Nicht zum ersten Male in dieser Saison nahm das Publikum im Wildparkstadion einen Spielausgang wie jenen vom vergangenen Samstag mit Schweigen zur Kenntnis. Große Emotionen blieben aus, sieht man einmal von vereinzelten Rufen der Ultras („Absteiger!“) in Richtung ihrer eigentlichen Lieblinge ab, die vom Block nebenan sogleich gekontert („Ultras raus!“) wurden. Dabei erscheint es hanebüchen, die Jungs im KSC-Trikot in der jetzigen Situation auch noch auf diese Weise anzugreifen. Mühe geben sie sich ja, auch wenn die Resultate auf dem Rasen bescheiden bleiben. Daß tatsächlich noch immer nichts verloren ist, zeigen der Blick auf die Tabelle und die Unfähigkeit der Konkurrenten, sich vom KSC entscheidend zu distanzieren. Dennoch irrlichtern die Gefühle der Zuschauer hin und her, wenn sie die tabellarischen Chancen mit der sportlichen Präsentation ihrer Mannschaft im Abstiegskampf abwägen. Damit die Fans noch bei der Stange bleiben, muß es der Mannschaft in den verbleibenden vier Spielen unbedingter gelingen zu zeigen, das Glück auch erzwingen zu wollen. Und dann würde es nach Spielende auch nicht so still bleiben  wie nach dem Cottbus-Spiel.

In der Versenkung?

Fast schon unter Ausschluß der Öffentlichkeit spielt sich beim KSC jedoch ein weiterer Existenzkampf ab, der für den Verein nicht minder bedeutsam ist wie das Schicksal der Bundesligamannschaft – der drohende Abstieg der 2. Mannschaft in die Fünftklassigkeit. Sicher, natürlicherweise liegt der Fokus von Verein und Öffentlichkeit stets auf der Lizenztruppe, und das gerade dann, wenn sie in der Bundesliga spielt. Aber daß die „Amateure“ in der Wahrnehmung derart in der Versenkung verschwinden konnten, ist besorgniserregend. Dies gilt einerseits für das Interesse der Fans – seit dem vom DFB erzwungenen Umzug vom Platz 2 in das Wildparkstadion haben die Zuschauerzahlen rapide nachgelassen. Dies dürfte gewiß nicht nur der Tatsache geschuldet sein, daß die Regionalliga gegenüber der 3. Liga nur noch eine verminderte Attraktivität besitzt, sondern besonders auch der bizarren Atmosphäre in der gewaltigen Schüssel, die in der Regel nur mit 200 oder 300 Zuschauern gefüllt ist. Gerade hierdurch fehlt die Intimität, die die Spiele der Zweiten stets so attraktiv gemacht hat. Als Konsequenz bleiben viele zuhause, die sich das nunmehr zugig und anonym gewordene  Verfolgen der Nachwuchsspiele nicht mehr antun möchten.

Eine undenkbare Situation

Doch viel bedeutsamer ist, daß der KSC vor dem Fiasko steht, talentierten und ehrgeizigen Nachwuchskräften ab der nächsten Saison nur noch eine fünftklassiges Team als Sprungbrett in den Profi-Fußball anbieten zu können. Das ist undenkbar. Gerade die Karlsruher, die aus finanziellen Gründen auf einen durchlässigen und gehobenen Unterbau angewiesen sind, würden mit dieser sportlichen Deklassierung weit mehr verlieren, als sie es mit dem bisherigen, wirtschaftlich als ausbaufähig zu bezeichnenden Engagement, bereits taten. Denn in der heutigen Zeit finden Talente im südwestdeutschen Raum weitaus attraktivere Ausbildungsvereine vor, die infrastrukturell, finanziell und hinsichtlich der Ausbildungsqualität merklich besser positioniert sind als der KSC. Die seligen Zeiten als Platzhirsch der Region sind längst vorbei – nur dies zu merken und darauf angemessene Antworten zu finden waren im Wildpark wohl noch nicht genügend Verantwortliche in der Lage. Generell mußte man in den vergangenen Jahren auch die Beobachtung machen, daß die Durchlässigkeit von den Amateuren nach oben nachgelassen hat. Seit der „goldenen Generation“ um Florian Dick, Christian Eichner, Sebastian Freis, Carsten Rothenbach, Timo Staffeldt und Martin Stoll hat es nur noch Lars Stindl als Eigengewächs geschafft, in den Profikader aufzurücken. Sebastian Langkamp wäre der zweite, doch hat jener seinen fußballerischen Schliff beim FC Bayern München und dem Hamburger SV erhalten. Und gerade mit dieser Perspektive, beim KSC leichter als anderswo einen Fuß in den Profi-Fußball setzen zu können, wäre es jungen Leuten besonders zu vermitteln, lukrativere Angebote auszuschlagen und hier sein Glück zu versuchen. Daß das Gegenteil passierte und zum Beispiel ein Hochveranlagter wie Daniel Brosinski die Flucht nach Köln ergriff, ist enttäuschend.

Alles muß in Frage gestellt werden…

Nun ist Trainer Rainer Krieg zurückgetreten und wird voraussichtlich auch sein Co-Trainer Michael Wittwer beim KSC keine Zukunft mehr haben. Gemeinsam mit Team-Manager Burkhard Reich waren es drei ehemalige Europapokalhelden des Klubs gewesen, denen die Zukunft des KSC anvertraut wurde. Die Erfolge blieben übersichtlich, sodaß man sich von dem nostalgischen Glauben trennen sollte, daß das verstärkte Einbinden von „Ehemaligen“ automatischen Erfolg generierte. Die erfolgreiche Nachwuchsarbeit ist zu wichtig, als daß man sie derart treiben lassen kann, wie dies in der jüngeren Vergangenheit geschehen ist. Man hört, daß sich Krieg darüber beklagte, von „oben“ personell nicht genügend unterstützt worden zu sein und vor allem deshalb den Bettel hingeschmissen habe. Wenn dem so tatsächlich so ist, so wäre diese Begründung entlarvend für das Selbstverständnis der Zuständigen der 2. Mannschaft. Denn es darf doch erwartet werden, daß der Karlsruher SC auch ohne Abstellungen seiner Profis stets eine Reservemannschaft haben sollte, die eigenständig dazu befähigt ist, in einer vierten (!) Liga zu bestehen!

… auch oben!

Hierbei gilt jedoch auch zu prüfen, ob denn von Seiten der Verantwortlichen aus dem Profi-Bereich nicht ebenfalls Verbesserungsmöglichkeiten bestehen. Unangenehmen Fragen darf der KSC hierbei nicht ausweichen. Denn zu auffällig war die zuletzt bewiesene Zurückhaltung, den Nachwuchskräften die Gelegenheit zu geben, sich in der Ersten Mannschaft zu beweisen. Abgesehen davon, daß man – siehe Stindl und Langkamp – sportliches Kapital brach liegen läßt oder nicht abruft, fehlt dann eben auch das entscheidende Argument, daß man es als Talent beim KSC leichter habe als anderenorts, den Sprung nach oben zu schaffen. Hierbei sollte man sich vor Augen führen, daß es nicht mehr die Häßlers, Kellers oder Kirjakovs sind, die den Rückgriff auf den eigenen  Nachwuchs verhindern. Die heutige Wirklichkeit im Profi-Kader ist weitaus profaner. Wann, wenn nicht jetzt, sollte sich der KSC seiner Nachwuchsarbeit versichern und sie wieder stärker in den Vordergrund rücken?


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


5 Antworten zu “Der vergessene Abstiegskampf beim KSC”
  1. blau weißer Dino sagt:

    Ich hab bei den meisten Heimspielen der Saison noch was ganz anderes, aber nicht minder erschreckendes festgestellt: Diverse Ergänzungsspieler aus der ersten Mannschaft haben selbst gegen viertklassige Gegner keinen sichtbaren Leistungsunterschied erkennen lassen. DAS ist wirklich beängstigend!!

    Und wer trainiert nun zukünftig die jungen Leuts der zweiten KSC Garde??
    Burkhard Reich als Teamanager wirds wohl selbst noch nicht wissen,…oder??

  2. Und nochwas wird von vielen Pessimisten, welche Ede Becker und Rolf Dohmen sooooo gerne weg hätten, gerne mal vergessen:

    http://www.fussballdaten.de/vereine/karlsruhersc/2005/

  3. Gott Sei Dank!
    Unsere zweite Mannschaft hat das immens wichtige Heimspiel gegen die zweite von Greuther Fürth knapp, aber verdient, mit 2:1 (1:0) gewonnen.
    Zwei Tore von Sebastian Fischer sicherten unserer Regionalligamannschaft drei enorm wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg.
    Am kommenden Mittwoch um 18.00 Uhr findet das nächste Spiel des KSC II statt.
    Der Gegner heist: SV Waldhof Mannheim.
    Unterstützt unsere Mannschaft in diesem, möglicherweise vorentscheidenen Spiel gegen den alten Lokalrivalen aus der Kurpfalz.
    Drei Punkte sollen es werden!
    Auf gehts!

  4. Vier Spieltage vor Ende der Saison stehen nun alle drei Absteiger fest:

    Weit abgeschlagen auf dem letzten (18.) Tabellenplatz und somit auch rein rechnerisch nicht mehr zu retten: Die zweite Mannschaft der SpvGG Unterhaching.

    Auf dem 17. Platz und somit rein sportlich noch zu retten: Der TSV Großbardorf.

    Der Verein hat schon vor Wochen aus wirtschaftlichen Gründen für die nächste Saison keine Lizenz für die Regionalliga Süd beantragt und ist somit der zweite, bereits vorzeitig schon feststehende Absteiger. Großbardorf war allerdings auch rein zuvor rechnerisch bereits abgestiegen.

    Auch der dritte Absteiger steht seit dem Wochenende fest.

    Die Mannschaft der Victoria Aschaffenburg hat für die kommende Saison ebenfalls keine Lizenz erhalten und steht somit, trotz Ihres derzeitgen 13. Tabellenplatzes, als dritter und letzter Absteiger fest.

    Somit ist der Klassenerhalt für die zweite Mannschaft des KSC in der Regionalliga Süd vorzeitig gesichert.
    Rein sportlich gesehen steht man derzeit auf dem 16. Tabellenplatz, was den Abstieg in die Oberliga Baden-Württemberg bedeutet hätte.
    Allerdings stehen vier Spiele noch aus, so das auch rein sportlich gesehen, der Klassenerhalt noch gesichert werden könnte.

  5. Charlie sagt:

    Bei den Amas haben einige Spieler, die in der Vorrunde noch überzeugt hatten, stark abgebaut (z.B. Blum, Toch). Einzig Sebastian Fischer überzeugt immer wieder mit starken Auftritten und enormem Einsatz.

    Warum er, der ja zwischenzeitlich mal mit der 1. Mannschaft trainiert hatte, noch nicht zu den Profis hochgezogen wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Ein Instinktfussballer, der jetzt sogar Tore schiesst.

  6.  
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