Sonntag, 1. März 2009

Frühlingserwachen im Derby?” – man geht vor die Tür, die Sonne scheint und Boulevard Baden (Bert Langbehn) stimmt auf das in wenigen Stunden beginnende Spiel gegen den VfB Stuttgart ein. „’Wir müssen einen richtig guten Tag erwischen und auf jeder Position unsere Leistung abrufen‘”, gibt Antonio da Silva, „der sich in den vergangenen Wochen einer ansteigenden Formkurve erfreute und seinem Ex-Verein heute auf Augenhöhe begegnen will“, die Richtung vor.

Auch spricht Langbehn die emotionale Reaktion Rolf Dohmen in der Pressekonferenz vom Freitag an, als er auf die Aussagen von Professor Werner Franke angesprochen wurde. Und es stimmt, Dohmen hatte mächtig gepoltert und sich u.a. der Worte „Unverschämtheit” sowie „davon hat er keine Ahnnung” bedient.

„’Nach dem unbefriedigenden Ergebnis in der letzten Woche, als wir gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf verloren haben, müssen wir versuchen, jetzt zu gewinnen. Da ist es völlig egal, wie der Gegner heißt. (…) Mit jedem Spiel das wir weniger haben, wird es schwieriger, aus dem Schlamassel herauszukommen. Das geht nur mit Siegen.‘” – Edmund Becker wird hiermit von Harald Linder (Der Sonntag) zitiert. Mithelfen wird hierbei Christian Eichner, der nicht nur endlich wieder von Beginn an mitspielen, sondern die Mannschaft sogar als Kapitän auf das Feld führen wird.

Und auch in der kommenden Saison wird die Mannschaft das Logo von „EnBW” auf den Trikots tragen, wie Linder darüber hinaus bereits erfahren hat. Aber 2010 wird der Konzern endgültig sein Engagement als Hauptsponsor im Wildpark beenden, zudem ist noch offen, ob er sich generell aus dem Sponsoring beim KSC zurückziehen wird. Die Konditionen für 2009/10 bleiben übrigens unverändert (1,6 Millionen Euro), in der 2. Liga wären es sogar nur noch 800.000 Euro. Der Verein wollte laut Linder zwar höhere Beträge, bekam sie aber nicht.

Montag, 2. März 2009

„’Schon vor dem 0:1 hat mir die Aggressivität gefehlt‘”,  war Edmund Becker enttäuscht, wie den BNN (René Dankert, Tina Kampf, Gerhardt Wolff) zu entnehmen ist.  Die Niederlage sei laut Spielbericht zudem darauf zurückzuführen, daß man aus der Überlegenheit der ersten halben Stunde keinen Vorteil ziehen konnte. Zudem sahen die BNN in der 13. Minute ein Foul an Sebastian Freis, das von Schiedsrichter Felix Brych jedoch nicht geahndet worden war. Nach dem 0:1 wirkte der Gast „abgeklärter“, zumal gegen einen sich „immer zerstreuter” präsentierenden KSC. Debütant Sebastian Langkamp gestand hinterher, „das hatte schon Klasse, wie die uns ausgekontert haben Mit Ausnahmen von zwei Spielsituationen bin ich mit meinem Spiel ganz zufrieden.’

Gerhard Wolff kommentiert ebenso treffend wie ernüchtert, daß der KSC nach seiner 15. Saisonniederlage „anscheinend unaufhaltsam in Richtung Zweite Liga taumelt“. Die Gründe legt er nach – „Nach der Pause ließ der Tabellenvorletzte so ziemlich alles vermissen, was ein Abstiegskandidat aufbieten muss: Unbändigen Willen, Aggressivität und Disziplin. Warum dem so war, diese Frage muss sich auch Trainer Edmund Becker gefallen lassen. Er wirkt – wie alle anderen am Adenauerring – ratlos, ob der immer gleichen Probleme im Spiel des Karlsruher SC. Viel Zeit, diese abzustellen, ist schon verstrichen. Immer weniger verbleibt.

Darüber hinaus widmen sich die BNN ausführlich den Ausschreitungen vor und nach dem Spiel. Insgesamt 650 Polizisten, zuzüglich 200 Bundespolizisten hatten erhebliche Probleme mit den Randalierern. Bereits am Durlacher Bahnhof waren rund 150 Problemfans des VfB in Gewahrsam genommen worden. Auf dem Weg zum Auswärtsspiel beim SC Freiburg II befindliche Waldhof-Fans hatten sich zudem bereits am Sonntagvormittag, die Gunst der Wartezeit nutzend, mit ihren Kontrahenten vom KSC im Hauptbahnhof geprügelt. Auch vor dem nachmittäglichen Spiel kam es zwischen KSC- und VfB-Fans immer wieder zu Scharmützeln. Sogar der Mannschaftsbus der Gäste wurde blockiert und mußte daher das Spiel eine Viertelstunde später beginnen. Nach der Begegnung eskalierte die Situation an Adenauerring und Birkenparkplatz schließlich vollends. Erst nach einer Stunde hatten die Ordnungshüter die Lage wieder im Griff.

Stimmen zum Spiel aus dem Badischen Tagblatt, gesammelt von Frank Ketterer:

Trainer Becker –  Die ersten 30 bis 35 Minuten waren spielerisch in Ordnung. Wir hatten die Spielkontrolle, ohne zu ganz klaren Chancen zu kommen. Danach hatten wir die ersten Probleme, zum Beispiel bei dem Pfostenschuss durch Marica. Deshalb ist es für mich auch unverständlich, wie wir die zweite Halbzeit beginnen. Da war keine Aggressivität da, keine Ordnung in der Defensive und Fehler in der Vorwärtsbewegung haben wir zudem gemacht. Nach dem Gegentor ist es für eine Mannschaft in unserer Situation schwer, ins Spiel zurückzukommen.

Markus Miller –  Die Mannschaft, die die Tore gemacht hat, hat halt wieder gewonnen. Vielleicht muss mal ein Schalter bei uns umgelegt werden. (…) Fußball ist nicht nur ein physischer Sport, sondern auch ein psychischer.

Christian Eichner – Es geht jetzt darum, dass jeder auf seiner Position an seine Leistungsgrenze kommt. Nur dann wird auch das Gesamtpaket wieder besser.

Ketterer selbst schließlich sah das Spiel wie alle Beobachter. Und für den Verlauf nach dem Rückstand findet er folgende Worte – „den Rest des Geschehens kennt man im Wildpark mittlerweile zu gut: Der KSC rannte mit zunehmender Spieldauer immer verbissener dem Rückstand hinterher, doch selbst wenn sich daraus Torchancen ergaben, wurden sie jämmerlich vergeben.

Uli Gerke war gestern natürlich wieder für den Kicker im Stadion und resümiert: „Ein auf Grunde der klareren Chancen verdienter Sieg der Stuttgarter gegen einen KSC, der im Abschluß alles schuldig blieb.” Enttäuscht ist er von Mahir Saglik („(…) spielte schwach und konnte seinen Ambitionen keinen Nachdruck verleihen“) und von Sebastian Langkamp („Nachhaltig empfahl er sich nicht. Nach solider erster Halbzeit baute er kräftemäßig ab und war auch beim Gegentor nicht frei von Schuld“). Und auch Christian Eichners Comeback wußte ihn nicht gänzlich zu überzeugen – „anfangs ließ er defensiv nichts anbrennen, beim Gegentor verlor er jedoch Marica aus den Augen, verhinderte aber kurz darauf gegen den einschussbereiten Gomez (…).” Nun, immerhin, der Trainer erwartet noch viel von ihm – „’Christian wird in der Rückrunde noch wichtig für uns. Er ist Karlsruher, hat in der Mannschaft ein großes Standing.


Das Interesse am KSC boomt nach wie vor, und noch nie wurde so viel über den Verein geschrieben wie heute. Dadurch mag es bisweilen schwer fallen, den Überblick zu behalten. Da wir nun zwangsläufig sehr viel lesen und uns hierbei so manch Bemerkenswertes in die Hände fällt, möchten wir hierüber an dieser Stelle künftig allen KSC-Freunden – vor allem jenen, die nicht im Raum Karlsruhe leben – eine kleine Übersicht verschaffen.

Natürlich wird in dieser Rubrik kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben (wer z.B. möchte schon täglich die BILD lesen, geschweige denn kaufen?). Doch hoffen wir, mit lockerer und – selbstverständlich! – subjektiver Kommentierung den Wust ein wenig lichten zu können.


4 Antworten zu “Die kleine Presseschau vom 1. und 2. März 2009”
  1. Holger Lauinger sagt:

    he großmeister chefredakteur und fan-kollegen,
    ich warte auf die detaillierte analyse des elends. oder hat es euch die sprache verschlagen?

  2. Nun ja, deutlich besser gespielt, als gegen Frankfurt und Stuttgart. Ansonsten wars wie zuvor. Vorne wurde tapfer die Null gehalten. Hinten halt nicht! Liegt warscheinlich daran, das unser Ede Becker meine gut gemeinten Ratschläge nicht umsetzten wollte. *g*
    So, und aus reiner Sturheit heraus schreib ich jetzt das gleiche wie zuvor! Allerdings verpack ich es diesmal in ein Ratespiel für die Mannschaft. Ede Becker darf sie dann in der Kabine verlesen.

    Frage 1.)

    Bei welcher Mannschaft gelang dem KSC der letzte Auswärtssieg?

    Frage 2.)

    Wo liegt die Stadt, in welcher der KSC zuletzt gewonnen hat?

    Frage 3.)

    Was schliessen wir daraus?

  3. Holger Lauinger sagt:

    oder er nagelt das 7:0 valencia poster an die kabinentür und lässt euro eddie ne ansprache halten…

  4. Blau.weißer Dino sagt:

    @ Holger

    Im Prinzip kein schlechter Gedanke. Noch besser wäre aber dieser Streich.

    Warum nicht mal ein paar ältere, kurzfristig greifbare KSC-Spieler zu den Jungs in die Kabine schicken, welche Ihnen einfach mal ein wenig Solidarität bekunden und ihnen mal etwas den Blick auf das, in den letzten beiden Spielzeiten erreichte, richten. Die KSC Tugenden einsetzten! Kämpfen und darauf vertrauen, das keine (schwarze) Serie ewig hält. Mein Gott! Das Spiel gegen den HSV ist gerade mal vier Wochen her. Und es läuft doch am Samstag keine wirklich andere Mannschaft auf den Rasen. Bielefeld ist, im Gegensatz zum HSV, keine Mannschaft, welche man jetzt übermäßig fürchten müsste. Bielefeld muss man einfach an die wand drücken und nicht mal ansatzweise zum Zug kommen lassen. Ein Wichniarek lebt primär davon, wie in seine Mitspieler einsetzen. Das dürfte allgemein bekannt sein! Nicht umsonst erzielt er mehr als die Hälfte aller Treffer für die Arminia. Noch mehr als bei Gomez gilt: Kein Wichniarek und Bielefeld ist nur die Hälfte wert!!
    Taktisch würde ich sagen: Offensiv, offensiv, offensiv! Drpic muss Wichniarek notfalls aufs Scheisshaus folgen. Das und nichts anderes ist die ideale Waffe gegen den gefährlichesten Bielefelder seit vielen Jahren!! Manndeckung nach alter Tradition!! Und vorne bitte recht großzügig treffen. Leben ischt so einfach!!

  5.  
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