Viel Feind, wenig Ehr – der Streit beim KSC
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 567 KlicksRechtzeitig zum bundesligafreien Länderspielwochenende esklalierten in der letzten Woche die Meinungsverschiedenheiten zwischen Präsidium und Verwaltungsrat des KSC und wurden Details einer gemeinsamen Sitzung der beiden Gremien an die Presse gegeben, die Manager Rolf Dohmen nicht zur Ehre gereichten – Anfang März hatte er einem Verwaltungsrat mit „Mord“ gedroht, sollte sich denn erweisen, daß jener hinter den Gerüchten stecke, daß der Rheinländer vom anstehenden Ausrüsterwechsel profitiert habe. Dohmen hatte sich umgehend bei seinem potentiellen Opfer entschuldigt, was von diesem auch angenommen wurde. Es besteht zwar kein Zweifel daran, daß eine solche Gossenformulierung auf dem Niveau eines Bundesligavereins nichts zu suchen hat. Doch Dohmen hat sich von seiner Gedankenlosigkeit umgehend distanziert, sodaß man diesen Vorfall im nichtöffentlichen Bereich als abgeschlossen betrachten sollte. Das war früher unter Jungs und Männern so üblich und sollte, die Windigkeit der Unterstellungen an Dohmen vorausgesetzt, noch heute gelten
Dohmen krempelte die Ärmel hoch
Bemerkenswert an der ganzen Sache ist daher weniger die Eskalation eines nun offenbarten Konflikts, sondern vielmehr dessen Begleitumstände. Daß sich Rolf Dohmen zu dieser Drohung hinreißen ließ zeigt auf, wie sehr und wie lange es in diesem Mann schon rumoren mußte. Als das Interesse des neuen Ausrüsters am KSC publik wurde, postulierte er als dessen ehemaliger Angestellter sogleich, sich aus der Entscheidungsfindung heraushalten zu wollen. Nur zu gut dürfte er sich daran erinnert haben, in welche Konflikte sich ein ungeschickter Oliver Bierhoff brachte, nachdem sich dieser für das Angebot desselben Ausrüsters an den DFB zur Verfügung gestellt hatte. Es half ihm aber nichts. Zu früh waren die ersten Gerüchte im Umlauf, und verstummt sind sie offenbar nie. Wahrscheinlich ist es bedeutend einfacher, Zahnpasta zurück in die Tube drücken als ein Gerücht aufhalten zu können. Hinzugekommen sein dürften die Anspannung der sportlichen Situation und die lauter werdende Kritik an Dohmens Personalentscheidungen. Bei nüchterner Betrachtung der Abläufe beim KSC wäre es zudem vielleicht besser gewesen, hätte sich zuletzt nicht zu viel an Entscheidungsabläufen auf die Person Rolf Dohmens konzentriert. Weniger wäre hier mehr gewesen, damit sich der Manager seine volle Konzentration auf seine Kernaufgaben hätte bewahren können. Man wird den Eindruck nicht los, daß sich Dohmen zu sehr aufreiben ließ. Wen wundert es da letztlich, daß der seiner Sozialisation nie künstlich entflohene Dohmen verbal derart die Ärmel hochgekrempelt hat?
Symptome der Schwäche
Nun, runde drei Wochen gingen seit Dohmens Verbalgrätsche ins Land und nichts geschah. Nicht, daß es im kleinen Karlsruhe geheim geblieben wäre. Recht zeitnah raunte man sich das bedrohliche „hasch des scho’ g’hört?“ zu. Daß es nun doch in der Presse thematisiert wurde, mag inzwischen als Symptom dafür gelten, wie angeschlagen und angreifbar die Entscheidungsträger des Vereins geworden sind. Und vor allem, daß die vereinsinternen Kritiker aus dem Verwaltungsrat jetzt – leider mit allen Mitteln – gewillt sind, ihre Bedenken zu manchen Entwicklungen im Verein nachdrücklicher darzustellen und auch der Öffentlichkeit deutlicher zu vermitteln. Zwar hatte man bereits auf der letztjährigen Mitgliederversammlung Kritikpunkte an der Präsidiumsarbeit artikuliert, doch dies eher mit dem Florett als mit dem Säbel, sodaß es sich die örtliche Presse leisten konnte, die Vorbehalte einfach zu ignorieren. Auch dürfte es dem Verwaltungsrat mißfallen, daß bislang jeder aus diesem Kreis, der sein Haupt zu deutlicher Meinungsäußerung entgegen der Präsidiumslinie herausreckte, sich von der veröffentlichen Meinung sogleich scharf angegriffen erleben mußte. Mit der grotesken Folge, sich auch noch dahingehend verhöhnen lassen zu müssen, mögliche Ambitionen doch bitte laut anzumelden, anstatt „von hinten herum zu agitieren.“
Feinde überall
Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Viele Betrachter des Geschehens beginnen zu realisieren, daß es sich die Verantwortlichen im Wildpark mittlerweile mit fast allen wichtigen Ansprechpartnern und Bindegliedern in Vielem verscherzt zu haben scheinen – so mit der Stadt und dem Gemeinderat, dem einstigen Geldgeber Michael Kölmel, dem eigenen Verwaltungsrat sowie den Zuschauern und Fans. Für die „Fünf Freunde“ Hubert Raase, Michael Steidl, Rainer Schütterle(Präsidium), Rolf Dohmen und Edmund Becker wird nun entscheidend von Belang sein, ob die Mannschaft den Abstiegskampf erfolgreich bestehen wird. Denn nur dann würde ihnen wohl noch die Chance gewährt, gemeinsam Versäumtes aufarbeiten zu dürfen.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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Auch wenn vergangenes geleistetes in der heutigen Zeit nicht zählt, darf man nicht vergessen, wo der KSC heute ohne die “Fünf Freunde” stünde.