Jetzt geht’s los! Der Abstiegskampf beginnt [Update]
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Fotos, Kolumnen - 615 Klicks
Na endlich – der Abstiegskampf in der Bundesliga nimmt an Fahrt auf! Sonderlich überraschend kommt das Ende des Schneckenrennens aus der Vorrunde zwar nicht, doch lassen die Paukenschläge der ersten beiden Vorrundenspieltage erahnen, daß es nur allzu schnell gehen könnte, bis der eine oder andere entscheidend ins Hintertreffen geraten sein wird. Bielefeld punktet in Bremen und gegen die Berliner Hertha, der VfL Bochum erweist sich bei den heimstarken Wolfsburgern als die bessere Mannschaft und verpasst nur unglücklich knapp eine weitere Aufstockung des Punktekontos. Auch Cottbus und Borussia Mönchengladbach warteten jeweils gegen die TSG Hoffenheim mit respektabler Gegenwehr auf, wobei Brandenburger gegen Hannover 96 sogar einen wichtigen Sieg hinzufügen konnten. Und von oben drohen mit eben Hannover, Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln noch weitere Klubs in den Abstiegskampf hineingezogen zu werden. Daß die beiden Letztgenannten auch die nächsten Gegner des KSC sein werden, macht das Ganze um so appetitlicher.
Kein Interesse!
Wichtig war daher, daß der KSC mit dem Erfolg über den Hamburger SV ebenfalls ein wichtiges Signal an Konkurrenten und eigene Fans senden konnte, sich noch nicht aufgegeben zu haben. Wie es ausgesehen hätte, wenn das Anschlusstor zum 1:2 nicht so schnell gefallen wäre, oder der Hamburger Michael Gravgaard nicht bei allen drei Treffern unfreiwillige Schützenhilfe geleistet hätte, interessiert in diesen Tagen tatsächlich ü-ber-haupt keinen Karlsruher. Und dies völlig zu Recht. Es zählt zu den schlichtesten Erkenntnissen von über einhundert Jahren Fußball, daß Tore nun einmal nach Fehlern fallen. Diese jedoch so schneidig ausgenutzt haben zu können, wie es den Badenern an diesem verregneten Samstagnachmittag gelang, war begeisternd und ist für die unmittelbare Zukunft das wichtigste von Belang. Und einen sich bis zu diesem Tor absolut wie eine würdige Spitzenmannschaft präsentierenden HSV noch derart in Bedrängnis bringen und besiegen zu können – das hat etwas, das hat Klasse!
Keine Euphorie!
Was zur frohesten Hoffnung jetzt noch fehlt, ist – trotz aller Euphorie! – sich den eigenen Unzulänglichkeiten zu stellen und ihnen ebenso erbarmungslos nachzusetzen, wie den gestrauchelten Hamburgern. Es treibt einen in den Wahnsinn, wie langsam der KSC inzwischen in ein Spiel hineinfindet und welchen Aufwand er, zu oft sogar vergeblich, betreiben muß, diese Schludrigkeiten zu beheben. Auch hätte man sich gerne den Anblick des Entstehens der Gästeführung erspart, als dessen Auslöser man Marco Engelhardt nicht alleine sehen darf. Als jener in Bedrängnis geriet, standen Antonio da Silva und Stefano Celozzi wie geistesabwesend in der Szenerie, nicht könnend oder wollend, dem sich verzweifelt wehrenden Mannschaftskameraden zu helfen. Auch Tim Sebastian zeigte sich überfordert, im Moment des Anspiels auf den Torschützen Paolo Guerrero diesen nicht einfach ins Abseits zu stellen.
Keine Bestätigung?
Gespannt sein darf man jetzt auf das folgende Auswärtsspiel beim 1. FC Köln. Bislang hatte es der KSC nicht geschafft, seine punktuellen Höhenflüge in dieser Saison in den anschließenden Spielen auch zu bestätigen. So verkamen wichtige und großartige Erfolge wie gegen Bayer 04 Leverkusen oder den SV Werder Bremen nur zu vereinzelten Strohfeuern und wurde verhindert, daß man sich nicht wie Eintracht Frankfurt oder der 1.FC Köln zumindest im gesicherten Mittelfeld befindet. Präsentierte man sich in Köln-Müngersdorf wieder ähnlich schlampig, gerieten die „Doppel-Heimspiele“ gegen Frankfurt und den VfB Stuttgart zu argen Nervenproben, da sie unbedingt gewonnen werden sollten. Schlimm ist, daß man nur wenige Haltepunkte findet, daß es in den Köpfen der Spieler ausgerechnet jetzt „geklingelt“ haben und ihnen bewußt geworden sein könnte, zu welchen Leistungen sie eigentlich im Stande wären. Das ist die eigentliche Frage und wird in dieser Woche für alle Beobachter die Spannung ausmachen. Kann die Mannschaft Willen, Konzentration und Leidenschaft hochhalten, dann wird der Abstiegskampf erfolgreich bestanden werden können. Aber wirklich nur dann!
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.























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“Kann die Mannschaft Willen, Konzentration und Leidenschaft hochhalten, dann wird der Abstiegskampf erfolgreich bestanden werden können. Aber wirklich nur dann!”
Die Mannschaft hat zweifellos Qualitäten um in der ersten Liga bestehen zu können, ich glaube auch, dass es einzig und alleine “Kopfsache” ist!
Frei nach Churchhill: Ich habe nichts anderes zu bieten, als Blut, Schweis und Tränen. Aber ir werden niemals aufgeben.
O.K. Nun mal weniger patetisch. Mann muss es realistisch sehen. Der KSC hat ein, im Vergleich zu anderen, in der Tabelle kaum besser dastehende Mannschaften, geradezu lächerlich geringes Budget. Daran gemessen, muss man einiges an negativ gesagten und Gedachten der jüngeren Vergangenheit relativieren. Also gibt es nur eine Losung. Ein geschlossenen Mannschaftsleistung auf konstantem Niveau. Dann sollte der Kelch des Abstieges an uns vorrübergehen. Sollte die Mannschaft die gleiche Leistung und den gleichen Einsatz abrufen können, wie am letzten Wochenende, sind auch die Kölner durchaus niederzuringen. Man muss es aber auch angehen!!
Wohlan, ein Punkt in Köln. Immerhin. Kann man damit zufrieden sein? Ede Becker sagte vor diesem Spiel, uns fehlen die Unentschieden. Jetzt haben wir ein solches. Sicher, Köln war in der 2. Hälfte besser. Wir dafür in der 1. Hälfte und in den letzten 10 Minuten. Federico versemmelt zumindest zwei 100%ige. Vor allem die Chance in der letzten Minute! Fühlt sich ein Unentschieden deswegen wie eine Niederlage an?
Ich meine nein, denn in der Hinrunde hätten wird dieses Spiel definitiv noch verloren! Von daher, das positive mitnehmen, 2 Spiele in Folge nicht verloren! Wann gabs das zuletzt? Bei 13 Niederlagen bislang in dieser Saison nicht so oft. Also: Darauf aufbauen! Und mit einem Sieg gegen Frankfurt zumindest nach Punkten mit der Eintracht gleich ziehen.
War das Spiel gegen Frankfurt in der Hinrunde noch die Wende zum schlechten, so soll es diesmal die Wende zum guten sein!!!
In Frankfurt sollte nach der Vertragsverlängerung für Friedhelm Funkel etwas Ruhe eingekehrt ein! Dennoch bewegt sich die Eintracht auf unsicherem Terrain. Die Differenz zu den beiden Abstiegsplätzen beträgt gerade mal drei Punkte. Frankfurt hat bisher eine sehr unkonstante Saison gespielt. Zuletzt gegen Köln ein, anhand der gezeigten Leistung doch eher unglückliches Remis, und zu Hause gegen Wolfsburg aber doch eher schwach gespielt und deshalb mit 0:2 untergegangen. Dennoch ist hier Vorsicht geboten: Der KSC hat sich gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenregion bisher immer sehr umständlich angestellt. Dieses eine Hinspiel im Oktober will ich deshalb so schnell, wie möglich, vergessen. Hier hat die Mannschaft wirklich noch eine absolute Bringschuld. Dümmer, als in der Hinrunde in Frankfurt liefs wirklich nur noch gegen Wehen. Jetzt ist es an der Zeit, der ordentlichen, aber immer noch nicht überragenden Leistung gegen Köln, wieder einen darufzusetzen. Die Eintracht ist andernseits auch eine Mannschaft, welche derzeit auch rein spielerisch nicht überzeugt und welche der KSC deshalb durchaus “niederkämpfen” kann. Er muss es einfach halt auch tun. Mit einer, wirklich überzeugenden leistung, wie zuletzt gegen den HSV sollten die drei Punkte am Samstag im Wildpark bleiben. Es wäre auch absolut nötig! Schaut man auf die drei Spiele der Rückrunde unserer direkten Mitwettbewerber in der Tabellenregion, ist unsere Mannschaft gut beraten, am Samstag nichts dem Zufall zu überlassen.
Ihr solltet etwas mehr Vertrauen zu eurem Verein haben, der HSV stand auch mal eine Saison lang lange auf dem Abstiegsplatz, und erst in den letzten Spielen konnten sie den Klassenerhalt schaffen. Das ist etwas, das sich im Kopf abspielt. Und dass nicht immer die großen in den Spielen punkten müssen, hat Bielefeld ja gegen Hertha bewiesen. Zwar ist Hertha mitlerweile tabellenführer und Bielefld vom Abstieg bedroht, aber dennoch konnte sich der kleine Verein einen Punkt holen. Und das zeigt doch, dass man nur nicht aufgeben darf.