Die kleine Presseschau vom 7. Januar bis zum 9. Januar 2009
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Presseschau - 273 KlicksDienstag, 6. Januar 2009
Baden-Württemberg hat Feiertag.
Mittwoch, 7. Januar 2009
Beim Harder-Cup in Mannheim gab es für den KSC nichts zu holen. Entsprechend nüchtern fallen auch die Reaktionen in der regionalen Presse aus, sah Frank Ketterer im Badischen Tagblatt einen „uninspirierten“ KSC und befindet – „das Gute daran: Verletzte waren auf Karlsruher Seite nicht zu beklagen, die Mannschaft kam zudem früh aus der Halle – und konnte gestern einigermaßen ausgeruht ins vorgezogene Trainingslager ins türkische Belek fliegen (…)“
Und in den BNN verzichtet René Dankert gleich ganz auf eine Bewertung der sportlichen Leistung und referiert einfach nur Torschützen und Ergebnisse. Etwas analytischer ausfallen sollten hierfür jedoch seine Berichte aus Belek – denn im Trainingslager des KSC wird er, der Leiter der Sportredaktion der BNN, ebenfalls dabei sein. Doch bevor er sich aufmachte, konnte er noch eine gute Nachricht vom letzten Training der Mannschaft in der Badischen Heimat vermelden – Maik Franz absolvierte erstmals eine Einheit beschwerdefrei!
Die Sport-Bild hat die bisherigen Wintertransfers zusammengestellt. Beim KSC steht hierbei nur weitgehend Bekanntes, so etwa daß Stefan Buck „trotz eines Vertrages bis 2010 kaum noch eine Chance“ habe und daher auf der Suche nach Veränderung ist. Laut Sport-Bild stehen Trainer Becker noch rund eine Million Euro für einen Verteidiger sowie einen Angreifer zur Verfügung.
Zudem liefert das Blatt wieder einen Beweis, weshalb es in der heutigen Zeit zu „Europas größter Sportzeitschrift“ werden konnte – indem es eine Geschichte über den Glücksbringer von jeweils einem Spieler aller Bundesligisten („Bundesliga exklusiv“) auf sagenhafte sieben Seiten streckt! Danke für die hieraus resultierende Information, daß dies bei KSC-Keeper Markus Miller eine Kastanie ist.
Donnerstag, 8. Januar 2009
Harald Linder greift in seiner Sportkolumne (Kurier) die Panne um die noch nicht funktionierende Rasenheizung auf und stellt die berechtigte Frage, was denn bitte schön passiere, sollte das erforderliche Aggregat nach dem 16. Januar noch nicht installiert und funktionsbereit sein. Denn dann sind unsere Jungs wieder aus dem sonnigen Belek zurück und haben eigentlich noch zwei Vorbereitungswochen vor sich. Laut Linder finden zwar bereits Gespräche mit der Stadt statt, notfalls auf Platz 1 – also ins Stadion – ausweichen zu können, doch stünde eine Entscheidung noch aus.
Diese Entscheidung fehlt auch noch hinsichtlich des Umbaus. Gemäß Linder sind die Hürden hoch, da der nötige Umbau wohl mehr als die von der Stadt gedeckelte Summe von ca. 84 Millionen Euro kosten dürfte und die zentrale Frage nach der Verwendung der Marketingerlöse – die Stadt fordert einen Teil derselben ein – ebenso noch einer Lösung harrt. Unterdessen habe der potentielle Investor „Newport“ jedoch schon Nägel mit Köpfen gemacht und sich vermutlich einige Grundstücke in der „Unteren Hub“ gesichert. Mehr weiß man ab Montag, wenn der Stadt das neue Speer-Gutachten vorliegen wird Anschließend geht es an die Verwaltung und die Fraktionen im Gemeinderat, und schlußendlich an den KSC.
Des weiteren wird im Sportteil des Kuriers der Turniersieg der U19 des KSC beim Jugendturnier in Sindelfingen (1:0 gegen Dinamo Zagreb) gewürdigt und das Federico-Interview aus dem Sonntag (4. Januar) recycelt.
René Dankert (BNN) ist mit der Mannschaft offenbar gut in Belek angekommen, denn er hat seine ersten Beiträge geschrieben. In seiner Kolumne „Post aus Belek“ schreibt er launig über Zeugwart Hüseyin Cayoglu, dessen Kenntnisse der Landessprache den KSClern sehr nützlich zu sein scheinen. So hatte es z.B. im Hotel offenbar nicht die von der Mehrheit favorisierte Bild-Zeitung gegeben, woraufhin sich „Hans“ für die Beschaffung von künftig zehn Ausgaben erfolgreich eingesetzt habe. Schade – bei einem polyglotteren Redaktionsleiter hätten zwei oder drei BNN werden können.
Doch zum Sportlichen: Die Mannschaft ist in guter körperlicher Verfassung – die Ausdauer- und Schnelligkeitswerte sind in Ordnung, wobei Sebastian Freis und Christian Timm mit den besten Werten aufwarteten. Die Schnelligkeitswerte wurden übrigens erstmals mittels einer mit Lichtschranken versehenen Meßanlage ermittelt. Die Karlsruher sind laut Trainer Becker also dabei, sich „in leistungsdiagnostischer Hinsicht erstklassig anzupassen.“
Dass dies im medialen Umgang noch nicht ganz gelungen ist, hat Charme und kann im Kicker nachgelesen werden. Uli Gerke interviewte für diesen nämlich Giovanni Federico und der scheint einfach mal ganz locker losgeplaudert zu haben. Alles recht interessant, vor allem dieser Dialog:
Gerke: Bekannt sind Ihre Schwächen in der Rückwärtsbewegung. Wie soll das in Karlsruhe funktionieren?
Federico: Beim KSC wird die „10“ anders interpretiert (zuvor hatte er gesagt, daß Hajnal beim BVB viel nach hinten arbeiten müsse, d.R.). Natürlich fängt Defensivarbeit vorne an. Dafür bin ich mir auch nicht zu schade. Doch ich wurde vor allem geholt, um die Offensive zu beleben. Ich hoffe, dafür werden mir meine Mitspieler den Rücken freihalten. Wenn ich das eine oder andere Tor schieße oder vorbereite, wird man mir sicher verzeihen, wenn mir manchmal die Kraft fehlt, um nach hinten zu arbeiten.
U-ps!!! In einem „professionellen Verein” wäre der letzte Satz wohl leider von der Presseabteilung gestrichen worden, bzw. hätte es sich der Spieler zweimal überlegt, was er denn da zur Veröffentlichung freigibt. Und das wäre bedauerlich gewesen. Denn nach all jenen Berichten, Kommentaren und Interviews der Regionalpresse der vergangenen Wochen erfährt der KSC-Interessierte in diesem einen Satz erstmals mehr als die dort gepflegten Belanglosigkeiten. Nämlich alles über Risiken und Möglichkeiten der Verpflichtung Federicos: Hatte der Hagener noch vor zwei Jahren die Möglichkeit, sich längere Auszeiten zu nehmen oder sich aus der Teamverantwortung zu nehmen, so wird er diese in der Rückrunde 2008/09 nicht mehr besitzen. Die Mannschaft hat an Profil gewonnen und wird ihren ehemaligen Leistungsträger noch strikter an seiner Effektivität für das Gesamtgefüge messen. Dasselbe gilt auch für die Zuschauer, die in ihm buchstäblich jenen Heilsbringer sehen, der alles wieder gut machen wird. Und zwar von Anfang an. Es wäre fatal, sollte den Verantwortlichen im März plötzlich dämmern müssen, sich nach Antonio da Silva noch ein zweites Sorgenkind angeschafft zu haben, auf das Zuschauer und Mitspieler die Verantwortung schieben können. Die Folgen jedenfalls wären fatal.
Und übrigens – man sollte nicht erwarten, einen Federico zu einem Laufwunder umerziehen zu können, ohne ihn seiner Stärken zu berauben. Dafür ist es nicht nur zu spät, sondern es ist auch nicht notwendig. Aber man darf zumindest erwarten, daß er von sich aus bereit ist, schon vom Willen her alles dafür zu tun, dem Team eine vollständige Stütze zu sein. Daß der Gute schon vor dem Trainingslager im Hinterkopf hat, Mitspieler seine läuferischen Defizite ausgleichen zu lassen, macht nachdenklich.
Aber es gibt noch mehr KSC im Kicker. Der Vertrag von Sebastian Freis läuft zum Saisonende aus, und natürlich denken er und sein Berater Karl-Heinz Förster darüber nach, wie und wo es für das Talent weitergehen wird. Freis selbst kennt seine Defizite in Abschluß und Technik und hofft darauf, die Vertrags-Angelegenheit bis zum Rückrundenstart geklärt zu haben. Uli Gerke geht davon aus, daß dieses Zeitfenster ebenso wenig zu realisieren sein wird, wie eine Prognose der Chancen seines Verbleibs beim KSC.
Weitere Spieler, die neben den ausgeliehenen Andreas Görlitz und Giovanni Federico ab dem Sommer noch nicht gebunden sind, wären momentan Jean-Francois Kornetzky, Godfried Aduobe, Bradley Carnell und Timo Staffeldt. Laut Gerke ist man sich im Verein bei Görlitz und den drei Letztgenannten noch nicht sicher, ob sie denn auch tatsächlich bleiben sollen.
Da wir gerade bei (möglichen) Ehemaligen sind, gucken wir noch auf „Die zweite Liga im Test“. Beim SV Wehen gilt Thorsten Barg allenfalls für die U23 als Verstärkung und hat Sanibal Orahovac, „der mit seinen Toren wenigstens als Goalgetter überzeugte“ noch „Luft nach oben“ (Carsten Dietel). Auch die Verantwortlichen des FSV Frankfurt haben sich von einem Ex-Karlsruher mehr versprochen – Marc Gallego (Julian Franzke). Eine weitaus größere Überraschung ist, in „Fußball International“ plötzlich einen ausführlichen Beitrag über Sean Dundee vor sich zu haben. Jener spielt seit dem Sommer in seiner Heimatstadt Durban bei AmaZulu. Dort wurde er bislang von diversen Verletzungen heimgesucht (nein, nicht der Rücken), sodaß er erst ein einziges Mal in der Startformation stehen konnte.
Interessant nachzulesen ist, wenn Autor Mark Gleeson an Dundees Vergangenheit erinnert: „Dabei ist Dundee im Kapstaat durchaus umstritten. Als er 1995 sein Länderspiel-Debüt für Südafrika (just gegen Deutschland) absagte und später die Nationalität wechselte, hatte ihm nicht nur sein damaliger Nationalcoach Clive Baker allerhand Verwünschungen hinterhergerufen.“ Jener Baker ist heute zwar Dundees Trainer bei AmaZulu, doch mit seinem leidgeprüften Stürmer nicht mehr böse. Er attestiert ihm technische Klasse und lobt sein Engagement im Mannschaftskreis.
Freitag, 9. Januar 2009
In seiner Kolumne „Post aus Belek“ macht René Dankert (BNN) Werbung für das Hotel, in dem er und der KSC untergebracht sind.
Sein heutiger Kernbeitrag aus dem Trainingslager beschäftigt sich hingegen mit Torhüter Markus Miller, der sich vehement gegen „das zwischenzeitlich vereinzelt aufgekommene Gerede, daß er der Mannschaft keinen Rückhalt mehr biete und Reservemann Jean-Francois Kornetzky eine Chance verdient hätte“, wehrt: „’Wer so was geschrieben hat, der hatte entweder nichts anderes zu schreiben oder wollte nur Unruhe stiften’“.
Darüber hinaus erinnert sich Miller nur an „’drei oder vier Aktionen’“, die er hätte besser lösen können und erinnert an Leverkusens René Adler, bei dem „’oft genug fast identische Aktionen’“ zu sehen gewesen seien – mit dem Unterschied, daß bei Bayer 04 im entscheidenden Moment noch „’einer auf der Linie geklärt hat und bei uns eben nicht’“
Für sich persönlich konstatiert er zudem, „an den eigenen Schwächen bei Freistößen und Flanken von den Halbpositionen schon länger mit einigem Erfolg gearbeitet zu haben.“ Was leider übersehen würde, wenn nach Fehlern Gegentore fielen.
Nur „zwei kleine Störfälle“ meldet Hans Falsehr (diesmal für das Badische Tagblatt) aus Belek, Sebastian Freis und Joshua Kennedy mühen sich mit einer leichten Grippe ab. Maik Franz hingegen ist täglich bei einer gemeinsamen Trainingseinheit (von zweien) mit der Mannschaft dabei und gibt sein Genesungsprozeß Anlaß zu vorsichtigem Optimismus bei Edmund Becker Anlaß – „’Wir sind recht optimistisch, dass Maik einsatzfähig ist, wenn es wieder Ernst wird.’”
Samstag, 10. Januar 2009
Im „Stadtgespräch“ (Kolumne im Lokalteil der BNN) läßt Autor Günther Kopp fallen, daß es der KSC mit dem neuen Stadion „ ja offenbar auch nicht mehr so eilig“ habe. Hmm, haben wir da vielleicht irgend etwas verpaßt?
Sein erstes Interview als Bundesliga-Spieler überhaupt gab derweil Lars Stindl den Badischen Neusten Nachrichten, also René Dankert, in Belek. Der Wiesentaler gibt hierbei, wie nicht anders zu erwarten, gefällige Antworten – „’verändert hat sich nichts’“, „Vater ist der größte Kritiker“, „’habe eine Chance bekommen und sie genutzt’“, „Konkurrenzkampf durch Neuzugänge zwar verschärft, doch wolle er sich aufdrängen“, „selbstverständlich trägt er die Ballnetze“ und „das Spiel sei sein Leben, ‚wegen dessen Leidenschaft und wegen des Gefühls, in ein volles Stadion einzulaufen’“, wobei Geld zwar „’schön, aber nichts das Wichtigste’“ sei.
Beim gestrigen Test gegen Dnepr Dnepropetrowsk (1:1) – der insgesamt recht ordentlich gewesen sein muß – erzielte er übrigens die Führung (55.).
In seiner „Post aus Belek“ informiert Dankert darüber, daß um 7.45 Uhr der Muezzin „zum Wecker ohne Ausknopf “ wird, daß der mit Werder ebenfalls in Belek weilende Ex-Karlsruher Clemens Fritz ab und an bei Marco Engelhardt vorbeischaut und daß die Norddeutschen schon auf dem Trainingsplatz stünden, wenn sich die KSCler gerade erst mit dem Frühstück beschäftigten.
In einem Interview mit der Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung hat Dietmar Hopp seine in den vergangenen acht Jahren geleisteten Investitionen für die TSG Hoffenheim aufgeschlüsselt. In der zusammenfassenden DPA-Meldung (BNN) steht weiter, daß von den insgesamt 175 Millionen Euro 90 Millionen auf Stadien und Trainingszentren, 40 Millionen (aus der Dietmar-Hopp-Stiftung) für Jugend- und Förderzentren im Rhein-Neckar-Raum, 20 Millionen auf den Spielbetrieb sowie 25 Millionen auf Neuzugänge der vergangenen beiden Spielzeiten entfielen.
Das Interesse am KSC boomt nach wie vor, und noch nie wurde so viel über den Verein geschrieben wie heute. Dadurch mag es bisweilen schwer fallen, den Überblick zu behalten. Da wir nun zwangsläufig sehr viel lesen und uns hierbei so manch Bemerkenswertes in die Hände fällt, möchten wir hierüber an dieser Stelle künftig allen KSC-Freunden – vor allem jenen, die nicht im Raum Karlsruhe leben – eine kleine Übersicht verschaffen.
Natürlich wird in dieser Rubrik kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben (wer z.B. möchte schon täglich die BILD lesen, geschweige denn kaufen?). Doch hoffen wir, mit lockerer und – selbstverständlich! – subjektiver Kommentierung den Wust ein wenig lichten zu können.



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