Marco Engelhardts Bringschuld
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 973 KlicksLiebe Leser,
leider ist es in der letzten Woche untergegangen, die Kolumne zum Aachen-Spiel online zu stellen. Hier ist sie nun. Und angesichts des Spiels beim SC Paderborn vom vergangenen durchaus noch nicht einmal veraltet.
Die Paderborn-Kolumne wird dann im Laufe des heutigen Tages eingestellt.
Die Redaktion
Meine Cousine Angelika, die seit vielen Jahren in Manitoba, Kanada, lebt, ist zur Zeit auf Heimatbesuch in Karlsruhe. Mitgebracht hat sie ihre Tochter Petra sowie deren Freundin Theresa. Und nachdem die lustige Schar in der vergangenen Woche bei einer wohltätigen Losaktion für Kinder in Not auf dem Marktplatz diverse KSC-Utensilien gewonnen hatte, nahm man dies nun zum Anlaß, das Besuchsprogramm um ein KSC-Heimspiel zu erweitern. Nach den bisher besuchten Klassikern wie Schloß Favorite in Kuppenheim oder dem guten alten Heidelberg, wollte man nun etwas Lebhafteres erleben. Angelika selbst war zuvor in ihrem Leben erst einmal beim Fußball gewesen. Im Wildparkstadion, Gegner war Bayern München. „Ob der KSC auch mitgespielt hat, weiß ich aber nicht“, gibt die gebürtige Karlsruherin über ihr bescheidenes Fußballwissen als Rüstzeug für das anstehende Spiel gegen Alemannia Aachen ehrlich zu. Dennoch hat sie hinterher das für das Spiel des KSC an diesem Abend Wesentliche erkannt – „die Zuspiele haben nicht geklappt, da hat der KSC schlechter ausgesehen als Aachen. Auch war er sehr vorsichtig und wenig draufgängerisch“.
„Good Game“
Schade war, daß der Stadionbesuch bei Halbzeit ein vorzeitiges Ende nehmen mußte. Der siebzehnjährigen Petra war schlecht geworden, da sie in der Nähe eines hartnäckigen Rauchers gestanden hatte. Zudem hatte sie rücklings versehentlich etwas Bier abbekommen. In Kanada, wo Sportveranstaltungen besonders familienfreundlich ausgerichtet sind, passiere so etwas nicht. „Zu viel Bier und Zigaretten“, attestiert ihre gleichaltrige Freundin Theresa, die als aktive Fußballerin in einem Stadtteam Manitobas sogar einen aktiven Bezug zum Fußball hat. Die Position der attraktiven High-School-Schülerin ist Verteidigerin, ihr Urteil „good game“ mag hiervon nicht unbeeinflußt geblieben sein. Nun ja, Edmund Becker und Rolf Dohmen dürften feuchte Hände bekommen, wenn sie wüßten, daß eine ambitionierte Alternative für ihren Lieblings-Mannschaftsteil in der Stadt weilt.
Engelhardts Bringschuld
Denn ungeachtet aller Mißerfolge scheint Trainer Becker nicht davon abzubringen zu sein, seine zurückhaltende Grundordnung beibehalten zu wollen, sodaß das Spiel gegen Aachen eine logische Fortsetzung der letzten Monate war. Erneut klafften erhebliche Lücken zwischen den Spielzonen und wurden kostbare Spielphasen leidenschaftslos verschenkt. Auch scheinen Beckers Geduld und Vertrauen gegenüber arrivierten Spielern wie Christian Timm und Marco Engelhardt nahezu grenzenlos zu sein. Gerade Engelhardt ist aufgrund seines vertraglichen Status als Top-Verdiener der Mannschaft in einer derartigen Bringschuld, daß das Öffentlichwerden von Einzelheiten seines ausgezeichnet dotierten Vertrages nicht ratsam wäre – es würde noch mehr Tumulte auslösen. Schon jetzt hat er in der „Publikumsgunst“ die Nachfolge Antonio da Silvas angetreten und sollte er schleunigst darum bemüht sein, die ihm gegenüber zu Tage tretenden Emotionen in eine positivere Richtung lenken zu können. Ebenso wünscht man Becker den Mut, die volle Bandbreite seines talentierten Kaders auch auszunutzen.
Wie man sich überflüssig macht
Viele Fans haben den Glauben an solche internen Selbstreinigungskräfte allerdings inzwischen aufgegeben und sind bemüht, ihrer Kritik einen festen und qualifizierten Boden zu geben. Mit der Webseite www.gegen-gerade-jetzt.de wurde, dem Beispiel der „kritischen Arminen“ aus Bielefeld folgend, vor einigen Wochen eine Internetpräsenz ins Leben gerufen, die die öffentliche Meinung für Mißstände im Verein sensibilisieren sowie nicht nur nörgeln, sondern auch Verbesserungsvorschläge machen möchte. Viele sind verzweifelt darüber, daß, ihrem Empfinden nach, offenkundige Mißstände im Verein in der medialen Berichterstattung seit Jahren nicht auftauchen und die wesentlichen örtlichen Journalisten ihrer Pflicht nicht nachkommen, unabhängig und überparteilich über den Verein zu schreiben. Wenn es gelingt, die Beiträge auf dieser Internetseite ausgewogener und konstruktiver zu machen, dann kann „Gegen-gerade-jetzt“ ein Beispiel dafür sein, wie sich traditionelle Medien unnötigerweise überflüssig machen. Die besten Marketingmittel sind und bleiben nun einmal Ehrlichkeit, der Wille zur Selbstkritik und die Fähigkeit, hieraus auch Schlüsse zu ziehen. Aktionen wie das kostenlose Verteilen von, den Umweltzonen-Vignetten nachgeahmten, Aufklebern mit dem Logo, „Aufstiegszone, Durchstart erlaubt!“, erinnern daher allenfalls an die unsägliche „Rauf-geht’s!“-Kampagne aus dem Jahr 2000. Angelika, Petra und Theresa hätten es ohnehin besser gefunden, wenn man sich im Stadion an das Original gehalten und eine rauchfreie Umweltzone eingerichtet hätte.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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Ich empfehle Angelika, Petra und Theresa beim nächtsten Aufenthalt in good old germany, einen Besuch in good new hoppenheim… kein lärmender, qualmender, saufender und stinkender Fanpöbel, sondern Familienspass pur.
Pro Fußball als Proletensport
100% gegen rosa Schals
Hoffenheim ist überall. Ich empfehle Phönix78 und den noch geduldeten Narren im verlogensten Geschäft der modernen Unterhaltungsindustrie endlich zu akzeptieren das auch sie nur Bauern im Schachspiel
der Profimafia darstellen.(Am extremsten zu sehen in Italien,Osteuropa,lateinamerika)
Pro Amateurfußball, contra rosa Fan- und Vereinsbrillen