Montag, 9. Februar 2009

Christian Kamp (FAZ) hat seinen gestrigen Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nochmals aufgewertet. Erneut geht es aber nahezu ausschließlich um den Hamburger SV und dessen unglücklichen Verteidiger Michael Gravgaard. Kamp erweckt hiermit den Eindruck, daß der samstägliche Sieg ausschließlich auf das Unvermögen der Norddeutschen zurückzuführen ist. Immerhin resümiert der Autor jedoch im vorletzten Absatz, daß zuzüglich zu der Tugend des KSC, gegen namhaftere Gegner seine „besten Leistungen” zu zeigen, „in den entscheidenden Momenten inzwischen auch noch die nötige Portion Willenskraft dazukommt“.

Ebenso in der FAZ schreibt Kamps Kollege Oliver Trust einen guten Beitrag über KSC-Angreifer Sebastian Freis, den er auf dem Weg zu einem gestandenen Bundesligaspieler sieht und der mit seiner samstäglichen Leistung für die Vertragsgespräche mit Köln und Karlsruhe „neue, gute Argumente” geliefert habe – „Freis gilt als Strafraumspieler, zweifelsfrei durchsetzen konnte er sich beim KSC bisher nicht. Eine Spur zu ungestüm, manchmal zu eckig in seinem Spiel sei er, heißt es. Auf der anderen Seite besticht er durch eine ordentliche Portion Leidenschaft. Freis erweckt kaum einmal den Eindruck, lustlos zu sein. Oft genug wurde er zum Pendler zwischen Bank und Rasen. Jetzt geht es darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen, und um die Frage, ob eine neue Umgebung vielleicht auch gleichzeitig neue Impulse liefert.

Für das Badische Tagblatt titelt der offenbar euphorisierte Frank KettererNight-Fever und ein bißchen Glück” und legt dann so richtig los: „Fehlte nur noch eine sanft über den Rasen wabernde Kunstnebelwolke oder eine riesige Disco-Kugel samt Lichtorgel, die irgendwo vom Tribünendach herabgesenkt würde. Das haben sie auf die Schnelle natürlich nicht hingekriegt beim Karlsruher SC, aber Rolf Dohmen war das auch egal. Der Manager benötigte jetzt keinen Bodennebel, keine Glitzerkugel und auch kein wildes Lichtgeflackere, er lief auch so zu Hochform auf, alle konnten das sehen. Der hagere Mann im Mantel tanzte auf dem Rasen wie Fred Astaire, er hüpfte wie Michael Jackson, er drehte Pirouetten wie Norbert Schramm. Dohmen, von den Fans ob seiner früheren Obsession bisweilen “Disco” genannt, machte den John Travolta. Und er feierte in diesem ebenso wunderbaren wie glücklichen Moment, davon darf getrost ausgegangen werden, sein ganz persönliches ‚Saturday Night Fever‘”.

Glück hatte der KSC gegen den HSV reichlich, konkretisiert der Autor denn aber doch. Zum Beispiel mit dem frühen Anschlußtor – „Wenn man so will, waren die bis dato zwar keineswegs glänzend, aber doch alles in allem überlegen agierenden Hamburger in eine verhängnisvolle Zeitfalle getappt: Sie fühlten sich in einem Moment bereits als sicherer Sieger, zu dem ihren Karlsruher Konkurrenten noch nicht bewusst geworden war, dass sie eigentlich schon verloren hatten.

Ketterer hofft, daß der KSC dieses Mal wirklich die Wende zum Guten hinbekommen hat und seine Leistung in Köln bestätigen kann. Am Erfolg gegen Hamburg habe Trainer Becker mit seinem „Verzicht auf einen zweiten Sechser zu Gunsten zweier zentraler Offensivspieler im Mittelfeld (Antonio da Silva und Giovanni Federico), der einen deutlichen Zuwachs an Angriffsschwung ergab“,  jedenfalls ein großes Mitverdienst. Und Ketterer schließt ab: „Mehr noch: Wurden die Attacken über die linke Seite geritten und also über Lars Stindl, Stefano Celozzi sowie den umtriebigen da Silva, wohnte ihnen bisweilen sogar spielerischer Glanz inne.

Die BILD-Zeitung nimmt in drei Beiträgen auf das Spiel gegen den HSV bezug. Den größten Raum bekommt hierbei der Verriß des HSVers Michael Gravgaard („Der Transfer-Flop des Jahres“, von Babak Milani), gefolgt von  „Die heiße Frau Celsius und ihr KSC-Star” (Ursula Vielberg/ A. Hoffmann). Abgesehen von der gossenerotischen Illustration findet sich dann aber dennoch die interessante Neuigkeit, daß das Paar das öffentliche Interesse an ihnen noch auf die Spitze treiben und die Rückennummer „69″ haben wollte. Erst die DFL soll dem bizarren Ansinnen eine Grenze gesetzt haben. Spielbetriebsleiter Holger Hieronymus wird zitiert – „Wir haben den Verein im Sinne der Übersichtlichkeit gebeten, eine niedrigere Nummer zu wählen.” Und Drpic-Berater Kristian Lopac: „Wir waren uns mit dem KSC einig. Der Verein hielt’s für eine gute Marketing-Idee. Leider hat die DFL den Antrag abgelehnt.” Sollte die Aussage dieses Zitats, daß der KSC aus Marketinggründen hierbei mitgespielt hätte, tatsächlich stimmen, dann wäre dies für den Klub und seine Außendarstellung trotz des Scheiterns beschämend, ja skandalös.

Ach ja, und zum „Spiel” des KSC selbst finden sich von Frau Vielberg und Hans Falsehr noch ein paar Zeilen über den Freudentanz Rolf Dohmens und das Interesse des 1. FC Köln an Sebastian Freis.

Da widmen sich die BNN (René Dankert) doch schon eher dem Sportlichen. Der Autor kritisiert Marco Engelhardt für „dessen erneut mäßige Leistung“, lobt aber Giovanni Federico („…Erinnerung an vergangene Fußballtage“), Antonio da Silva („…als hätte es all die Anfeindungen gegen seine Person nie gegeben“), Markus Miller und Stefano Celozzi („…der unbeugsamen Willen vorlebt“). Der KSC habe „über weite Strecken passioniert, wenn auch selten zwingend Fußball gespielt, sich dabei in der Abwehr zu viele Unkonzentriertheiten geleistet“.

Leider erneut völlig sinnfrei: die Statistiken „Spielervergleich” (Drpic/ Mathijsen) und „Ballaktionen“. Gut aber Dankerts Kommentar, in dem er in Köln den Nachweis fordert, daß der Sieg gegen den HSV „tatsächlich ein Umkehrpunkt gewesen ist“. Auch bringt er die gelöste Atmosphäre in der Mannschaft zur Sprache und verknüpft diese mit dem Fehlen Joshua Kennedys. „Doch dies zu betonen, hätte bedeutet, dem willigen Kern der Profitruppe ein Alibi für Zurückliegendes zu geben“, gesteht er den KSC-Verantwortlichen zu.

Auch der Kicker (Martin Grüner/Peter Nickel/Sebastian Wolf) bestätigt die gute Stimmung und spricht von einem stärkeren Zusammenhalt als zuletzt. Dennoch sei der Sieg „glücklich” gewesen. Und Freis soll mit den Kölnern tatsächlich schon einig sein.

Ebenfalls im Kicker hat Karl-Heinz Wild wieder einmal einen Buhmann im KSC-Trikot entdeckt („wieder einmal” wegen seines einstigen Wütens gegen Emanuel Günther) – Marco Engelhardt, dem er in seinem Kommentar „Theatralik statt Kollegialität” vorwirft. Er schreibt von „peinlich” und daß Engelhardt „schreiend nach hinten kippte, als hätten ihm beide Klitschkos zeitgleich einen Fausthieb gegen das Kinn gewuchtet.”

Das eigentlich Schlimme ist – Wild hat Recht.

Dienstag, 10. Februar 2009

René Dankert (BNN) würdigt ebenfalls die offenbar doch nicht so unwillkommene Aufmerksamkeit, die Dino Drpic und seine Gattin in den „Boulevardblättern” (vollständig wäre seine Beobachtung übrigens gewesen, wenn er auch die lokalen Regional- und Wochenzeitungen erwähnt hätte…) erhalten haben und schreibt über deren Wunsch, die Rückennummer „69″ erhalten zu können.  Wie die BILD zitiert auch Dankert dessen Manager Kristian Lopac: „’Dino fand die Idee witzig, nachdem er die Dinge über sich und Nives gelesen hatte. Unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung wäre die Zahl nicht schlecht gewesen‘”. Aber wäre sie auch im Sinne des KSC gewesen, Herr Dankert?

Nach Dankert freut sich übrigens weiterhin der Manager über die Verpflichtung des Kroaten – „Dohmen reibt sich schon heute die Hände beim Gedanken an eine Innenverteidigung mit dem Kroaten und Maik Franz, der am Samstag seine Kollegen angefeuert hatte und darüber fast seine Krücken vergaß.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Das „Optimierungsgutachten” zum Umbau des Wildparkstadions ist gestern Abend (10.2.) von der Stadt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und Gerhard Wolff (BNN) informiert. Die Überraschung: Das Architektenbüro Speer & Partner schlägt hierin den Abriß der Haupttribüne vor, die in einigen Jahren ohnehin sanierungsbedürftig sei. Die Einzelheiten:

  • Die Kapazität wird von bisher 35.000 auf 40.000 Sitzplätze erhöht. Damit erhöhen sich auch die Einnahmen für den Verein.
  • Der Neubau wird auf bestehende Wälle aufgesetzt. Somit reduzieren sich Entsorgungskosten, und die historische Struktur bleibt erhalten.
  • Die Heimkurve wird im Osten platziert, die Gästefans dafür im Westen – mit einem sich direkt anschließenden Busparkplatz auf einem der heutigen Trainingsplätze. Mit Verlegung der Fanbereiche könnten die Anhänger besser getrennt werden, argumentieren die Planer.
  • Parkplätze für VIP- und Logenbesucher werden in den Neubau integriert. Die Option „Parkhaus” auf dem Birkenparkplatz wird angemerkt, ist aber nicht in den Kosten enthalten.
  • Durch den Komplett-Neubau entfallen Instandhaltungskosten in die alte Haupttribüne.
  • Die Kosten liegen bei rund 107 Millionen Euro, Infrastrukturmaßnahmen nicht einberechnet. Beim beschlossenen Teil-Umbau wurden die Kosten auf 107 Millionen (inklusive integrierter VIP-Parkplätze) „gedeckelt”. Laut den Beratern von „Ernst & Young” müsse man mittlerweile mit gut 81 Millionen rechnen.
  • Die Gutachter halten eine Miete von jährlich rund 4,3 Millionen Euro für „vertretbar”. Bei der bisher favorisierten Umbaulösung betrug die Miete etwa 3,7 Millionen Euro. Auf die Stadt kämen jährliche Verluste von 3,8 Millionen Euro zu – etwa 200.000 Euro mehr als beim Teil-Umbau.

Wie geht es weiter? Die Stadt sucht aufgrund dieses Konzeptes Partner in der Wirtschaft, um die erhöhten Kosten auszugleichen. Anschließend erhält der KSC ein endgültiges Angebot. Lehnt dieser ab, so würde die Stadt einen privat finanzierten Umbau an einem anderen Standort mit 50 Millionen Euro unterstützen. Wollf faßt zusammen: „Der Vorteil eines Neubaus (…) sind finanzieller Natur: Der Verein erleidet keine Einnahmeausfälle während eines Umbaus und hat später bessere Vermarktungsmöglichkeiten. Zudem würde das Stadion privatwirtschaftlich finanziert. Auch ein zukunftsfähiger Umbau des jetzigen Stadions ist denkbar, (…). Allerdings: Der beschlossene Kostenrahmen (71 Millionen Euro) würde gesprengt, zudem bliebe die Parkplatz-Situation mehr als schwierig.

Im Lokalteil kommentiert Wolffs Kollege Günther Kopp, daß aufgrund der Witschaftskrise weder die Stadt, noch die Wirtschaft in der Lage oder Willens sein werden, den auf dem Papier um ca. 36 Millionen teurer gewordenen Umbau des Wildparkstadions zu finanzieren. Gleichzeitig entgegnet er der möglichen Euphorie von Befürwortern eines Neubaus, daß hierzu eine Bürgschaft der Stadt für Einnahmeausfälle benötigt würde, was diese jedoch kategorisch ausschließe: „Wir haben also seit gestern eine weitere Facette in der Stadiondiskussion, aber noch längst keinen Ausweg.”

Die Sport-BILD kümmert sich heute um die Eintrittspreise in der Bundesliga. Berücksichtigt man die besonderen Situationen in Leverkusen und Hoffenheim (Umzüge), so liegt der KSC mit seinen Preisen (billigste/ teuerste Einzelkarte, billigste/teuerste Dauerkarte) grob gerechnet an der Spitze all jener Vereine, deren Stadien nicht noch nicht auf „Arenen-Niveau” umgebaut worden sind (also Bochum, Bielefeld und Cottbus). Eine Ausnahme bildet der VfL Wolfsburg, der seinen Zuschauerschnitt wohl nur deshalb über jenem von Eintracht Braunschweig halten kann.

Wird das ein Gebruddel in Karlsruhe geben, wenn man für den „Kleckerlesverein” in einem neuen oder umgebauten Stadion höhere Eintrittspreise bezahlen muß, obwohl dort gewiß nicht besser als im alten Wildparkstadion gespielt werden wird…

Hinsichtlich Sebastian Freis gibt es auch in der Sport-BILD keinen neuen Stand – „Fakt ist aber, dass Freis seinen Mini-Vertrag (rund 400.000 Euro im Jahr) deutlich verbessern will.


Das Interesse am KSC boomt nach wie vor, und noch nie wurde so viel über den Verein geschrieben wie heute. Dadurch mag es bisweilen schwer fallen, den Überblick zu behalten. Da wir nun zwangsläufig sehr viel lesen und uns hierbei so manch Bemerkenswertes in die Hände fällt, möchten wir hierüber an dieser Stelle künftig allen KSC-Freunden – vor allem jenen, die nicht im Raum Karlsruhe leben – eine kleine Übersicht verschaffen.

Natürlich wird in dieser Rubrik kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben (wer z.B. möchte schon täglich die BILD lesen, geschweige denn kaufen?). Doch hoffen wir, mit lockerer und – selbstverständlich! – subjektiver Kommentierung den Wust ein wenig lichten zu können.


2 Antworten zu “Die kleine Presseschau vom 9. bis zum 11. Februar 2009”
  1. Holger Lauinger sagt:

    also ich fand den kommentar im kicker zu engelhard lächerlich… für mich war es eine klare rote karte. so wie petric darfste nicht reagieren, auch wenn es fast reflexartig war…

    die geschichte mit der “69″ hätte ich auch nicht so wild gefunden. dripic macht auf mich bisher einen sehr abgeklärten eindruck… die medien fallen eh über ihn und seine frau her… glaube kaum das wenn er ihnen futter geben würde, dass ihm das schadet… wahrscheinlich braucht er das sogar, um sich zu pushen.. why not? fussball lebt eben nicht nur vom geschehen auf dem platz, sondern eben auch von dem leben neben dem platz… und da war mir der wildpark in den letzten jahren auch zu bieder… wir haben zu viele “schiegermutters lieblinge” an bord…

  2. Stefko sagt:

    Matthias, wie ich Dir ja vorhin schon sagte, ich finde rosa (KSC) Schals schlimmer als ein Nives Dripic-Trikot mit der Nr. 69. Und wenn der KSC schon einmal versucht an den Unsummen, welche mit Merchandising heutzutage umgesetzt werden, zu partizipieren … für mich gibt’s Schlimmeres (KSC-Toaster, Keiler-Shirts, blauweiße Stütz-Strümpfe … ) ;-)

  3.  
Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>