Dienstag, 10. März 2009

Zunächst noch zwei Nachträge zur Sonntags- und zur gestrigen Montagspresse – im WO am Sonntag titelt Thomas Riedinger: „Motor läuft gut, doch Turbo zünden die Wölfe“. Weiter schreibt er, „so schlecht sah das doch gar nicht aus, was der Karlsruher SC (…) anzubieten hatte.” Gute Leistungen attestiert er in seinen Einzelbewertungen Miller, Drpic, Langkamp und Kornetzky. Abgefallen seien hingegen besonders Timm, Freis, Engelhardt, da Silva, Federico und Saglik.

Und in der tageszeitung (taz) schrieb gestern Peter Unfried, „der KSC spielte, wie der KSC halt derzeit spielt: Okay organisiert, okay engagiert, aber ohne kollektives oder individuelles Know-how übers Toreschießen.

Doch zur heutigen Presse. In den BNN schreibt Gerhard Wolff, daß die Mannschaft, „um den Rhythmus zu ändern und sich länger und in einem anderen Umfeld vorzubereiten“, ab Donnerstag ein Trainingslager in Herxheim – nicht wie üblich auf Schöneck – beziehen wird. Dennoch, soviel stehe schon fest, werde es für Markus Miller bis zum Samstag eng werden, da ihn  „’starke Quetschungen‘” im Knie noch immer nicht schmerzfrei auftreten lassen. Auch denke Becker daran, Mahir Saglik von Beginn an als zweite Spitze auftreten zu lassen.

Zu den verbalen Angriffen auf den Trainer schreibt Wolff – „Dabei zielt der Hauptkritikpunkt jener Anhänger, nämlich dass Cheftrainer Edmund Becker seine Elf zu defensiv ausrichte, speziell mit Blick auf die Partie beim VfL ins Leere. Der 52-Jährige setzte beim Tabellenvierten auf die ‚Doppel-Sechs’ im Mittelfeld, ließ seine Mannschaft aber keinesfalls Beton anrühren. Im Gegenteil: Der KSC, der sich als intaktes Team zeigte, suchte vielmehr von Beginn an seine Chance in der Vorwärtsbewegung und präsentierte sich gut eingestellt.

Mittwoch, 11. März 2009

In den BNN widmet sich René Dankert den zur Zeit in Ungnade gefallenen Nationalspielern des KSC: Edmond Kapllani, Aleksander Iashvili und Bradley Carnell. Während Kapllani das Gespräch mit dem Trainer suchen will – Becker sagte, er habe sich im Training vor dem Woilfsburg-Spiel nicht aufgedrängt – und um seine Einsatzmöglichkeiten in der albanischen Nationalmannschaft bangen muß, hat Iashvili zumindest dieses Problem nicht, da der Georgier in seiner Heimat weiterhin einen tadellosen Ruf besitzt. Dennoch sei die Situation für ihn ungewohnt, da er es stets gewohnt gewesen sei, zu spielen. Aber – „’Der Trainer sieht es so, der Spieler so.‘” Carnell schließlich befürchtet, daß sein Kredit beim heimischen Verband bald aufgebraucht sein und seine WM-Chance endgültig entschwinden könnte. Trotzdem würde er gerne seinen auslaufenden Vertrag im Badischen verlängern. Manager Dohmen aber mauere noch: „Vor April wird der Verein keine Gespräche führen.

Johannes Wagner (Wochenblatt) hat den KSC in seinem „Sport-Kommentar” fast schon aufgegeben. Er bemängelt, daß in Wolfsburg insgesamt zu wenig Präsenz gezeigt worden sei  – „(…) zu viele fahrlässige Ballverluste vor allem in der Vorwärtsbewegung, ja sogar oftmals schon in der Vorbereitung dazu. Überraschende Momente fehlten, dazu kamen Zögern und Umständlichkeit im Abschluss.

Die Sport-Bild zerreißt in ihrem Statistikteil die Angriffserfolge des KSC – „Offenbarungseid der KSC-Offensive“. Das Problem: „Dabei schießen die Karlsruher nicht selten aufs Tor. Die 322 Versuche bedeuten Platz 9 in der Liga. Aber: Nur jeder 18. Schuss landet im Netz, bei den Stürmern gar nur jeder 22. – katastrophal. Zu Vergleich: Im Ligaschnitt sitzt jeder siebte Stürmerschuss.” Und der Sport-Bild-Tip für den Samstag lautet: 0:1 („Im Sturm herrscht wieder mal Flaute, und die Verteidiger leisten sich wie zuletzt beim 0:2 gegen den VfB einige Fehler. Der Arminia reichen wenige Chancen für den Sieg im Kellerduell“)!

Donnerstag, 12. März 2009

Edgar Schmitt gibt im Kicker den KSC-Angreifern folgende Tips – „Es gibt nur ein Mittel: Vorne draufgehen. Die KSC-Stürmer haben derzeit nicht die innere Ruhe beim Abschluss. Weil sie zu viel laufen, fehlt ihnen die Konzentration für den Torschuss. Sie müssen vorne bleiben.

Uli Gerke weiß, daß zur Zeit noch mehr probiert wird, damit der KSC nicht den Anschluß verliert. Mit dem Trainingslager in Herxheim würde der Rhythmus geändert. Auch begännen gegen Bielefeld zwei Stürmer, wobei neben Freis alles auf Mahir Saglik hinausläuft. Auch die „Einstellung vor dem Tor” müsse sich laut Gerke ändern. Immerhin gesteht Giovanni Federico Fitneßdefizite ein, glaubt sich aber in besserer Verfassung als in den ersten Spielen. Leichte Kritik am Trainer scheint durch, wenn er sagt, daß er von der rechten Position mehr Torgefahr entwickeln könnte. Bislang war er von Becker stets als hängende Spitze oder im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt worden.

In den BNN steht ein Nachruf (Edgar Grünvogel) auf Ex-KSC-Spieler Gerd Faltermeier, der im Alter von 65 Jahren verstorben ist.

Und Gerhard Wolff schreibt, daß Markus Miller heute wieder ins Mannschaftstraining einsteigen wird. Mal sehen, ob es bis Samstag reichen wird. Tim Sebastian hat sich zwar schon gestern zurückmeldet, doch würde wohl Sebastian Langkamp dennoch in der Mannschaft bleiben. Ansonsten gab es am Mittwochabend bezüglich der Stadionfrage einen „Runden Tisch” mit KSC-Präsident Hubert H. Raase, OB Heinz Fenrich, Vertretern der IKK Karlsruhe sowie der regionalen Wirtschaft. Über dessen Ergebnisse steht noch nichts in den BNN.

Im Wochenjournal WO aus Baden-Baden (Thomas Riedinger) wird Michael Mutzel zum anstehenden Endspurt zitiert – „‘Wer so gut gegen das beste Rückrundeteam spielt, muss sagen: Die unteren Teams besiegen wir!‘”

Freitag, 13. März 2009

Heute steht in den BNN (Tina Kampf/ Gerhard Wolff) mehr über den „Runden Tisch Wildparkumbau”, an dem auch Vertreter von Init AG, Fiducia, SWS Spedition, Aluplast, EFA Tankstellen, die Vorstandsvorsitzenden der Volksbank, der Sparkasse und des Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verbands sowie ein Vertreter der LBBW teilgenommen haben. Offenbar bestehe die Bereitschaft zur Unterstützung und sei die Sitzung laut Stadt sehr konstruktiv gewesen. Seltsam nur, daß Präsident Raase zu einem entgegengesetzten Urteil kommt, indem er sich zitieren läßt, „’eine(r) andere(n) Veranstaltung‘” beigewohnt zu haben. Zudem wolle der KSC recht rasch einen „Runden Tisch” zum Thema Stadionneubau organisieren.

Im Sport trommelt Wolff hinsichtlich des KSC-Trainingslagers in Herxheim kräftig für das Hotel, in dem der KSC abgestiegen ist. Eigentlich fehlt, nur noch die Anfahrtsskizze, um die Werbung komplett zu machen.

In seinem „Sportkommentar” hofft Harald Linder (Der Kurier) auf die psychisch befreiende Wirkung des Trainingslagerwechsels. Denn rein sportlich fehle dem Team nur „der Biß, den man braucht, um umkämpfte Begegnungen oder Rückstände umzubiegen. (…) Dabei spielt man sich durchaus Tormöglichkeiten heraus, aber am Ende fehlt es an der Entschlossenheit und dem absoluten Willen, das Tor auch zu machen. Das ist aber weniger eine Frage des Trainings, sondern eher eine Frage des Kopfes.

Samstag, 14. März 2009

Im Badischen Tagblatt betätigt sich auch Frank Ketterer zunächst als Fachkraft für Marketing und Tourismus und exponiert das Herxheimer Hotel, wo der KSC zum Kurz-Trainingslager weilte, ehe er zum Sportlichen kommt – „Ein ganz normales Spiel wird es nicht werden heute Nachmittag im Wildpark. Die Menschen in Karlsruhe sagen das. Die Fans sagen das. Die Spieler sagen das. Das Spiel gegen Bielefeld ist ein Endspiel, das steht für alle fest. Gibt es einen Sieg, gewinnt der KSC nicht nur den Anschluss an die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt, sondern auch neuen Mut und Hoffnung. Kassiert er eine Niederlage, ist es zumindest der gefühlte Abstieg, auch wenn selbst danach rechnerisch nichts entschieden ist und immer noch zehn Spieltage zu spielen sind bis Liga zwei.

Und Ede Becker baut vor: „Und die Fans, das wiederum sagt Ede Becker, werden womöglich Geduld brauchen. ‚Bielefeld hat eine Mannschaft, die schwer zu bespielen ist’, weiß der KSC-Trainer. Vor allem defensiv stand die Arminia zuletzt äußerst stabil. ‚Das wird kein offener Schlagabtausch’, prophezeit Becker deshalb, schon eher ‚eine zähe Angelegenheit’. In dieser gelte es für die eigene Mannschaft zum einen entschlossen nach vorne zu spielen, zum anderen sich hinten nicht zu sehr zu entblößen, schon weil Arminen-Torjäger Artur Wichniarek nun doch mit von der Partie sein wird.

Im Lokalteil der BNN kommentiert Günter Kopp den „Runden Tisch” zwischen Stadt, Wirtschaft und KSC sehr skeptisch, da außer der Erkenntnis, den „Menschen in Stadt und Land” die Diskussion nicht mehr allzu lange zumuten zu wollen, nichts dabei herausgekommen sei. Auch sollten sich seiner Meinung nach alle Beteiligten endlich einmal darüber im Klaren sein, Vorbehalte abzulegen und sowohl offen wie vorbehaltlos miteinander umzugehen. Fenrichs Sololäufe und das nachträgliche Giften Raases sprächen nämlich dagegen, daß dies der Fall sei.

Im Sportteil (Gerhard Wolff) wiederum baut Manager Dohmen vor und versucht, der Mannschaft etwas en Druck zu nehmen – „es sind ja auch danach noch zehn Spiele” – und hofft weiter auf die Unterstützung der Fans. Doch die Karten-Aktion „eine zahlen, zwei bekommen” ist leider nur sehr schleppend angelaufen, der Run auf auf die Geschäftsstelle ist ausgeblieben.

Den Kommentar „Wort zum Sport” hat heute René Dankert geschrieben und erinnert daran, daß der KSC am Ende dieser Saison aufgrund der schlechten Plazierungen, des Zuschauerschnitts und der Wintereinkäufe rote Zahlen schreiben wird. Zudem spüre der Verein die Zurückhaltung der Wirtschaft, wenn es um das Sponsoring geht. Schließlich legt er dem Verein ans Herz, daß er das Minus als Bundesligist eher verschmerzen würde können, als daß er dies als Zweitligist tun müßte.

Sonntag, 15. März

Beim KSC war wenigstens der Wille zum Sieg zu erkennen” – schreibt Michael Müller in Boulevard Baden. Aber daß dennoch gegen „in keinster Weise” bundestaugliche Bielefelder noch nicht einmal ein Tor erzielt werden konnte, verleiht seinem Beitrag fast schon resignierende Züge. Hart das Urteil über Marco Engelhardt – „völlig neben der Spur“.

Bert Langbehn vermeldet übrigens, daß U-19-Spieler Matthias Cuntz ein Profi-Angebot erhalten hat. Allerdings sind noch zwei weitere Bundesligavereine an dem Taelent interessiert und fällt die Entscheidung wohl erst im April. Dessen Vater Günther Cuntz ist übrigens U-16-Trainer im Wildpark und spielte für den KSC einst sogar in der Bundesliga (1967/68, 1 Spiel/ kein Tor).

Auch Harald Linder (Der Sonntag) vermeldet ernüchtert – „während die Arminia so Anschluss ans untere Mittelfeld fand, bleibt der KSC Tabellenletzter und braucht jetzt schon ein kleines Fußballwunder, um dem Abstieg jetzt noch zu entgehen. Die Fans, die ihre Mannschaft vorbildlich unterstützt hatten, glauben offenbar nicht mehr daran. Nach dem Rückstand verließen sie in Scharen den Wildpark.

Das Wochenjournal am Sonntag aus Baden-Baden (Thomas Riedinger) sah einen zwar agilen, aber erneut torlosen KSC. In der Einzelbewertung sah der Verfasser nur Drpic, Langkamp und da Silva positiv. Deutlich seine Kritik aber besonders an Engelhardt, Federico, Kapllani und Freis.

Montag, 16. März 2009

KSC ist kaum noch zu retten“, „Freier Fall“, „Endzeitstimmung im Wildpark” – so lauten die Überschriften in den BNN (René Dankert/ Gerhard Wolff). Und folgende Zitate wurden aufgeschnappt:

Jetzt stecken wir noch tiefer in der Scheiße” (Rolf Dohmen)

Es ist nahezu unmöglich” (Trainer Becker über die verbleibende Chance auf den Klassenerhalt)

Wenn man so Spiele verliert, sieht es dunkel aus” (Michael Mutzel)

Wenn Du ein Endspiel verlierst, hast Du normalerweise auch das Spiel verloren” (Christian Eichner)

Dankert sah den KSC allenfalls zwischen der 23. und der 40. Minute „in einer guten Phase” und würdigt „die Zuschauer, die ihre Mannschaft mit einer bewundernswerten Ausfauer unterstützten (…)“. Und in seinem Kommentar resümiert er treffend: „Noch ist nichts entschieden, es bleiben dem KSC bei nunmehr sechs Zählern (…)  noch die Rechenwege; doch – nach menschlichem Ermessen – dürfte die 17. Saisonniederlage der Mannschaft von Trainer Edmund Becker des Schlechten dann doch entschieden zu viel gewesen sein. Spieler und Verantwortliche mühten sich nach der ersten Schockstarre, die das 0:1 gegen unvorstellbar harmlose Fußballspieler aus Bielefeld verursacht hatte, die wahre Tiefe ihrer Resignation nicht nach außen zu kehren. Um den Klassenverbleib in der höchsten Spielklasse noch zu schaffen, das wissen sie, müsste das Schlusslicht aus den zehn ausstehenden Spielen mindestens so viele Punkte schöpfen wie aus den vorangegangenen 24. Selbst 34 Punkte wären am Saisonende aber keine Garantie auf die Fortsetzung des Aufenthalts in der Ersten Liga. Ein grundlegender Neuanfang würde der freie Fall erforderlich machen. Die Vertragsgrundlagen der wenigen echten Leistungsträger erlauben im Sommer deren Fahnenflucht. Maik Franz wäre dann wohl weg, ebenso Torwart Markus Miller, die Leihkräfte Giovanni Federico, Andreas Görlitz und Mahir Saglik wären es sowieso. Insofern ist der KSC gut beraten, Spielern wie Stefano Celozzi, Lars Stindl und Sebastian Langkamp, über dessen späte, aus der Not geborene Berücksichtigung für die Innenverteidigung man sich wundern muss, auch die Zweite Liga frühzeitig schmackhaft zu machen – so der Abstieg sich nicht abwenden lässt. (…)

Auch Frank Ketterer (Badisches Tagblatt) kommentiert die Lage des KSC – „Klar, man kann jetzt natürlich einwenden, dass immer noch zehn Partien zu spielen sind und somit zumindest rein rechnerisch noch alles möglich ist, auch für den Karlsruher SC. Und klar, man kann auch darauf verweisen, dass die Karlsruher nach wie vor nicht den schlechtesten Fußball spielen in dieser Liga, sondern dass sie lediglich immer nur eines vergessen: Tore zu schießen. Fußball ohne Tore aber bringt nichts. Oder anders gesagt: Fußball ohne Tore ist kein guter Fußball, schon gar nicht, wenn die Trefferlosigkeit keine üble Laune des Augenblicks darstellt, sonder grausamen Normalität. Fest steht: Man kann all das nicht mehr sehen. Man kann all das nicht mehr hören. Man will all das nicht mehr schreiben. (…) Es reicht diesem KSC einfach nicht für Liga eins. Das hat nichts mit fortwährendem Pech zu tun, sondern mit dem Leistungsvermögen dieser Mannschaft und der Qualität ihrer Spieler. Die Gründe hierfür sind vielfältig, und natürlich wurden auch Fehler gemacht. Absteiger machen immer Fehler. Die größten Fehler, die in Karlsruhe begangen wurden, sind freilich nicht die aktuellen, sondern jene, die Trainer und Manager aus der noch gar nicht so alten Vergangenheit übernommen haben. Dass der KSC über den geringsten Etat der Liga verfügt, ist nicht Dohmens Schuld. Dass just dies sich mehr denn je direkt auf die Güte der Mannschaft auswirkt, nicht jene von Becker.

Und zum Spiel schreibt er: „Es wird wohl 17.13 Uhr gewesen sein, vielleicht war es auch schon 17.14 Uhr, in den Erinnerungen der Zuschauer wird das einmal keine große Rolle spielen. Laut später vorgelegter Spielstatistik handelte es sich um die 86. Minute, und exakt in dieser, das konnte man spüren, verlor eine ganze Stadt ihre letzte Hoffnung. (…) Folgen sollte ein geradezu gespenstisch anmutendes Szenario: Die Menschen im Karlsruher Wildpark zogen wortlos von dannen. Oder sie verharrten regungslos auf ihren Plätzen. Eine Eiseskälte schien sich in diesem Moment über das marode Oval zu legen. So ist es wohl, wenn ein ganzes Stadion, die knapp über 200 Bielefelder Fans einmal ausgenommen, unter Schock steht. So sieht es wohl aus, wenn sich die Anhänger eines Vereins klar darüber werden, dass sie gerade abgestiegen sind, zumindest in ihren Gefühlen. Selbst der Schlusspfiff von Schiedsrichter Helmut Fleischer kurz darauf konnte die Schockstarre nicht lösen. Erst als die Mannschaft sich auf den Weg hinüber in die Kurve der Fans machte, kehrte zumindest ansatzweise ein wenig Leben auf die Ränge zurück. Manche klatschten trotzdem artig Beifall. Manche pfiffen, nicht wirklich wütend, eher verzweifelt. Manche hatten feuchte Augen. (…)

Christian Eichner war dennoch fest gewillt, in Optimismus zu machen, sogar Gründe dafür hatte er parat. Erstens (und in Anlehnung an den Kollegen Mutzel): “Der Fußball hat schon die verrücktesten Geschichten geschrieben.” Zweitens: “Die Mannschaft ist intakt.” Schließlich drittens: “Wir haben auch heute gezeigt, dass wir eigentlich Fußball spielen können.”Das mag so sein. Auch gegen eine erbärmlich schwache Arminia war der KSC die bessere Mannschaft – und das nicht nur wegen der 65 Prozent Ballbesitz. Aber auch und selbst gegen diese erbärmlich schwache Arminia gelang ihr erneut kein Tor, dafür aber ein ebenso famoser wie folgenschwerer Patzer, diesmal eben durch Torhüter Miller.(…)

Selbst in der tageszeitung (taz) wird die Karlsruher Abschlußschwäche anhand Sebastian Freis („Der Chancentod“) thematisiert und schreibt Tobias Schächter: „Gegen Bielefeld hatte der KSC wieder einmal 65 Prozent Ballbesitz, zwei sehr gute Chancen und ein Dutzend gute Möglichkeiten. Aber mittlerweile scheinen die Spieler von Versagensängsten gequält, wenn sie nur des Gegners Tor sehen – auch Sebastian Freis, der schon in der Jugend und den Amateuren unter KSC-Trainer Edmund Becker spielte. Sein Antritt ist seine große Stärke. Aber oft fehlt dem immer engagierten Renner noch die Ruhe am Ball und zu oft auch vor dem Tor. Die einfachsten Chancen vergibt Freis meist kläglich, aus schwierigen Situationen Tore machen kann er aber wie kaum ein anderer. Zumindest im Kader des KSC. Ob er tatsächlich die Qualität hat, eine andere Bundesligaelf zu verstärken, wird die Zukunft zeigen. Für die Rolle des Retters seines KSC scheinen seine Schultern aber zu schmal. (…)

Und die Frankfurter Allgemeine (Peter Penders) fragt sich nach einem Spiel „auf unterstem Bundesliganiveau“, wie der KSC das Unmögloiche eigentlich noch schaffen wolle – „(…), aber beim KSC ist nicht einmal mehr im Ansatz erkennbar, wie die Mannschaft aus dieser unangenehmen Lage herauskommen will.” Des weiteren spricht der Autor von der „unglaublichen Ungeschicklichkeit” der Gastgeber vor dem Tor und geht davon aus, daß sich das Team vielleicht schon mit dem Abstieg abgefunden habe – „ihre Möglichkeiten haben sie ja auch schon ausgeschöpft. Neue Spieler – wenn auch vielleicht für die falschen Positionen – kamen in der Winterpause hinzu, dazu hatte Becker sie vor der Partie (…)auf diese wegweisende Begegnung im Trainingslager eingeschworen.

Und letztlich – auch Uli Gerke (Kicker) sieht den KSC am „Nullpunkt” angekommen und verweist auf ein Wunder, das allenfalls noch die Rettung bringen könnte. Überzeugen konnte ihn auch nicht Michael Mutzel, der darauf verweist, daß man schließlich nicht wie eine Gurkentruppe spiele und noch zehn Spiele ausstünden.

Außerdem stellte sich der Trainer dem Autor in einem Interview und nimmt seine resignativen Aussagen direkt nach Spielende zurück. Als Orientierung gelten ihm die positiven Entwicklungen in Bochum und Mönchengladbach. Ebenso sieht er seine Maßnahmen vor dem Bielefeld-Spiel nicht als verpufft an, sondern setzt auf deren langfristige Wirkung – „auf dem Feld und nach dem Spiel war zu sehen: Die Mannschaft ist intakt.

Eine Entscheidung seitens des Präsidiums gegen seine Person würde er im Sinne des KSC akzeptieren, sieht hierfür jedoch keinerlei Anzeichen. Verantwortliche und Mannschaft stünden weiter hinter ihm. Die Punkte von München gibt er noch nicht verloren, da selbst Bochum und Köln in der Allianz-Arena etwas mitgenommen hätten. Und die Tor-Misere? „Wir haben keinen Spieler, der 15 oder 20 Tore schießt. Aber auch ein Freis, Federico, Iashvili oder Kapllani könenn treffen. Die Qualität, um Tore zu machen, haben wir. Die kann ausreichen, die Liga zu halten. Sie greift, aus unerklärlichen Gründen, momentan nicht. Derzeit läuft alles total gegen uns. Das müssen wir ändern.

Dienstag, 17. März 2009

In den BNN findet sich ein Interview von René Dankert mit Präsident Hubert H. Raase.

Mußte er Becker zuletzt vom Weitermachen überzeugen?

Nein. (…) Allerdings baten wir ihn auch, es uns wissen zu lassen, wenn er Probleme sehe, weiterzumachen. (…) Den Trainer trifft keine Schuld, wenn die Mannschaft gut spielt, aber das Tor nicht trifft. (…) Präsidium, Management und Trainer müssen ein Team sein. Ich halte nichts davon, mich vom Moment leiten zu lassen, das hat der SC Freiburg mit Volker Finke auch nicht getan. Wie schnell sich die Perspektiven ändern, zeigt  doch die Sache mit unserem Spieler Antonio da Silva. Vor wenigen Wochen wurde er ausgepfiffen und als Fehleinkauf abgestempelt. Jetzt gegen Bielefeld gab es Pfiffe, als er ausgewechselt wurde.

War die Vorstandschaft im Winter damit einverstanden, Marco Engelhardt eine Vertrag bis 2012 zu geben?

Wir waren einer Meinung, dass uns dieser Spieler weiterbringen kann. Wir wissen, was Marco Engelhardt zu leisten imstande ist, auch wenn er noch nicht zu seiner 100-prozentigen Leistung findet.

Belastet der drohende Abstieg die Diskussionen um einen Stadionneubau?

Es wäre natürlich für das Umfeld besser, wir würden nicht gegen den Abstieg spielen. Jeder, der sich mit dem Stadionthema beschäftigt, weiß, dass es in einem neuen Stadion einfacher ist, Gelder zu generieren. So ist, siehe Gladbach und Köln, auch die Rückkehr in die erste Liga schneller möglich. Ich kenne ja die Aussagen: ‚Wenn die so eine  Stiefel zusammenkicken, brauchen die auch kein neues Stadion.’ Genau umgekehrt ist es aber richtig.


Das Interesse am KSC boomt nach wie vor, und noch nie wurde so viel über den Verein geschrieben wie heute. Dadurch mag es bisweilen schwer fallen, den Überblick zu behalten. Da wir nun zwangsläufig sehr viel lesen und uns hierbei so manch Bemerkenswertes in die Hände fällt, möchten wir hierüber an dieser Stelle künftig allen KSC-Freunden – vor allem jenen, die nicht im Raum Karlsruhe leben – eine kleine Übersicht verschaffen.

Natürlich wird in dieser Rubrik kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben (wer z.B. möchte schon täglich die BILD lesen, geschweige denn kaufen?). Doch hoffen wir, mit lockerer und – selbstverständlich! – subjektiver Kommentierung den Wust ein wenig lichten zu können.


9 Antworten zu “Die kleine Presseschau vom 10. bis zum 17. März 2009”
  1. Holger Lauinger sagt:

    nur noch elend in diesen informationen… dohmen sagte, dass 8 spieler einen vertrag für die zweite liga haben… ich kann nur hoffen, dass darunter franz, cellozzi, langkamp, stindl, adoube sind… gerne auch drpic, aber der wird sich das sicherlich nicht länger antun…
    und um es zu wiederholen: wir sind abgestiegen, weil wir zu blöde waren in zwei transferphasen einen richtigen stürmer zu kaufen. meiner einschätzung nach ist das weniger eine frage des geldes als eine krasse fehleinschätzung des personals durch die führungskräfte gewesen… ein wenig selbstkritik von becker und dohmen wäre da durchaus angebracht. dennoch sollten beide rückrunde zu ende spielen und dann entscheiden, ob sie nochmal genügend saft für den neuaufbau haben…

    warum hat saglik eigentlich nicht gespielt? kapplani ist nur noch als schlechter witz zu gebrauchen…

  2. Wenigstens ist der OHL des Vereins nicht der Sinn für Realtäten verloren gegangen.

    Es bringt bei diesem uneffizienten Kader einfach nichts, den Trainer oder gar den Manager “einfach mal” auszutauschen. Neue Spieler haben bislang auch keine Wende gebracht!
    Da diesbezüglich alle Möglichkeiten durchexerziert wurden, muss nichts anderes als ein waschechtes Wunder eintreten, damit die erste Liga noch gehalten werden kann.

    Gibt es irgendetwas neues zu vermelden? Nein, leider nicht! Eine ansprechende Bereitschaft von Einsatz und Kampf, aber keine Effizienz. Ungefähr die Hälfte der Mannschaft hat am letzten Samstag eine ansprechende und solide, körperliche Verfassung sehen lassen. (Was im Umkehrschluß leider bedeutet, das es die andere Hälfte eben nicht gebracht hat! )
    Das deprimierendste aber ist, das mit der Arminia einmal mehr eine absolut schwache und ebenso wenig in Bundesligaqualität auflaufende Mannschaft alle Punkte mitgenommen hat. Alles wie gehabt. Leider!

    Nebenbei: Saglik kam in der 70. Minute für Federico. Es wurde halt kläglich gegen harmlos getauscht!

  3. Holger Lauinger sagt:

    die frage bleibt: warum kaufen wir einen stürmer und geben ihm nicht das vertrauen mehrere spiele ganz zu absolvieren?

  4. Ich würde den KSC in München erstmal mit einer Spitze (Saglik) und einer hängenden (Freis), aber tendenziell eher defensiv auflaufen lassen! Bayern wird mit Sicherheit versuchen, unsere Mannschaft von Beginn an unter Druck zu setzen. Bekanntermaßen ist die Bayernabwehr in dieser Saison ähnlich stark in der Kritik, wie unser Sturm.
    Da Ede Becker bekanntermaßen ein Freund defensiver Taktiken ist, wird er das wohl auch in München so handhaben.
    Nun ja, sind wir mal optimistisch! Gegen Mannschaften aus dem “oberen” Tabellefeld hat der KSC erfahrungsgemäß die besseren Spiele abgeliefert.
    Gegen “schlecht gespielt” aber trotzdem gewonnen hab ich allerdings auch nix! Wäre ja mal wirklich was neues*g*

    OFF TOPIC: Am Montag habe ich die Zweitligapartie “SV Wehen-Wiesbaden vs. FSV Mainz 05″ auf DSF angeschaut und hab dabei quasi pausenlos den Eindruck gehabt, der KSC läuft nun in schwarz/roten Trikots auf.
    Die Parallellen waren haarstrübend: Wehen hat gut gespielt, im Sinne von: Sehr offensive Einstellung in Verbindung mit Kampfgeist. Aber eben auch mit eklatanter Abschlußschwäche, dazu noch einen Elfmeter verschossen (Orahovac!!!) und insgesamt einfach zu unklever. Mainz hat sich auf gelegentliche Gegenangriffe beschränkt und fuhr in aller Ruhe das Ergebnis (0:2) nach Hause.
    Wie der KSC auch ist Wehen 2007 aufgestiegen und hat in der ersten Saison ungefährdet und frühzeitig den Klassenerhalt gesichert. Teilweise standen die Wehener sogar auf Platz 3.
    Nur in dieser Saison läuft überhaupt nix zusammen. Regelmäßig zwar solide Leistungen gebracht, viel gekämpft und oft nur mit einem Tor Unterschied verloren.
    Ach ja, Wehen hat übrigens den Trainer zur Winterpause entlassen und spielt dennoch keinen Deut erfolgreicher.
    Und noch ne Paralelle: Wehen hat mit Abstand den kleinsten Etat aller Mannschaften der zweiten Liga. Rostock z.b. hat knapp das dreifache Budget, Ingolstadt immerhin noch das doppelte. Beide spielen bekanntermaßen ebenfalls gegen den Abstieg an. Rostock hat nun zum zweiten Mal den Trainer entlassen. Und nix hat sich geändert. Wie sich die Dinge doch gleichen.

  5. Gegenüber dem Spiel gegen Bielefeld und Wolfsburg konnte man dem KSC eine ersichtlichtliche qualitative Steigerung attestieren. Vorallem in der zweiten Halbzeit war unsere Mannschaft dem Ausgleich näher, als die Bayern dem 2:0. Ansonsten war alles wie (schon zu oft) gehabt! Gute leistung. Chancen nicht genutzt = Kein Lohn.

  6. Nach den beiden Spielen gegen Bielefeld und Wolfsburg konnte man dem KSC wohl eine ersichtlichtliche, qualitative Steigerung attestieren. Vorallem in der zweiten Halbzeit war unsere Mannschaft dem Ausgleich näher, als die Bayern dem 2:0. Das nötigt zwar Respekt ab, aber: Lohn gibt es dafür nun ma nicht! Ansonsten war alles wie (schon zu oft) gehabt!

    Uli Hoeneß hat es nach dem Spiel auf den Punkt gebracht: ”

    Wir haben von vornherein gesagt: Ab jetzt gehts nicht mehr drum, schön zu spielen. Jetzt interessieren mich nur noch Punkte!!”

    Wieviel mehr muss sich unsere Mannschaft genau das zu Herzen nehmen!!

  7. Nach den beiden Spielen gegen Bielefeld und Wolfsburg konnte man dem KSC wohl eine ersichtlichtliche, qualitative Steigerung attestieren. Vorallem in der zweiten Halbzeit war unsere Mannschaft dem Ausgleich näher, als die Bayern dem 2:0. Das nötigt zwar Respekt ab, aber:….. Lohn gibt es dafür eben nicht!

    Ansonsten war alles wie (schon zu oft) gehabt!

    Uli Hoeneß hat es nach dem Spiel auf den Punkt gebracht: ”

    Wir haben von vornherein gesagt: Ab jetzt gehts nicht mehr drum, schön zu spielen. Jetzt interessieren mich nur noch Punkte!!”

    Wieviel mehr muss sich unsere Mannschaft genau das zu Herzen nehmen!!

  8. Holger Lauinger sagt:

    vielleicht wird es zeit, dass ede seinen spielern mal den mythos vom vogel phoenix erzählt und was das mit dem ksc in einer neuen interpretation zu tun haben könnte… “aus der asche auferstehen und in neuem glanz erscheinen!”… vielleicht sollten wir die letzten spiele als phoenix karlsruhe revival club antreten und den fluch so abstreifen… manchmal helfen ja die merkwürdigsten psychotricks etwas…

  9. Ich werde mir für die nächste Saison auf jeden Fall eine Dauerkarte kaufen. Ganz egal, ob der KSC dann erstklassig oder nur zweitklassig spielt. Ich bin dabei.
    Wie heist es so schön: “In guten, wie in schlechten Tagen”.
    Klar: Fan von Bayern München zu sein, ist wohl sicher unbeschwerter. Ich bin aber nunmal standhaft Badner und will auch nicht aus meiner Haut raus.
    Sehen wir mal das positive: Gegen Bayern haben wir eine gute Leistung gezeigt und ich bin der Meinung, das hier der “gute” KSC zu sehen war. Gegen andere Mannschaften hätte das auch zu dem einen oder anderen Zähler gereicht. Einmal mehr war Bayern kleverer und hatte auch das, was dem KSC derzeit fehlt: Das nötige Quentchen an Glück.
    Dennoch: Diese Leistung lässt aufschauen. Nun muss man sich auf diesem Niveau stabilisieren. Dann ist der Klassenerhalt auch machbar.
    Betrachtet man die anderen Mannschaften des unteren Tabellendrittel, stellt man fest: Da werden auch genügend Punkte “verschenkt” und oftmals auch viel schlechter gespielt als beim KSC. Obendrein haben einige dieser Vereine ein Budget, welches doppelt so hoch ist, als jenes des KSC. Wir müssen uns also nicht schämen, das wir so schlecht dastehen. Das schaffen andere Vereine auch mit viel mehr Geld.

  10.  
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