Mehr Respekt für den KSC!
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Fotos, Kolumnen - 1.051 Klicks
Es ist schon viele Jahre her, daß der Verfasser und einige seiner Freunde sich sehr ärgerten. Im Februar 1989 waren die Abiturienten nach München gefahren, um ihren KSC im DFB-Pokalachtelfinale beim FC Bayern zu sehen. Vor nur rund 7.000 Zuschauern siegte der KSC sogar ebenso überraschend wie verdient mit 4:3. Aber die Freude währte nicht lange. Auslöser war die Videoaufzeichnung der ARD-Berichterstattung über dieses Spiel, in der Reporter Eberhard Stanjek den Spielausgang ausschließlich an Fehlern der Münchner, jedoch nicht an der tadellosen Leistung der Karlsruher festmachte. Natürlich wurde in jugendlichem Ungestüm ein Leserbrief verfaßt, der jedoch nie beantwortet wurde…
Nichts ist vorbei!
Ein wenig konnte man sich Wochenende erinnert fühlen, als der KSC nach dem Seitenwechsel neuerlich einen couragierten Auftritt hinlegte, den Bayern mehr aus eigener Kraft, und weniger aus deren Schwäche, erhebliche Schwierigkeiten bereiten und sogar fast noch ausgleichen konnte. Ähnlich war es schon in Wolfsburg verlaufen, als sich die Karlsruher auch dort einem ambitionierten Gegner keinen ungefährdeten Erfolg gestattet hatten. Das Fazit sollte daher lauten: Nichts, aber auch gar nichts ist schon vorbei! So tritt kein Absteiger an, schon gar nicht eine Mannschaft, die nicht mehr an sich glaubt und jeder nur noch auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Freilich – nicht aus nur aus tabellarischen, sondern auch wegen des Selbstvertrauens sollte gegen Mönchengladbach nun unbedingt gepunktet werden. Denn es ist nur schwer vorstellbar, daß ein erneutes Fernbleiben eines Erfolgserlebnisses nicht doch eine Auseinanderfallen des Teams hervorrufen würde.
Dabei ist es für Trainer Edmund Becker seit Monaten nicht einfach. Es ist bekannt, daß gerade er aus guten Gründen auf einen eingespielten Stamm vertraut. Von diesen unbedingten Stammspielern bringen jedoch nur die wenigsten Anwärter auf eine unbestrittene Position in der Stammelf jene konstante Leistung, die eine Mannschaft und ihr Spiel zu tragen vermag. Bis auf Edmond Kapllani, dem nach nur wenigen Spielen der Hinserie 2007/08 vielleicht zu früh das Vertrauen entzogen wurde, daraufhin unprofessionell den Kopf hängen ließ und noch nicht einmal an einem monatelang dilettierenden Joshua Kennedy vorbeikam, und Timo Staffeldt, dem mehr Zutrauen von außen vielleicht gutgetan hätte, erscheint hierbei kein Problem durch den Trainer hausgemacht. Es ist bedauerlich, daß es gerade potentielle Führungsspieler wie Christian Eichner, Michael Mutzel, Andreas Görlitz, Massimilian Porcello oder Markus Miller waren und sind, die aus unterschiedlichen, auch verletzungsbedingten Gründen seit Langem nicht mehr ein zuverlässiges Niveau erreichen.
Die Selbstdisziplin Beckers
Auch sind fleischgewordene Enttäuschungen wie Marco Engelhardt, Giovanni Federico, Christian Timm, Stefan Buck, Martin Stoll und Tim Sebastian zu benennen. Was sie sich, den Verantwortlichen und den Zuschauern versprachen, konnten sie bislang nicht dauerhaft einhalten. Hierbei kann sich keiner aus dieser Riege darüber beklagen, nicht ausreichend Bewährungsmöglichkeiten erhalten zu haben. Daß sie diese nicht genutzt zu haben und ihr Können zu zeigen nur sporadisch in der Lage waren, ist für einen Verein wie den KSC leider nur schwer zu schultern. Daß der Trainer ob dieses Mißbrauches seines Vertrauens noch nicht in wütende Raserei verfallen ist oder gegenüber manchem seiner Eleven noch nicht handgreiflich geworden ist, zeugt von einem gerüttelt Maß an Selbstdisziplin.
Kritik ist nicht per se destruktiv
Daß es dem KSC trotz dieser Schwachpunkte gelingt, sich in der Bundesliga wettbewerbsfähig zu geben und am Erfolg sehr häufig nur um Haaresbreite vorbeizuschrammen, ist bewundernswert. Denn mit diesen Voraussetzungen derart respektabel zu arbeiten, war für die Verantwortlichen nicht nur in den jetzigen Zeiten als Bundesligist, sondern auch schon in den Jahren in der 2. Bundesliga aller Ehren wert. Dennoch, oder besser gerade deshalb, sollten Präsidium, Trainer und einige ihnen gegenüber äußerst aufdringlich wohlgesinnte Vertreter der Medien, den Kritikern und Zweiflern etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und widerstrebende Meinungen nicht pauschal als von Eigeninteresse gesteuert oder destruktiv verurteilen. Schon im Zuge der Mitgliederversammlung im Herbst war zu beobachten, daß Präsidium und Management mit der aktiven Hilfe der Lokalmedien gehörig die Ellenbogen ausfahren können, wenn es um den Selbstverständlichkeitsanspruch ihrer Ämter geht. Und mittlerweile hat sich die einander verschworene und abhängige Gemeinschaft auf der Geschäftsstelle noch mehr in einem nur sich selbst verpflichteten Kokon eingerichtet, welcher der Nährboden für eher ungesunde Reflexe und Verhaltensweisen sein kann.
Mehr Raum!
Der stets vorgebrachte Vorwurf, daß sich aus dem Verwaltungsrat heraus still, heimlich und verschwörerisch Ehrgeizlinge positionieren würden, um die aktuell Handelnden um den Lohn ihrer Bemühungen zu bringen und selbst die „Plätze an der Sonne“ an sich zu reißen, zieht nur bedingt. Denn man muß Opposition und Kritik auch den nötigen Raum lassen, um sich artikulieren zu können. Gesundes Selbstvertrauen, Akzeptanz demokratischer Spielregeln und vor allem eine ehrliche wie gute Leistungsbilanz sollten dann in der Regel ausreichen, um sich den Widersachern erfolgreich zu stellen. Jegliche Opponenten aber reflexhaft in die Ecke von Umstürzlern und Heckenschützen zu stellen, kann leicht als Zeichen von Schwäche und Angst um die eigenen Pfründe verstanden werden. Und vor allem erst dann die Gewähr dafür bieten, eben jene Unruhe in und um den Verein entstehen zu lassen, vor der man sich doch so sehr fürchtet. Es ist ein Menetekel, daß sich die Geschäftsführung des KSC mittlerweile nicht nur intern (Verwaltungsrat), sondern auch extern (Stadt) in nahezu zerrütteten Verhältnissen befindet.
Nur gemeinsam wird es gehen
Für die anstehenden Aufgaben und Veränderungen – ganz gleich, in welcher Spielklasse sich der Verein zur kommenden Saison wiederfinden wird – wird ein offeneres Miteinander notwendig sein. Nicht ist gut genug, als daß es nicht durch den Blick von außen verbessert werden könnte. Die Handelnden beim KSC sollten sich dessen Chancen bewußt werden.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.























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Wer Ohren hat, der Höre!!
Abschließend muss noch gesagt sein: Es ist Ede Becker einmal mehr dafür zu danken, das er mit seiner Art der äußeren Unerschütterlichkeit ein Faktor für Stabilität darstellt. Gerade in diesen Zeiten ist Konstanz unabdinglich. Ede ist seit Jahrzehnten ein Beispiel für Vereinsloyalität!
Das sollte stets gewürdigt werden. Ich bin der absoluten Überzeugung, das ein Stühlerücken, egal auf welchem Posten, derzeit absolut garnichts verändern täte. (Außer, das unser bekanntermaßen, chronisch klamme Verein finanziell noch weiter über Gebühr strapaziert wird, dürfte wohl darüber hinaus nichts weiter herauskommen)
Passend zu diesem Thema war am Sa. 28.März in der Mittelbadischen Pressen zu lesen :
…hat der Fanclub Phönix Sons Karlsruhe `99 im Namen der aktiven KSC-Fanszene das Präsidium aufgefordert Dohmen und Becker zu entlassen und anschließend zurückzutreten . Im Heimspiel gegen Gladbach wird die Gegengerade von einem organisierten Support Abstand nehmen .
Genau ….das brauchen wir in dieser Situation…. nicht !! …”Machtspielchen”….
Wer vor der Sasion “wirklich daran glaubte” der KSC könne um einen UEFA-Cup Platz mitspielen ist massiv enttäuscht…..wobei dieser Glaube auch sehr unrealistsich war….
Dies rechtfertigt solch eine Forderung und diese Masnahme aber nicht !
@bernd: man braucht nicht von einem UEFA-Cup Platz geträumt haben um enttäuscht zu sein, wie dieser Club sich seit weit über einem Jahr präsentiert.
Als viel enttäuschender als das Versagen der Mannschaft auf dem Platz empfinde ich aber das offensichtliche Versagen in den oberen Etagen.
Das es dieses Jahr gegen den Abstieg geht sollte jedem klar gewesen sein. Die Frage ist aber WIE man absteigt. Präsidium und Management haben doch schon in der Vorrunde resigniert die Schwänze eingezogen als sie sagten “Wir gehen mit Ede auch in die zweite Liga”. Nicht, das ich für einen Rauswurf Beckers wäre, aber was ist denn das für eine Ansage? Motivation geht anders.
Aber zwischenzeitlich setzen sie ja noch einen drauf und zielen für eine evtl. Zweitliga-Saison einen Platz im Mittelfeld an …
Selten habe ich solch einen schicksalsergebenen Haufen Schlappschwänze gesehen.
Und nein, man kann nicht ewig von irgendwelchen Verdiensten zehren, wenn man nichts nachlegt. Wo z.B. sind neue Sponsoren? Was wurde von der Euphorie der Aufstiegs-Saison und der ersten BuLi-Hinrunde mitgenommen und in Kapital umgesetzt?
Einfach ständig nur jammern und heulen, “der KSC ist aber eine graue Maus und wir haben kein Geld” zieht nicht mehr. Bemüht Euch und zeigt als Verein endlich einmal die berühmten Eier!
stefko hat m. e. nach durchaus recht! dieses undifferenzierte pro ksc ist genauso blind wie die totale anti-stellung. aber diese teflonmentalität der scheinbaren unangreifbarkeit, weil finanzschwach nervt mich auch. natürlich ist der ksc eine fahrstuhlmannschaft zwischen erster und zweiter liga, wegen seines budgets. und ehrlich gesagt ich schaue mir lieber euphorische zweitligaspiele an als dieses eierlose gekicke… aber es wurden auch fehler gemacht und souveränität heißt, dass man offen darüber redet. dh. es hätte mal eine offene aussprache zwischen club und fans stattfinden sollen… dazu wäre die winterpause zeit gewesen… jetzt erntet man eine reaktion von den treusten der treuen anhänger und guckt schon wieder blöd in die röhe… und das ist eben auch absteigermäßig!
und die hoffnung stirbt zuletzt: wir brauchen ein tor und dann siegen wir gegen gladbach! vielleicht mal celoozi weiter vor ziehen und ballern lassen?
allez le bleu!