Nun ist es ja nicht so, dass man völlig humorlos ist oder gar reflexhaft alles, was im Bereich “Comedy” in diesem Land nach Loriot kam, als primitiv, laut und wenig intelligent abqualifizieren muss. Gewiss, der Mensch lacht und freut sich heute über Dinge, die noch vor zwanzig Jahren völlig zu Recht als die Grenzen des allgemein gültigen Geschmacks verlassend bezeichnet worden wären. Doch man findet sich damit ab und ist eher noch darüber erleichtert, dass die Leute ihre intellektuelle Verwahrlosung  vorwiegend auf diesem noch recht harmlosem Gebiet austoben können. Auch akzeptiert man, dass in diesen Tagen mit Dingen Geld verdient wird, die – aus gutem Grund – früher inakzeptabel gewesen wären. Im Besonderen gilt dies für die deutschen Fußballvereine, die um ihre “internationale Wettbewerbsfähigkeit” jederzeit kämpfen müssen und deshalb glauben, alles, aber auch wirklich alles zu Geld machen zu müssen.

Ein Neuanfang?

Hinsichtlich des virilen Kroaten Dino Drpic war nun noch vor seiner endgültigen Verpflichtung nach Deutschland durchgedrungen, dass er auf einem Fußballplatz nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit einer weiteren seiner Extremitäten besonders fantasie- und kraftvoll umzugehen imstande ist. Der KSC, jederzeit für einen richtig guten Brüller gut, nahm dieses Vorspiel nun zum Anlass, gemeinsam mit dem Ehepaar Drpic und dessen Management behelfs der Rückennummer “69” auch materiell aus deren Lendenkräften Kapital schlagen zu wollen. Welche Ernsthaftigkeit denn – angesichts dieser Geisteshaltung – dem bei  seiner Vorstellung in Karlsruhe postulierten Neuanfang eigentlich innewohnt, erschließt sich dem Betrachter hierbei freilich nicht. Der Verein hätte folglich der Entwertung seines Wappens und seiner Farben eher widerstreben und Kante zeigen müssen, als dieses halbseidene Spiel auch noch mit zu machen. Gut, dass die DFL diesen Unfug nicht unterstützt und, aber auch so was von humorlos, einfach untersagt hat.

Ein richtig Guter

Dabei ist der Kroate auf seiner Position unbestritten ein richtig guter Fußballspieler. Ausgestattet mit einem exzellenten Stellungsspiel, abgezockter Zweikampfführung und sicherer Ballbehandlung wird er sich sportlich in der Bundesliga wahrscheinlich mehr als behaupten können. Zudem weiß er sogar, wo das gegnerische Tor steht – bis zu seinem 17. Lebensjahr spielte er im zentralen offensiven Mittelfeld, ehe für ihn der für viele Fußballer noch immer obligatorische Weg “nach hinten” begann. Nach Srecko Bogdan (1985) und  Slaven Bilic (1993) hat der KSC also wieder einen kroatischen Abwehrspieler der gehobenen Klasse verpflichten können. Kein Wunder war auch, dass ihm die beiden KSC-Legenden ohne Umschweife zum Wechsel in den Wildpark geraten hatten. Selbstbewusst postuliert Drpic, dass ihm die Spielweise in Deutschland entgegen komme, in naher Zukunft, wenn er sich erst vollständig eingespielt hat, kaum ein Stürmer eine Chance gegen ihn haben werde und er schließlich, sobald die Zeit von Josip Simunic und Robert Kovac vorbei sein wird,  zu einem “Topspieler” der kroatischen Nationalmannschaft avancieren möchte. Dem KSC kann es nur gut tun, wenn ein Typ daher kommt, der qua Naturrecht gewohnt ist, zu gewinnen (“ich wurde mit Dinamo Zagreb viermal kroatischer Meister!”) und einfordert, gerade in der jetzigen Situation noch nicht einmal mehr auf Unentschieden, sondern auf  Sieg zu spielen. Auch am Samstag in Köln bot Dino Drpic eine ausgezeichnete Vorstellung. So kann es weiter gehen!

Ausgerechnet Celozzi?

Dies gilt jedoch nicht für Stefano Celozzi. Dem immer engagierten und bemühten Verteidiger  gelingt es immer weniger, die Schwächen seines noch nicht ausgereiften Defensivverhaltens zu verstecken. Daß er diese hat, ist weder schlimm noch dramatisch, sondern für sein Alter normal und absolut korrigierbar. Daß er die Lernphase aber ausgerechnet im derzeitigen Existenzkampf bestreiten müsse, sollte nochmals hinterfragt werden. Es wäre niemandem gedient, sollten ausgerechnet dem Publikumsliebling in den nächsten Wochen entscheidende Fehler unterlaufen, die den KSC zurückwerfen könnten. Eine Alternative wäre sicherlich, ihn daher vor einen Andreas Görlitz auf die rechte Offensivposition zu ziehen. So gäbe es einen natürlichen Schutzabstand nach hinten, in dem seine Mannschaftskameraden mögliche Fehler noch ausbügeln könnten.

Unverzichtbar!

Ja, und warum nicht gleich zur Atem- und Besinnungspause auf die Bank? Ausgeschlossen! Celozzis Dynamik ist für das Mannschaftsspiel inzwischen zu einer wichtigen Stütze geworden. Immer wieder gelingt es ihm, mit seiner Rotznäsigkeit Mitspieler und Publikum mitzureißen und mit Einzelaktionen den Gegner vor überraschende Situationen zu stellen. Seine individuelle Klasse würde vermißt werden.

Und noch ein Vorschlag

Ach, ja, noch ein Vorschlag zur Causa „69“. Vielleicht kommt die Marketingabteilung ja auf die Idee, die “Neunundsechziger”-Nummer auf alternative Weise gewinnbringend zu vermarkten. So etwa in die Richtung, KSC-Trikots mit eben dieser Zahlenkombination zu beflocken und statt des Namens Drpic einfach den seiner Gattin, Nives Celsius, hinzuzufügen. Haha, das wäre doch lustig, der prüden DFL dergestalt einen langen Johannes drehen zu können, oder? Und gekauft würde es gewiss zahlreich. Auch wenn es laut, primitiv und wenig intelligent wäre.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


3 Antworten zu “Eine Nummer zu scharf – Dino Drpic und sein „Neuanfang“”
  1. Holger Lauinger sagt:

    “Maximal” Drpic!

  2. Charlie sagt:

    Auf der KSC Homepage kann man ab heute ein T-Shirt erwerben, das vorne traditionell gehalten ist, blau mit KSC Wappen auf dem Herzen und hinten mit “Karlsruhe” und “Drpic” sowie eine in den beiden anderen kroatischen Nationalfarben (neben blau), nämlich rot und weiss, gehaltene Rückennummer 69!!!

    Wenn man schon beim Trainingsauftakt den Fanshop nicht öffnet oder bei den Minusgraden Glühwein anbietet, so scheint doch manchmal doch noch jemand im Klub zu arbeiten, der ein bissl Ahnung von Marketing hat. Vielleicht hört diese(r) jemand ja auf den Namen Celsius (oder Drpic)? :-)

    Ach, ich hätte es eigentlich sogar gut gefunden, wenn es mal ein Trikot mit der Nr 69 beim KSC gegeben hätte!!! Dies ist nämlich mein Geburtsjahr…

  3. raumgewinn sagt:

    schau dir das shirt an, da ist leider alles verloren …

  4.  
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