Edmund Becker ist gescheitert — und sollte gehen
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Fotos, Kolumnen - 2.852 Klicks
Als Fotograf an der Seitenlinie hatte man während der zweiten Halbzeit des KSC-Spiels am Freitag in Paderborn reichlich Zeit, sich abseits des Rasens umzuschauen und auf die Zuschauer zu achten – denn auf dem Spielfeld tat sich herzlich wenig, das des Dokumentierens wert gewesen wäre. Hierbei waren die sich im Stehplatzblock befindlichen KSC-Fans lautstark böse, während sich diejenigen im Sitzplatzbereich schlicht nur der Lethargie und Fassungslosigkeit hingaben.
Es war die Demonstration dessen, wie die deutsche Sprache um den Begriff „ein langes Gesicht machen“ bereichert werden konnte. Nach dem Abpfiff schließlich beschimpften die Fans ihre Spieler hemmungslos, was sich einer von ihnen nicht bieten lassen wollte: Der Kroate Dino Drpic pöbelte in seiner Muttersprache fleißig zurück. Allerdings nicht ahnend, daß sich gleich in der ersten Reihe ein Fan befand, der des Kroatischen ebenfalls mächtig war. Die kolportierten Worte Drpic’ dürften locker ausreichen, um heute in gewissen Milieus deutscher Großstädte erbitterte Blutfehden auszulösen.
Der Trainer erreicht niemanden mehr
Zu einer solchen Emotionalität waren die KSC-Akteure in den vorausgegangenen 90 Minuten nicht in der Lage gewesen. Obwohl die Gesamtleistung schlichtweg erschütternd war, gelingt es mühelos, mit Christian Timm und Marco Engelhardt noch zwei besondere Exponenten des Grauens hervorzuheben. Daß es nun ausgerechnet der finnische Stürmer Niklas Tarvajärvi war, den mit der Auswechslung noch vor dem Halbzeitpfiff die Demontage seines Trainers ereilte, sollte er sich nicht so sehr zu Herzen nehmen – denn Opfer einer Beckerschen Panikentscheidung hätte nahezu jeder KSC-Spieler werden können. Zu schlecht, leb- und willenlos war der Auftritt, der einem die Überzeugung aufdrängt, daß die Mannschaft mit dem Trainer abgeschlossen hat und von diesem kaum mehr erreicht werden kann.
Als nun der Paderborner Trainer Andre Schubert seinem Karlsruher Kollegen auf der Pressekonferenz gut gemeint mit den Worten sekundierte, daß man einen Trainer und seine Arbeit nicht schon nach zwei Spieltagen einer Saison derart in Frage stellen dürfe, war dies zwar lieb gemeint, doch traf es nicht den Kern, worin die Schwierigkeiten Edmund Beckers liegen. Denn diese gründen nicht erst auf den zwei Punktspielen der laufenden Saison, sondern bereits in den rund fünfzig Spielen der vergangenen eineinhalb Jahre zuvor.
Die letzte Chance nicht genutzt
Daß es Becker in diesem Sommer noch einmal ermöglicht wurde, in Karlsruhe einen Neubeginn zu versuchen, war angesichts seiner Arbeit seit Januar 2005 gerade noch vertretbar. Allenfalls befürchten, aber nicht wissen konnten allerdings die KSC-Verantwortlichen, daß der Reichenbacher diese Chance derart rasch und unmißverständlich nicht würde nutzen können. Auf dem Platz präsentiert sich seine Mannschaft in allen entscheidenden Bereichen unverändert so, wie in den Monaten zuvor: Weite Strecken des Spiels werden verschlafen; das Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile ist ebenso ungenügend wie das Offensivspiel und der Abschluß vor dem Tor; taktische und personelle Kreativität sind nicht vorhanden; Wille und Einsatzbereitschaft sind weder der Spielklasse noch der jeweiligen sportlichen Situation angemessen. Zudem scheuen sich selbst Stamm- und in des Trainers Gunst stehende Spieler nicht, Becker maßgebliche Mängel in der Menschen- und Trainingsführung zu attestieren. Diese Rucksäcke nahtlos in die neue Spielzeit mitgenommen zu haben, muß sich der Trainer vorwerfen lassen. Ein „Weiter so!“ wäre allenfalls dann möglich gewesen, wenn der Kader noch radikaler umgebaut worden wäre.
Die Zuschauer hätten die Geduld gehabt
Generell wäre es für Becker nicht unmöglich gewesen, trotz eines stotternden Starts die Zustimmung und Geduld des Publikums zu erhalten. Denn die Unzufriedenheit speist sich keinesfalls aus dem Ausbleiben von Punkten, sondern aus der trostlosen Art und Weise, wie dies geschieht. Dem Trainer ist es nicht gelungen, den Menschen auch nur einen Zipfel Hoffnung zu geben, daß es wenn nicht kurz-, dann zumindest mittelfristig wieder besseren und erfolgreicheren Fußball zu sehen bekommen würde. Es ist diese drückende Mutlosigkeit, die sich wie ein roter Faden durch viele seiner Entscheidungen zieht.
Den richtigen Zeitpunkt verpaßt
Selbst wenn der KSC nun in den kommenden Wochen zu punkten beginnen würde, ist es nicht vorstellbar, daß Edmund Becker diese Mannschaft in eine positive Zukunft wird führen können. Daß er auch noch im Sommer die letzte Möglichkeit verpaßt hat, einen einigermaßen leidlichen Schlußstrich ziehen und in Respekt Abschied nehmen zu können, ist tragisch. Auch wird es nicht das beste Empfehlungsschreiben für andere Vereine sein, sollten Interessenten erkannt haben, wie eng der selbst gewählte Erkenntnis- und Bewegungsspielraum Beckers ist. Dies ist bedauerlich. Interessant wird jetzt nur noch sein, ob er selbst die Reißleine zieht, oder dies der angesichts anstehender Veränderungen im Präsidiumsbereich noch stärker unter Druck geratende Manager Rolf Dohmen tut. Aber daß es geschehen wird, ist seit Freitag nicht mehr zu bezweifeln.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.























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wieder einmal alles gesagt. nur wills anscheinend immer noch niemand hören.
trifft den nagel auf den kopf!
danke ede für alles, aber es ist zeit sich zu trennen.
* einmal, muss jeder gehn, auch wenn dein herz zerbricht! doch wollen wir nicht untergehn, ede ärgere uns nicht *
Eine badische Karriere:
Von der Lichtgestalt zum Totengräber…
Hätte nie gedacht, dass EDE so sehr an seinem Stuhl kleben würde. Bin menschlich von ihm zutiefst enttäuscht, da er dem KSC schon längst mehr schadet als nützt.
EDE wenn dir der Verin noch am Herzen liegt dann gib endlich auf wenn du noch einigermaßen bei Verstand bist, oder willst du uns in Liga 3 führen……
Unglaublich, was manche hier für einen polemischen Schrott von sich geben (soory für die Wortwahl, aber so ist es einfach…)…. Als wäre Becker der Hauptverantwortliche…. DAS geht einfach meilenweit an der Wahrheit vorbei!!
Die Taktik und die Mannschaftsaufstellung Beckers geben sicher Anlass zur Kritik.
Aber letzten Endes war es die Mannschaft, welche sich in Paderborn bis auf die Knochen blamiert hat. Vergessen wir nicht: Ede Becker hat teilweise sehr früh gewechselt. UND DAS ZURECHT!
Habt ihr denn auch das Interview mit Mutzel in der heutigen Ausgabe der BNN gelesen??? Ganz offensichtlich nicht!!! Mehr als nur einmal widerspricht sich hier Mutzel ganz offensichtlich. Und wenn man nur etwas genauer liesst, merkt man auch, das die Mannschaft die Hosen voll hat. Nicht umsonst hat DD für heute 16.30 Uhr (also nach dem Training) den Mannschaftsrat einbestellt. Ihr wollt wissen warum?……Nun,……. die sinngemäße Aussage von DD lautete: Ich will jetzt endlich wissen, was hier hinter den Kulissen gespielt wird….
Und wie wir DD kennen, werden demnächst ein paar klare Worte auch an die Öffentlichkeit gelangen.
Wieder einmal eine äußerst treffende Kolumne.
Chapeau Matthias.
Hoffentlich bleibt sie dieses mal ohne Konsequenzen
Die Mannschaft hat die Hosen voll und der direkte Vorgesetzte kann nix dafür? Wenn er genau diese Vorsicht nund Mutlosigkeit seit 2 Jahren durch die Aufstellung, öffentliche Äusserungen, taktische Grundausrichtung und (Nicht-)Wechsel bei JEDEM Spiel vorlebt? Es gibt Trainer, die sagen sinngemäß: Wir können an einem guten Tag jeden Gegner schlagen. Herr Becker hat bei den letzten 70 Gegnern immer nur gesagt “Wir müssen aufpassen, dass wir gegen die nicht verlieren”
Und dieser Trainer soll dann unschuldig sein, wenn die Mannschaft exakt so auftritt?
Sorry, lieber Dino, aber diese Position ist einfach nicht haltbar.
Es ist Aufgabe des Trainers, eine Mannschaft zu FÜHREN und ihr diese Angst auszutreiben und nicht dieselbe zu schüren. Wenn allerdings Motivation nach seiner eigenen Aussage nicht zu seinem Berufsverständnis gehört, hat dieser Mann keine Berechtigung Cheftrainer eines Proficlubs zu sein. Oder um nochmal Ede zu zitieren: “Im Erfolg brauchst du keinen Trainer, die Qualität zeigt sich in der Krise” Tja, die zeigt sich bei uns seit 1,5 Jahren…
@ matthias: ja, ein in der analyse auch m.e. nach sehr guter artikel, auch wenn es mir um die person becker leid tut! man kann nur hoffen, dass er das emotionale rüstzeug hat da unbeschädigt durch die harte phase, die im bevorsteht durchzukommen. ich würde mich freuen, wenn er nach einer weile pause wieder im diensten des ksc steht. das hat er sich trotz allem verdient – ede becker ist nach wie vor einer unserer “helden”!
eine kritische nachfrage zu diesem satz:
“Zudem scheuen sich selbst Stamm- und in des Trainers Gunst stehende Spieler nicht, Becker maßgebliche Mängel in der Menschen- und Trainingsführung zu attestieren.”
Hühner, die gackern, sollten bekanntlich auch eier legen! und das meine ich für die spieler wie aber auch den journalisten… ich halte es gerade zu für lächerlich von den spielern wie franz, eichner u. carnell sich im abgang in andeutungen zu ergehen. das ist eierloses gewäsch! diese pfeifen haben anderthalb jahre anscheinend die klappe gehalten. und selbst jetzt kommt m.e. nichts konkretes…
den scherbenhaufen dürfen andere aufkehren, bspw. u.a. adoube u. iashi…
aber wahrscheinlich meinst du mutzel und andere, oder? was mich ein wenig wundert, weil dein artikel vor dem bnn-interview schon öffentlich war… also um wen geht es da? das sollte man nicht spekulationen überlassen…
eine weiter anmerkung: wer “ede” sagt, sollte vielleicht auch “dohmen” sagen… natürlich enttäuscht uns becker, aber tut das nicht auch dohmen? was sind das für verträge mit den luschen timm & engelhard? besonders den letzteren zu kennen wäre sicherlich interessant! möglicherweise diktiert diese vertrag auch die aufstellung. damit meine ich nicht, dass er eine stammplatzgarantie hat, sondern das er wahrscheinlich so unverhältnissmäßig ist, dass der kerl spielen muss bis er bewiesen hat, dass er es wert ist! und das für die ersatzbank aus nürnberg.. ”
die causa “miller” ist – mal abgesehen von seinen spielerischen u. menschlichen unzulänglichkeiten – ebenso ein einmaliger witz! gerade er als ksc-manger weiß, was es bedeutet eine “fahrstuhlmannschaft” zu sein. das war der ksc zu jeder zeit und wird er wohl auch immer bleiben…
aber mein gott, dann kann es einem “nicht passieren”, dass man verträge abschliesst, die man wenige zeit später nicht einhalten kann. das ist eine farce! wenn das üblich wäre, dann gute nacht! und auch aus ähnlichem grund dürfen wir timm wohl noch länger ertragen als gewünscht!
ich will auch nicht sagen, dass bei dohmen alles schlecht war, aber es mehrten sich auch einfach bei ihm die unzulänglichkeiten… man sollte doch ergänzungen bereits vorab perspektivisch beobachtet haben… ein blick auf federico hätte genügt, um seinen damals aktuellen zustand zu beurteilen. saglik wurde panisch über nacht nachdem wehen-spiel geordert, damit ede ihn ob aus menschlichen oder spielerischen gründen auf die bank setzt… anderthalb jahre lang hat man keinen stürmer geholt… “kapplani wird noch ein großer etc.” und zu vertragsabschluss noch ne rolex…
also, ich erwarte nicht fehlerloses arbeiten. das ist unmöglich. aber es hat sich bei beiden zunehmend gemehrt. ede und dohmen sind m. e. als ein team zu betrachten. im guten wie auch im schlechten…
beide haben es verpasst nach dem abstieg sich mal öffentlich mit den fans auszutauschen. und auch die causa celozzi zeigte nochmals, dass beim ksc einige interne merkwürdigkeiten laufen… wo sind die celozzi-mios? warum nochmals wurden sie nicht wie versprochen für den transfer eingesetzt?
haben wir immer noch löcher im fass? ist der ksc ein fass ohne boden? kömel? pfälzer architekt? wem schulden wir wieviel und wielange noch?
und weil man da keine öffentliche, verlässliche ansagen macht, wird m.e. jetzt von einer welle und heftigkeit an kritik eingeholt, die man wohl nicht erahnen wollte… sie ist sicherlich nicht allein dem aktuellen tabellenstand und nicht dem gesamten kader geschuldet. das wäre unverhältnismäßig. nein, die kritik ist berechtigt, aber es hat nicht nur am trainer gelegen. das wäre eine verkürzung!
und das führt uns zu der frage, vor der wir uns gerne drücken… wer solls richten? für nen trainer hat man eventuell phantasien… wenn aber beide fällig sind? und kann der “kahnditat” wirklich mehr?
also es bleibt wohl spannend ksc-fan zu sein! und viel kraft im gegenwind! die fakten sprechen für dich!
@Holger: Einer der besten und zutreffendsten Kommentaren die ich hier jemals gelesen habe.
“Schöne” Bilder vom Rande des Spiels – die sagen eigentlich schon alleine alles aus.
Richtig, die Zuschauer hätten Geduld gehabt. Es ist nicht wichtig, daß der KSC nur einen Punkt aus den ersten beiden Spielen auf dem Konto hat, sondern wie sich die Mannschaft präsentiert: Ein nahtloser Anschluß zu den letzten anderthalb Jahren. Wenn sich nichts gravierendes ändert, sind wir auf dem besten Weg in die 3.Liga.
Matthias Dreissigacker bringt´s mal wieder auf den Punkt! Wäre schön, wenn´s beim Verein auch mal endlich jemand zu Kenntnis nehmen würde und Konsequenzen zieht!
Da hat es der Verein wohl nun doch zur Kenntnis genommen. Bin mal gespannt, wer jetzt aus dem Hut gezaubert wird…
aus ka-news:
“Nach der Rückkehr vom 45-Minuten Trip verabschiedete er sich von den Spielern, die er noch antraf. Lars Stindl und Neuzugang Andreas Schäfer erfuhren aus dem Munde des Trainers. “Das war’s. Morgen bin ich nicht mehr hier!” Zuvor hatte Becker allerdings noch den kompletten Mannschaftsrat zu einem Gespräch gebeten und seiner Enttäuschung freien Lauf gelassen. Von den Beteiligten war keiner zu erreichen. Entweder waren die Handys aus oder die Gespräche wurden nicht angenommen.”
Was sind denn das für charakterlose Oberluschen im Manschaftsrat? Eine Schande seid Ihr! Ewig habt Ihr Pfeifen Euch hinter dem Trainer verstecken können! Und jetzt “Dolchstoss” und Handy aus?
@ holger
So!
Nach dem St.Pauli Desaster ist der “Ede Becker” Schutzmantel für die Mannschaft ganz schnell als das enttarnt worden, was er war…… als spielerischer, kollektiver Offenbarungseid…
So schlecht waren wir mit Ede genau ein einziges Mal. Beim 7:0 in Hamburg…..
@dino: was willst du uns damit sagen? dass die entlassung falsch war? sie war richtig! der zeitpunkt war falsch und unfair. Dass Dohmen das so durchgedrückt hat sollte sein letztes Unding gewesen sein…
zudem hat niemand behauptet, dass ein trainerwechsel von einem tag auf den anderen alles verbessert. aber ein systemwechsel ist dringend notwendig! münchen so schon besser aus… und dann kam wieder der abfall ins charakterlose… dafür gibt es eben dann einen trainer, der den spielern beine macht…
Und nun???
Ede Becker ist weg und der KSC spielt keinen Deut besser als zuvor.
Und auch Markus Schupp ist nicht zu beneiden! Ich halte ihnen für den besten Trainer, welcher nach den Möglichkeiten des KSC zu verpflichten war. Und es ist leider keine Konstanz in den Spielen zu sehen.
Die Mannschaft ist´s welche hier in die Pflicht zu nehmen ist.
@dino: als hätte ich deinem letzen satz je widersprochen? aber von einer mannschaft kann ich nur etwas erwarten, wenn ich taugliche spieler kaufe… deshalb ist es auch richtig dohmen abzulösen… auch wenn es nicht zwingend bedeutet, dass es besser wird… aber es bedeutet, es besteht nun die möglichkeit, dass es besser wird…