Dann wäre ich hier fehl am Platz \ Godfried Aduobe
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Fotos, Fußball-Gespräche, Rund um den KSC - 1.038 KlicksInterview mit Godfried Aduobe, Schirmherr der Benefiz-Radtour von Conny Kluge.
\ Godfried Aduobe ist kaum wiederzuerkennen. Im privaten Kreis, auf der Terrasse seines Freundes Conny Kluge in Wörth, erlebt man einen gänzlich ungezwungenen, heiteren Mann, der mit dem „offiziellen” Fußballspieler nur noch wenig zu tun hat. Erst kürzlich war im Kicker treffend formuliert worden, daß Aduobe „die Arbeit mit den Medien scheut”. Doch hier ist nichts davon zu spüren.
Kennengelernt hatten sich die beiden vor rund vier Jahren, als Godfried Aduobe von Zeugwart Hüseyin Cayoglu bei einem Problem mit seinem Auto die „Helfende Hand” eines Knielinger Autohauses empfohlen wurde – eben Conny Kluge. „Conny ist ein ganz normaler, einfach ein super Typ!”, strahlt der Ghanaer. Daß die beiden ein enges, freundschaftliches Verhältnis verbindet, spürt man sofort. Jede Geste, jedes Augenzwinkern und gegenseitig in die Seite stupsen zeugt von der vorhandenen Vertraulichkeit.
Bald wird es für Kluge ernst, denn am 19. Juli geht es runter nach Monte Carlo. Er hat dann drei Wochen Zeit, in denen er mit dem Rennrad in neun aufeinanderfolgenden Tagen von Monaco nach Lichtenstein 1.300 km zurücklegen möchte. Und so langsam bekommt er zu spüren, worauf er sich da eingelassen hat. Denn nachdem sein Engagement für den Guten Zweck mittlerweile so viel Aufmerksamkeit und Resonanz erzeugt, hat das „Drumherum” erheblich zugenommen und gibt es mehr zu organisieren, als daß es seinem Trainingspensum gut täte. „Andererseits paßt es aber auch. Nach Wochen und Monaten intensivsten Trainings lasse ich es jetzt nur noch durch den Bienwald rollen”, äußert er sich zum Stand seines Vorbereitungsprogramms.
Diese Benefiztour für die Onkologische Kinderabteilung des Städtischen Klinikums Karlsruhe (FUOKK) nötigt Aduobe einen Heidenrespekt ab. „Nein, das wäre nichts für mich. Ich sitze nur eine halbe Stunde auf dem Fahrrad und schon tut mir der Popo weh!”, lacht er. Aber trotzdem ist er dabei – denn von dem nach Frankfurt gewechselten Maik Franz hat Godfried Aduobe gerne die Schirmherrschaft über Kluges Projekt übernommen und bringt er sich nun auf diese Weise ein.
Ach ja. Ganz so privat durfte sich Godfried Aduobe dann doch nicht der Ostpfälzer Sommerstimmung hingeben. Sein Beruf, der KSC, rief – und er antwortete:
Herr Aduobe, nach langem Zögern haben Sie doch noch das Angebot des KSC zur Vertragsverlängerung angenommen. Was gab den Ausschlag?
Godfried Aduobe : Meine Familie, im besonderen meine Kinder, wollten aus Karlsruhe nicht weg. Zudem werde ich bald 34 Jahre alt – und in diesem Alter kann man nicht mehr alles bekommen, was man möchte. Wobei die Erwartungen nicht weit auseinander lagen.
Gab es noch das konkrete Angebot eines anderen Vereins?
Godfried Aduobe : Ja, aus der Schweiz. Aber sie wollten noch abwarten, während ich eine rasche Entscheidung benötigte. So habe ich das Angebot vom KSC angenommen:
Sie sind in Karlsruhe sehr populär und sogar Publikumsliebling. Sind Sie auf diesen Status auch ein wenig stolz?

Godfried Aduobe : (Lächelt) Ja, ja sehr! Weil es nicht einfach ist, als Fußballer immer seine Leistung zu bringen. Aber ich habe auch an Tagen, an denen es nicht so gut lief, zumindest immer alles gegeben – und es freut mich, daß die Fans das auch erkannt haben. Und schließlich komme ich aus Ghana, sodaß es etwas Besonderes ist, wenn deutsche Fans mich lieben. Ebenso wie es für einen Deutschen etwas Besonderes wäre, in Ghana einen solchen Status zu haben.
Machen Sie es uns bitte einmal einfach und versuchen Sie, die Gründe für den Abstieg des KSC in wenigen Stichworten zusammenzufassen – falls so etwas überhaupt möglich ist…
Godfried Aduobe : Klar ist – Erfolglosigkeit beruht immer auf Fehlern! Aber es bringt nichts, mit dem Finger zu zeigen und zu sagen „der da, und der da und jener” haben etwas falsch gemacht. Eine solche Schuld kann man nicht an einzelnen Personen festmachen, sondern mehr an der ganzen Mannschaft, am ganzen Verein. Daß wir als Mannschaft einfach nicht unsere wahre Leistung abrufen konnten, kann man, zum Beispiel, auch nicht am Trainer festmachen. Er hat uns nach seinem besten Wissen trainiert und aufgestellt.
Aber eines weiß ich! Wir haben uns so viele Torchancen erarbeitet, und zu wenige davon reingemacht. Das war d a s Problem. Vier, fünf, sechs Tore mehr – und wir hätten den Klassenerhalt geschafft. Viele sagen auch, das Problem war Hannover. Aber nein, nein, nein, das war es nicht! Wir wären gar nicht erst in diese Situation gekommen, wenn wir in den Wochen vorher unsere Möglichkeiten genutzt hätten.
Gewichten Sie die Vorrunden-Niederlage von Frankfurt eigentlich auch so hoch, wie es manche hinterher getan haben? Also, daß sie für den weiteren sportlichen Verlauf entscheidend gewesen sei?
Godfried Aduobe : Nein, nein, das darf keine Entschuldigung sein. Das geschah in der Hinrunde und wir hätten hinterher noch viel Zeit gehabt, das zu korrigieren. Nein, das Frankfurt-Spiel hat uns nicht aus der Bahn geworfen.
Eine Frage – hatten Sie bisweilen den Eindruck, daß manche Spieler nicht immer alles gegeben haben könnten?
Godfried Aduobe : Ich kann nicht sagen, daß manche nicht alles gegeben haben könnten. Es lag nicht am Willen, sondern am Umsetzen, das Können war einfach nicht da. Sie, wir, haben die hohe Leistung, die man von vorher kannte und erhoffte, einfach nicht gebracht.
Als defensiver Mittelfeldspieler sind Sie in gewisser Weise ja davon abhängig, daß die Offensivkräfte Tore erzielen. Wie war denn generell die Stimmung in der Mannschaft – gab es wegen der Abschlußschwäche auch manchmal Vorwürfe an die Stürmer?
Godfried Aduobe : Sicher, wenn eine klare Torchance vergeben wurde, dann waren wir schon sauer. Wir arbeiteten hinten hart, um kein Tor zu bekommen, sodaß wir uns über eine vergebene Chance schon ärgerten. Wobei diese Emotionen weniger mit wirklicher Wut, sondern mehr mit dem Versuch, den Mannschaftskameraden zu pushen, zu tun hatten. Fehler passieren immer, aber die Stimmung in der Mannschaft war trotzdem immer gut!
Was passierte in der Halbzeit des Hannover-Spiels, das nur wenige Minuten zuvor durch einen Fehler Markus Millers aus der Hand gegeben worden war? Wie ging die Mannschaft mit ihm um?
Godfried Aduobe : (Sehr energisch) Ja, ja, wir gingen sofort zu ihm hin und haben ihn aufgemuntert – „weiter geht’s!” So etwas kann immer passieren, mit Gegentoren muß man im Fußball rechnen: (Lächelt)
Wie nahm die Mannschaft die Kritik an Trainer und Mannschaft auf, die von Teilen der Fans ja auch recht massiv geäußert wurde?
Godfried Aduobe : (Lacht) Wir waren überrascht. Denn wir hatten mit demselben Trainer und demselben Manager nicht nur den Aufstieg geschafft, sondern im ersten Jahr auch sicher die Klasse gehalten. Und dann plötzlich so etwas!
Fehler macht man immer, so ist das Leben. Unser Verhältnis zum Trainer war okay und ich glaube tatsächlich, daß es das einzige Problem war, die vielen Torchancen nicht genutzt zu haben. Wenn wir die genutzt hätten, dann hätte kein Mensch, wirklich kein Mensch – klopft sich hierbei heftig auf die Oberschenkel – auf Herrn Dohmen und Herrn Becker geschimpft. Ohne Tore kannst Du einfach nicht gewinnen, auch ein José Mourinho nicht! Alles wäre in Ordnung gewesen (Lächeln).
Erstmals seit Jahren hat sich das Gesicht der Mannschaft in diesen Wochen stark verändert. Begrüßen Sie diese Chance eines Neubeginns?
Godfried Aduobe : So etwas hat immer seine gute und seine schlechte Seite. Gut ist, daß die Jungs alle Fußball spielen und eine andere Qualität in die Mannschaft bringen können. Wenn man keinen Erfolg hatte, dann ist so etwas nicht verkehrt. Schlecht ist andererseits, daß es dauern kann, bis sich die Neuen eingelebt haben und man sich kennt.
Wenn Stefano Celozzi zu Ihnen gekommen wäre und Sie um Rat wegen eines Wechsels zum VfB Stuttgart gefragt hätte – was hätten Sie ihm gesagt?
Godfried Aduobe : Er ist zwanzig Jahre alt und kein Kind mehr. Auch hat er in der einen Saison bei uns gelernt, was in der Bundesliga abgeht. Ich hätte ihm gesagt, „bleib’ hier und hilf mit, daß wir wieder aufsteigen – aber wenn Du eine Chance siehst, beim VfB regelmäßig spielen zu können und auch alles andere stimmt, dann mußt Du auf Deine Karriere schauen“.
Conny Kluge schaltet sich ein: Godfried, wenn Du vor der Entscheidung stündest, ein sehr gutes Angebot annehmen zu können, sich Deine Familie über einen Ortswechsel aber nicht freuen würde – wie entscheidest Du dann, wie ist Deine Wertigkeit?
Godfried Aduobe : (Ernst) Wenn ich alleine wäre, dann ginge ich. Aber wichtig ist für mich immer, daß meine Familie sich wohlfühlt. Denn dann fühle ich mich auch gut. Meine Familie habe ich ein Leben lang und ich möchte, daß sie glücklich ist. Das Leben ist nicht nur Geld, und hier in Karlsruhe sind wir zufrieden. So bin ich beim KSC geblieben! (Lacht)!
Was war der schönste Moment der zwei Jahre in der 1. Bundesliga?
Godfried Aduobe : Das erste Spiel in Nürnberg! Der KSC hatte so viele Jahre nicht mehr in der Bundesliga gespielt, und dann schreien und singen so viele Fans im Stadion „nie mehr, 2. Liga!”… (ist gerührt)
Hatte es Sie eigentlich überrascht, daß der KSC in der Bundesliga so gut mithalten konnte?
Godfried Aduobe : Nein, überhaupt nicht – denn der Trainer hatte eine gute Mannschaft gebaut. Und in der Bundesliga kann jeder gegen jeden gewinnen. Nein, ich hatte keine Zweifel, daß wir zwar nicht jedes Spiel gewinnen können, es aber auch ohne Star funktionieren würde.
Abgesehen vom Ereignis des Abstieges – was war Ihre größte Enttäuschung in diesen zwei Jahren?
Godfried Aduobe : Das war das Hinspiel bei Eintracht Frankfurt. Nach dem 1:0 hatte ich mich so gefreut, daß wir heute drei Punkte holen würden – und dann verloren wir noch…
Noch eine – vielleicht – unangenehme Frage an Sie – im letzten Trainingslager in Belek verletzten Sie Ihren Gegenspieler Christopher Reinhardt schwer. Wie konnte das eigentlich passieren?
Godfried Aduobe : Ich wollte einfach den Ball spielen und ging energisch in den Zweikampf. Dabei bin ich ausgerutscht. Ich merkte zwar noch, daß er schneller war und entschied mich spontan für einen Scherenschritt, um ihn nicht zu treffen – doch das war die falsche Entscheidung. Wenn ich mit geschlossenen Beinen weitergerutscht wäre, hätte ich ihn nicht erwischt. Es war unglücklich, Chris war einfach zu schnell. Er war mein Freund, als er in Karlsruhe war, und das tat mir sehr leid. Wir haben danach darüber gesprochen, und er weiß, daß es keine Absicht war. Er ist nicht sauer.
Noch einen Blick in die Zukunft – was können wir vom KSC 2009/10 erwarten?
Godfried Aduobe : (Schnell) Den Aufstieg, denn wir haben eine gute Mannschaft! Wir müssen uns konzentrieren, hinten weniger Torchancen zuzulassen und vorne mehr Tore zu machen – dann sind wir wieder in der Ersten Liga! (Lacht!) Wenn alles stimmt, dann können wir aufsteigen. Denn ich denke, wenn ich als Spieler nach einem Abstieg nicht gleich wieder nach oben wollte, dann wäre ich fehl am Platz. Ich w i l l wieder aufsteigen!
Conny Kluge fragt: Ist es nicht Deine Aufgabe, vor allem die jungen Mitspieler jeden Tag etwas zu pushen und zur Leistung anzuhalten?
Godfried Aduobe : Ja, das müßte ich machen. Der Trainer sagt immer, „Goddie, treib die Jungen mal an!”(Lacht) Aber ich bin kein Spieler, der schreit, sondern ich möchte es lieber mit der ruhigen Art, zum Beispiel in Gesprächen, versuchen.
Spendenkonto des Fördervereins zur Unterstützung der onkologischen Abteilung der Kinderklinik Karlsruhe e.V.:
FUOKK e.V. Karlsruhe
Sparkasse Karlsruhe | BLZ: 660 501 01 | Konto-N°: 10 90 28 233
Bitte vergessen Sie bei der Überweisung nicht, Ihre Adresse anzugeben, damit Sie Ihr Spendenbeleg auch erreicht! Der Verwendungszweck lautet: „Conny Kluge”






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Ach ist das schön, einen wie unseren Godfried nochmal für weitere zwei Jahre im Trikot meines Vereines sehen zu dürfen.
Und dieses Interview zeigt doch, das Loyalität im Profisport kein Fremdwort sein muss.
schöner_bericht