Mittwoch, 18. März

Widerstandskräfte weckt laut BNN (René Dankert) offenbar die Aussage von OB Heinz Fenrich, der im Anschluß an das Bielefeld-Spiel in einem Radio-Interview kund tat, „’wer ein Heimspiel gegen einen solchen Gegner nicht gewinnt, kann nicht in der ersten Liga bleiben. Deshalb ist nach dem Spiel heute klar: Wir steigen ab!‘” Maik Franz soll darob in den Boulevard-Medien gezetert haben, während sich Christian Eichner wehmütig an einen OB wie Professor Seiler erinnert, der sich „’mit viel Herzblut für den Verein eingesetzt hat und das immer noch tut‘”. Auch Antonio da Silva hat den Glauben noch nicht aufgegeben und möchte „’befreit, aggressiv und frech‘” beim FC Bayern auftreten – „’wir haben auch in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, dass wir gegen große Mannschaften große Spiele machen können.‘”

Trotz aller Zuversicht wabern natürlich Vertragsgerüchte durch den Wildpark. So werde laut Dankert geraunt, daß Franz und Eichner im Falle eines Abstieges den Verein ablösefrei verlassen könnten. Bei Miller träfe dies nicht zu, ebenso soll seitens des KSC Interesse an Patrick Klandt vom FSV Frankfurt bestehen. Und eigentlich wollte der KSC Dino Drpic ja auf jeden Fall kaufen – wenn nicht Raases Diktum, nur ablösefreie Spieler verpflichten zu wollen, im Raum stünde. Kommentar des Präses hierzu: „’Wir müssen noch einmal durchrechnen.‘” Auf jeden Fall sollen laut Drpic’ Berater für den Kroaten schon andere Interessenten aufgetreten sein.

Im Wochenblatt echauffiert sich Kommentator KArle über die so langsam daheim bleibenden „Modefans” und die Aussagen von Lokalpolitikern, daß der KSC nach dem zu erwartenden Abstieg ja wohl kein neues Stadion mehr bräuchte.

Auch im Sportteil wird attackiert, und zwar von Johannes Wagner. Das Fazit von Becker, daß „’all die Dinge, die man für ein Fußballspiel braucht‘”, zur Zeit nicht klappten, nimmt Wagner auf und verweist darauf, daß dies schon länger der Fall sei. Auch kritisiert er Beckers Wechselentscheidungen sowohl als verwunderlich (da Silva), als auch als zu spät. Am Ende nimmt sich der Autor wieder zurück und wertet einen von vielen Beobachtern geforderten  Trainerwechsel nicht als „Allheilmittel“, da Becker weder die Tore selbst schießen, noch ein neuer Trainer die Stürmerqualität verbessern könne.

Schließlich berichten Andreas Eisinger und „ht” von der seltsamen Polizeiaktion vor dem Bielefeld-Spiel, als ca. 70 vom Fan-Projekt zum Stadion laufenden Fans filmreif aufgelauert worden war. Sie wurden alle erkennungsdienstlich erfaßt. Der Grund – Abgleichen von Ermittlungsdaten aus dem VfB-Spiel.

Im WO am Mittwoch hat sich Thomas Riedinger Verteidiger Andreas Görlitz geschnappt und kurz interviewt. „’Wir geben nicht auf!’” ist der Tenor seiner Aussagen, selbst bei den Bayern sei es möglich, etwas zu holen – „’für uns ist es egal, gegen wen wir spielen, wir müssen punkten.‘”

Riedinger setzt sich auch mit den Statements Karlsruher Politiker (OB Heinz Fenrich, Harald Denecken) auseinander, die sich nach dem Bielefeld-Spiel herablassend über die sportlichen Qualitäten und Perspektiven der Mannschaft geäußert haben. Maik Franz sagte hierzu: „’Ich arbeite wie besessen daran, der Mannschaft noch helfen zu können, und dann solche Aussagen. (…) Wenn Herr Fenrich dafür gesorgt hätte, dass der KSC ein wettbewerbsfähiges Stadion hätte, dann könnte man die Spieler kaufen, die der OB gerne sehen möchte. (…) Und so sollte ein OB in einer ganz schlimmen Lage das Aushängeschild seiner Stadt nicht behandeln.‘”

Donnerstag, 19. März 2009

In den BNN widmet sich Gerhard Wolff dem neuen Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Dieser habe, obwohl er sich zuvor „nicht regelrecht aufgedrängt” habe, sein Chance vor allem deshalb bekommen, weil Becker mit Martin Stoll und Stefan Buck unzufrieden gewesen sei – „’sie hatten ihre Chance schon bekommen, Sebastian noch nicht‘”, so Becker.

Im Kicker hakt Uli Gerke – Verwaltungsratsmitglied Lüppo Cramer fordert Ede Beckers Ablösung. Wackelt der Trainer doch?” – bei Rainer Schütterle nach. Dessen Antwort: „’Derartige Aussagen sind eine Frechheit und in unserer Lage alles andere als dienlich. Für das Präsidium stellt sich die Trainerfrage nicht. Auch nicht bei Abstieg‘”.

Und in seiner Analyse der Situation schreibt Gerke, daß von den Winterkäufen nur Drpic die Erwartungen erfüllen konnte. Hoffnung mache aber, daß die Mannschaft intakt sei, die Verantwortlichen (Präsidium, Manager, Trainer) sich vom Verwaltungsrat nicht verunsichern ließen und gegen Gladbach, Cottbus und Hannover verlorener Boden noch gutgemacht werden könne.

Im Kurier, genauer seinem „Sportkommentar”, nimmt sich Harald Linder des Defätismus an, der das Karlsruher Umfeld angesichts der sportlichen Situation nach dem Bielefeld-Spiel bestimmt – und kritisiert dies scharf als „beschämend“. So bekommt der Oberbürgermeister Heinz Fenrich nicht nur „Stammtischniveau“  um die Ohren gehauen, sondern auch weitergehend ein klare Ansage: „Es ist einfach, im Erfolg den großen Gönner zu spielen. (…) Aber das ist in dieser Stadt ja nichts Neues. Im Erfolg sind sie alle da. Im Misserfolg werden die Schuldigen gesucht.” Auch vereininterne Kritiker watscht Linder ab: „Auch da versuchen mittlerweile einige profilierungsgeile Vereinsfunktionäre, die Situation zu nutzen, um endlich diejenigen aus dem Amt zu schießen. Die ihren eigenen Ambitionen schon immer im Weg standen.” Auch der offene Brief der Supporters fällt beim Autor in Ungnade: „Und wenn dann auch noch die Supporters sich über die sportliche Situation dahingehend auslassen, dass sie sich selbst als die einzigen, die ‚alles geben’ beweihräuchern und den handelnden Personen ‚Lethargie’ und ‚Ratlosigkeit’ vorwerfen, ist dies eine grenzenlose Arroganz, die allerdings Wasser auf die Mühlen derer ist, die endlich ihre Stunde gekommen sehen, um als Leichenfledderer ihren Schnitt zu machen.

Freitag, 20. März 2009

Im Lokalteil der BNN schreibt Patricia Kaluzny in der Serie „KSC – Hinter den Kulissen” über Busfahrerin Jessica Förster. Sie macht den Job seit drei Jahren, mag Pferde, ist 24 Jahre alt und kommt gebürtig aus Siegen.

Im Sport widmet sich René Dankert dem anstehenden Spiel bei den Bayern und weiß, daß Trainer Becker am Dienstag das schon in München war, um das Drittligaspiel von Bayern II gegen Eintracht Braunschweig zu beobachten. Und zwar nicht nur wegen Offensiv-Allrounder Thomas Müller, sondern einiger weiterer interessanter Spieler.

Samstag, 21. März 2009

Störfeuer zeigen Wirkung” betitelt René Dankert seinen KSC-Beitrag in den BNN und spielt damit darauf an, daß sich Trainer Becker auf der gestrigen Pressekonferenz ausführlich zu den Aussagen Fenrichs geäußert hat. Dankert läßt auch den gescholtenen Lüppo Cramer zu Wort zu kommen. Verwaltungsrat Cramer hatte im montäglichen Präsidiumstreffen eine Debatte über die Frage, ob ‚Ede Becker noch der richtige Mann beim KSC ist‘ und war dafür allgemein gescholten worden. Nun zitiert ihn Dankert: „‚Von den letzten 40 Spielen wurden nur acht gewonnen, in den letzten fünf Spielen gar kein ein ziges Tor mehr geschossen. Ich habe meine Befürchtung geäußert, dass wir nicht nur in die Zweite Liga absteigen, sondern auch in die Dritte Liga durchgereicht werden.‘”

Hübsch aufgespießt hat Dankert die Nachricht, daß Bayern-Manager Uli Hoeneß Verteidiger Andreas Görlitz offenbar eine mögliche Rückkehr nach München in Aussicht gestellt hat. Görlitz hat auch schon einer Münchner Zeitung gesagt, auf die Zweite Liga „’keinen Bock‘” zu haben. Ja mehr noch, daß er sich zutraue, unter Klinsmann eine Rolle zu spielen, da er sich beim KSC nicht nur weiterentwickelt, sondern als Führungsspieler auch ‚viel Verantwortung‘ habe. Dankerts Kommentar: „Mit Blick auf die Tabelle eine kuriose Vorstellung.

Im Badischen Tagblatt wirft sich auch Frank Ketterer für die derzeit Verantwortlichen des KSC in die Bresche. Der Oberbürgermeister wird kritisiert – „Nun kann man im Kern zwar prinzipiell dieser Meinung sein, als sich sorgender Stadtvater sollte man diese aber zumindest nicht derart schadenfroh zum Besten geben. Schon gar nicht, wenn es am Ende so gedeutet werden könnte, als sei man gar nicht so unglücklich über den möglichen Abstieg, schon um beim Thema Stadionbau mehr als in Liga eins die Bedingungen diktieren zu können.

Auch die Person und Kritik von Verwaltungsrat Lüppo Cramer wird als „Fähnlein im Wind” eingeordnet: „ (…) der hat wiederum in einem TV-Interview sowohl Trainer Becker als auch Rolf Dohmen mehr oder weniger unverhohlen zur Disposition gestellt sowie dem gesamten Präsidium weitgehende Untätigkeit vorgeworfen. Möglicher Hintergrund dieser Attacke: Im Spätjahr stehen beim KSC Präsidiumswahlen an. Nicht ausgeschlossen, dass sich da der ein oder andere schon mal in Position zu bringen versucht.

Aber auch Positives hat Ketterer zu vermelden, wenn er auf die Unterstützungsaktion der Fans zu sprechen kommt – „An Zuspruch fehlt es nicht in diesen schweren Tagen, wer auf dem Adenauerring Richtung Stadion fährt, bekommt davon schnell eine Ahnung. Überall hängen dort seit gestern aufmunternde Sprüchlein, von den Fans in blauer Farbe auf weiße Laken gepinselt. ‚Ihr schafft das!’, hat einer geschrieben, ‚Jetzt erst recht!’, ein anderer. An Brücken haben sie die Grüße an ihre bis über beide Ohren im Abstiegskampf steckende Mannschaft gepinnt, auch an Zäune, Laternen und Baumstämme. Je mehr man sich dem Wildparkstadion nähert, um so mehr dieser Mutmacher bekommt man vor Augen, und allen wohnt irgendwie inne, was auf zweien ganz wortwörtlich geschrieben steht: ‚Der Glaube versetzt Berge!’ Und: ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt!’ Es ist eine wirklich anrührende Aktion, die die Fans des Karlsruher SC sich da haben einfallen lassen. Und es muss sich wie Balsam anfühlen auf den Seelen jener, die wohl am meisten unter der sportlich so schwierigen Situation leiden und am letzten Tabellenplatz, also Spieler und Trainer.


Das Interesse am KSC boomt nach wie vor, und noch nie wurde so viel über den Verein geschrieben wie heute. Dadurch mag es bisweilen schwer fallen, den Überblick zu behalten. Da wir nun zwangsläufig sehr viel lesen und uns hierbei so manch Bemerkenswertes in die Hände fällt, möchten wir hierüber an dieser Stelle künftig allen KSC-Freunden – vor allem jenen, die nicht im Raum Karlsruhe leben – eine kleine Übersicht verschaffen.

Natürlich wird in dieser Rubrik kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben (wer z.B. möchte schon täglich die BILD lesen, geschweige denn kaufen?). Doch hoffen wir, mit lockerer und – selbstverständlich! – subjektiver Kommentierung den Wust ein wenig lichten zu können.


3 Antworten zu “Die kleine Presseschau vom 18. bis zum 21. März 2009”
  1. Der offene Brief der Supporters spricht mir aus dem Herzen.

    Was allerdings von Seiten eines OB Fähnrich verlautbart wurde, zeugt von ausgeprägter Charakterlosigkeit. Kein weiteres Wort über ihn.

    Allen beteiligten sei ans Herz gelegt: orientiert Euch an den Fakten alleine. An den schlechten (Lage der Mannschaft), wie auch am positiven (was seit 2005 erreicht wurde).

    Und verschont uns mit taktiererischer, dick aufgetragener Polemik.
    Vielen Dank!

  2. Holger Lauinger sagt:

    auf der ksc-website wird “elf freunde” beworben… das dürften sie für “auf, ihr helden” auch gerne öfter tun…
    dem ksc-management fehlt meiner ansicht nach auch so einiges am umgang mit den akteuren in seinem umfeld und den fans…

  3. Nun, das überrascht mich nicht wirklich. Schon zu früheren Zeiten wurde hier so ziemlich alles sträflich vernachlässigt. Bekanntermaßen gab es ja Zeiten, in welchen Ex-Spieler und andere, langjährige, für den Verein tätige, von der Toreinfahrt ans Kassenhäusschen verwiesen wurden.
    Es muss ja nicht gleich der Bau eines KSC Museums sein. Aber ein Mindestmaß an Loyalität wäre doch schon aus Gründen des Anstandes geboten. Es ist ja nicht nur ein Emanuel Günther, welcher bis heute von Seiten des Vereines vergeblich auf eine versöhnende Geste wartet………

    Gewisse Instanzen im Verein müssten auch mal endlich realisieren, das gerade eine florierende, gut funktionierende, Fankultur mit einem professionell und leidenschaftlichen betriebenen Printmedium wie dieses alle Unterstützung wert ist. Zumal es gerade in diesen tagen wahrhaftig viel Leidensfähigkeit erfordert, diese aufrecht zu halten.

  4.