Mittwoch, 31. Dezember 2008
Hurra – der Kurier liegt schon heute vor der Haustür! Und Harald Linder schenkt der Karlsruher Bevölkerung mit einem Jahresrückblick eine ganze Seite über den KSC. Er greift die enttäuschende Rückrunde auf und bemängelt, daß „die einstigen Leistungsträger weit weg von ihrer guten Verfassung der Hinrunde“ und „mit dem Kopf schon bei ihrem neuen Arbeitgeber“ gewesen seien. Zudem  waren „ihnen einige Ereignisse“ wohl zu Kopf gestiegen. Namentlich nennt er Markus Miller, Tamas Hajnal und Mario Eggimann. Den aufmerksamen Leser der Sportkommentare des Autors verwundert bei Letzterem allerdings, daß sich Linder im Sommer ausgerechnet über die Nichtberücksichtigung Eggimanns durch den Schweizer Bundestrainer Köbi Kuhn so erregt hatte. Denn die schwachen Leistungen des Abwehrspielers in den Monaten zuvor hatten eine Nominierung schlicht nicht gerechtfertigt.

Des weiteren attestiert Linder bei Maik Franz Wirkungstreffer der Medienkampagne im Zuge der Auseinandersetzungen mit Mario Gomez und wirft er Christian Eichner wieder einmal vor, daß dieser sich seiner guten Verhandlungsposition bewußt gewesen war und sich im Rahmen der Möglichkeiten um einen besseren Vertrag bemüht hatte – „Dazu kam ein ewig langer Vertragspoker zwischen dem KSC und Christian Eichner, dem ein Angebot von Dortmund vorlag, dem der Verteidiger erst dann eine Absage erteilte, als ihm der KSC einen neuen Vertrag zu erheblich verbesserten Konditionen unterbreitete.“ Es stellt sich hierbei die Frage der Angemessenheit, wenn den Profis einseitig das Recht auf  Partizipation an der kolossalen „Geldmaschinerie  Fußball“ abgesprochen wird. Die Namen derjenigen KSC-Spieler, die von diesem Verein in Jahrzehnten über den Tisch gezogen worden waren, sollten gerade auch dem erfahrenen Macher des Kuriers bekannt sein.

Die Gründe einer „miserablen Hinrunde“ der Saison 2008/09 lagen laut Linder bereits in der mißlungenen Vorbereitung. Er beruft sich auf die vielen Verletzten und attackiert auch direkt Athletiktrainer Markus Zidek, wenn er rückblickend bilanziert, daß „Muskelverletzungen an der Tagesordnung waren.“ Auf  das Ausleuchten weiterer möglicher Gründe wird in diesem Beitrag verzichtet und werden nur Stichpunkte wie „Aufbaugegner“ oder „Spielsystem” erwähnt. Auch in den Fragen „Antonio da Silva“  und „Edmund Becker“ bleibt der Autor rein deskriptiv.

Ein Drittel des Aufsatzes ist schließlich der Stadionfrage gewidmet. Hier gibt Linder einen gewohnt fundierten Überblick über die Geschehnisse und Entwicklungen der vergangenen Monate. Weitere Bewegung ist ab dem 9 Januar zu erwarten, wenn das detaillierter Gutachten des Planungsbüros Speer & Partner zum Wildparkstadion veröffentlicht wird.

Alles zusammen eine routinierte Zusammenfassung Harald Linders mit dessen bekannten „Steckenpferden“, der bis auf den Angriff gegen Markus Zidek jegliches Überraschungsmoment fehlt. Im weiteren Verlauf des Sportteils wird Kurt Sommerlatt anläßlich seines 80. Geburtstages gewürdigt und geht es im Sportkommentar Linders deutlich lebhafter zu. Denn hier erkennt Linder nur die sportliche Leistung der TSG Hoffenheim an, um ansonsten den Kraichgauer „Traditionsverein“ und Dietmar Hopp abzuwatschen. Der Kommentator faßt hier kurz zusammen, was in der allgemeinen Begeisterung über die jungen Himmelstürmer gerne beiseitegeschoben wird – das Etikett 1899 statt TSG, die gewaltige Anschubfinanzierung von geschätzten 150 Millionen Euro, inflationäre Dietmar-Hopp-Straßennamen im Kraichgau, dem VfL Neckarau abgekaufte Erfolge in der deutschen B-Jugendmeisterschaft, das versuchte Stutzen des SV Sandhausen und das Gebaren gegenüber dem SV Waldhof.

Tim Sebastian wird in den kommenden Tagen übrigens erstmals Vater. Dieses für die Familie Sebastian gewiß erfreuliche Ereignis ist den BNN einen großen Beitrag im Lokalteil wert. Immerhin – so erspart man dem Leser diese „Nachricht“ im Sportteil.

Dafür wird in diesem an den verstorbenen Reporter Rudi Michel erinnert. Bedauerlicherweise hat es aber nur dazu gereicht, sich des Standardbeitrages von dpa zu bedienen. Anders das Badische Tagblatt (BT) aus Baden-Baden, für das Redakteur Frank Ketterer einen eigenständigen Artikel verfaßt hat. Michel, der auch für das BT geschrieben hatte, wird vom Autor herzlich gewürdigt: „Manchmal rief er an, einfach so, aus freundschaftlicher Verbundenheit. Er erkundigte sich dann mit kraftvoller Stimme nach dem Wohlbefinden der Kollegen, übte bisweilen freundlich-sachliche Kritik, wenn ihm ein Sportartikel im ‚Tagblatt’, seiner Heimatzeitung, mal nicht so gefallen hatte, meist aber lobte er in vollen Zügen. Uns BT-Redakteuren tat das gut, jedem einzelnen konnte man es anmerken, wenn er kurz zuvor Rudi Michel an der Strippe gehabt und obendrein auch noch ein Lob kassiert hatte. Es war ein bisschen so, als habe der König einen zum Ritter geschlagen.

Aber auch seine fachliche Leistung hebt Ketterer hervor: „Genau dies war die große Kunst des Reporters Rudi Michel, der nie einer dieser anbiedernden Marktschreier und Lautsprecher war, sondern stets Sachlichkeit und Objektivität in den Vordergrund seiner hintergründigen Berichterstattung stellte. Eine ganze Generation an jungen Fernseh- und Rundfunk-Reportern hat Michel so geprägt, dass die SWF-Sendung “Sport unter der Lupe”, natürlich sein Kind, zur preisgekröntesten Sportsendung im deutschen Fernsehen überhaupt wurde, kommt nicht von ungefähr.

Und wir ergänzen noch um eine kleine Anekdote zum ab und an nicht ungetrübten Verhältnis des gebürtigen Kaiserslauterers zum KSC. Nach dem ersten Saisonspiel des KSC der Saison 1980/81 – der KSC war gerade aufgestiegen und hatte das Heimspiel gegen den FC Bayern glatt mit 0:3 verloren – wollte Michel natürlich auch an der Pressekonferenz teilnehmen. Da er allerdings nicht die notwendige Akkreditierung vorweisen konnte, wurde ihm der Zutritt von einem eilfertigen Ordner verwehrt. Erfahrene Stadiongänger wissen noch heute um die Unerbittlichkeit der wochenendlichen Götter in ihren Kunststoffjacken, sodaß sich der Reporterstar mehr als pikiert fühlte und wutschnaubend abdampfte. Aber nicht ohne zuvor verlautbart zu haben, erst am letzten Spieltag wiederkommen zu wollen – wenn der zu erwartende Absteiger die Saison in den Sand gesetzt habe und es daher folglich genügend Platz im Presseraum gebe…

Samstag, 3. Januar 2009
Heute Morgen ist Trainingsauftakt im Wildpark. In der Kolumne „Wort zum Sport“ (BNN) sieht René Dankert in den Neuverpflichtungen keine Garantie für einen erfolgreichen Abstiegskampf, allerdings das Beheben „eines der zuletzt auszumachenden Probleme. Höher wird der Konkurrenzdruck, besser Beckers Möglichkeit, den internen Konkurrenzkampf am Kochen zu halten.

Ebendort nimmt Dankert Bayern-Präsident Franz Beckenbauer ob seiner Aussagen über die TSG Hoffenheim („Größenwahn“) aufs Korn. Jener solle bitte nicht überall seinen Senf dazugeben, tadelt er den „Kaiser“ im besonderen und die Bayern allgemein.

Und hinsichtlich eines weiteren Kaderzugangs (Abwehr) zitiert er schließlich Edmund Becker: „ ‚Wir machen nichts, nur damit etwas gemacht ist’“. Ein Neuer müsse die Qualität des Kaders verbessern und ansonsten habe man in Tim Sebastian, Martin Stoll und Stefan Buck drei Spieler, den man vertraue.

Sonntag, 4. Januar 2009
Im Interview mit Harald Linder (Der Sonntag) läßt Giovanni Federico wissen, daß er es sich „durchaus vorstellen“ kann, über die Rückrunde hinaus beim KSC zu bleiben. Weshalb  er beim BVB unter Jürgen Klopp nicht mehr zum Zuge kam, weiß er „nicht wirklich“, aber vor allem, daß der KSC am Ende nicht auf den letzten drei Tabellenplätzen stehen wird.

Daß die Mannschaft beim Trainingsauftakt nicht auf Platz 4 trainieren konnte, entspricht laut Linder der Tatsache, daß für die dort installierte Rasenheizung noch kein Aggregat zur Verfügung stünde.

Montag, 5. Januar 2009
Während andere Blätter hinsichtlich der Unbespielbarkeit des Trainingsplatzes im Allgemeinen verharren (so René Dankert in den BNN), wird Frank Ketterer im Badischen Tagblatt deutlicher und folgert aus der Aussage von KSC-Pressesprecher Jörg Bock (“Wir wollen niemandem die Schuld zuweisen, aber Fakt ist, dass die Heizung nicht läuft und es wohl drei bis vier Tage dauert, bis sie vernünftig in Gang gesetzt ist“) konsequent: „Der KSC hat’s eher selbst verbockt.

Auch im Lokalteil der BNN findet sich ein kleiner Beitrag über die sonderbare Veranstaltung vom Samstagmorgen. Der Verfasser – oder wohl eher die Verfasserin – (mis) kommt über das Sammeln von Zitaten frierender Fans jedoch nicht hinaus und streift eine sich inzwischen beim KSC einnistende Unprofessionalität nur am Rande: dem Fan vorher deutlich zu sagen, daß in dem mit „Trainingsauftakt“ beschrifteten Päckchen in der Regel nur eine anonyme Laufeinheit im Hardtwald drin ist. Und wie bemerkte ein Zaungast unbeachtet der BNN so richtig – „hier stehen mindestens fünfzig Kinder mit den Taschen voller Weihnachtsgeld und der Verein hat noch nicht einmal den Fan-Shop auf!“

Im Kicker konkretisiert Uli Gerke die Suche nach einer möglichen Neuverpflichtung und nennt den Namen des zur Zeit vereinslosen Ahmed Madouni, der für Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen 85 mal in der Bundesliga auflief. Zuletzt hatte Madouni bei Al Gharrafa im Katar gekickt.

Beim Betrachten der Rangliste „Mittelfeld defensiv“ ist der kundige Betrachter der Spiele des KSC überrascht, findet sich im „Blickfeld“ doch Michael Mutzel. Die Begründung: „Stemmte sich gegen den Abschwung des KSC. War einer der wenigen, die halbwegs konstant spielten.“ Da hilft es auch nicht, daß Antonio da Silvas gänzliches Wegfallen aus der Liste erläutert wird –  „Nachdem da Silva beim VfB Stuttgart nicht mehr gut genug war, schien sein Wechsel nach Karlsruhe logisch. (…) Doch als Chef der KSC-Offensive war der Brasilianer überfordert. (…). Doch richtig glücklich ist der 30jährige im Badischen nicht. Für die Rangliste war er kein Thema.“ – spontan gedenkt man der seligen Zeiten, als es noch die Fußball-Woche und den Sport Kurier gab.


Das Interesse am KSC boomt nach wie vor, und noch nie wurde so viel über den Verein geschrieben wie heute. Dadurch mag es bisweilen schwer fallen, den Überblick zu behalten. Da wir nun zwangsläufig sehr viel lesen und uns hierbei so manch Bemerkenswertes in die Hände fällt, möchten wir hierüber an dieser Stelle künftig allen KSC-Freunden – vor allem jenen, die nicht im Raum Karlsruhe leben – eine kleine Übersicht verschaffen.

Natürlich wird in dieser Rubrik kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben (wer z.B. möchte schon täglich die BILD lesen, geschweige denn kaufen?). Doch hoffen wir, mit lockerer und – selbstverständlich! – subjektiver Kommentierung den Wust ein wenig lichten zu können.


2 Antworten zu “Die kleine Presseschau vom 31. Dezember 2008 bis zum 5. Januar 2009”
  1. Jens sagt:

    schön

  2. Holger Lauinger sagt:

    50 kinder mit taschen voll geld vorm geschlossenen fanshop… aber wenn man keinen stürmer mehr kaufen will, kann man schließlich darauf verzichten…
    zu blöde die rasenheizung anzustellen etc… es kann einem angst und bange werden…

  3.  
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