit ein Spiel gedreht, das nach Toren von Mehmet Scholl und Rainer Schütterle schon fast verloren schien. Doch wenn ein Michael Harforth vom Platz gestellt wird und die Uhr des Schiedsrichters in der 89. Minute… Namen genannt : Markus Schupp Winfried Schäfer [...]