Es kann keine Sicherheit geben

Rechnen Sie die einzelnen Punktestände in der Bundesliga eigentlich auch noch in das alte „Zwei-Punkte-Verhältnis“ um? Diese alte Gewohnheit kann die Vorrundenbilanz des KSC jedenfalls noch etwas eindrücklicher erscheinen lassen – denn dies bedeutet enttäuschende 9:25 Punkte. Es mag sein, daß man sich durch das momentane Schneckenrennen zwischen Mönchengladbach, Bochum, Cottbus, Bielefeld und eben dem KSC noch an die Zuversicht halten kann, daß noch nichts verloren ist. Doch die Erfahrung lehrt nun einmal, daß sich dieses rasch ändern kann und zwei, drei Mannschaften im Frühjahr anziehen werden. Schnell sind mit zwei Erfolgen Distanzen geschaffen, die vorzeitig demoralisierte Konkurrenten zurücklassen können. Ruck-zuck sind diese dann verloren.

Seltsam

Alles in allem haben wir eine seltsame Vorrunde erleben müssen. Vom Verlauf her erinnert diese Spielzeit bislang an die Saison 1982/83, in der Hertha BSC, Schalke 04 und der KSC der Ligakonkurrenz hinterherhinkten und sich am Ende mit Schalke der Einäugige unter den Blinden in die Relegation gegen Bayer 05 Uerdingen rettete (um dort mit 1:3 und 1:1 klar zu scheitern). Den Westdeutschen genügten gerade einmal 22:46 Punkte (heute 30), um Sechzehnter zu werden. Diese Gedankenspielerei ist für eine heutige Betrachtung natürlich völlig wertlos. Im Heute ist dafür erstaunlich, wie wenig einem mit einigen Unzulänglichkeiten auftretenden KSC bisweilen fehlte, um sich wie z.B. Eintracht Frankfurt von der Abstiegszone distanzieren zu können. Gegen Stuttgart, Hamburg, Hannover oder Hertha hätte man nicht verlieren müssen, und gegen Cottbus, Mönchengladbach, Köln und  Frankfurt auch gewinnen können. Etwas mehr Konzentration und ein sich auf durchschnittlichem  Niveau einpendelndes Schußglück hätten wohl genügt, um tabellarisch dem vorderen Tabellendrittel im Nacken zu sitzen. Aber – dies war leider nicht der Fall.

Der KSC rüstet sich

Im Wildpark möchte man daher zumindest dafür Sorge tragen, daß man zeitigst zu jenen Vereinen zählen wird, die sich mit zuverlässigem Punkten aus der Abstiegszone lösen werden. Allem Anschein nach wird zu dem Personal, das diese Wende bewerkstelligen soll, auch Giovanni Federico zählen. Federico war beim Bundesligaaufstieg 2006/07 in der Kombination Vorbereitung und Abschluß der wichtigste Offensivspieler gewesen und wird an seiner in der 2. Bundesliga gezeigten Wertigkeit gemessen werden. Dies kann sogar so weit gehen, daß von ihm das gekonnte Einsetzen der vorhandenen KSC-Stürmer derart erwartet werden wird, daß in diesem Bereich auf Neuzugänge verzichtet werden könnte. Gut ist in Erinnerung, wie zum Beispiel ein Edmond Kapllani von seinen Anspielen hatte profitieren können. Federico kann jenen Schuß Präzision in das Paßspiel einbringen, der am Samstag in Berlin erneut vermißt werden mußte – haarsträubend, wie das eigene Spiel durch Unzulänglichkeiten in diesem Bereich konterkariert wurde.

Den Nachweis noch nicht erbracht

Hierbei mag man allerdings auch im Hinterkopf haben, daß sich Federico weder beim VfL Bochum, noch beim 1. FC Köln und bei Borussia Dortmund in der Bundesliga hat durchsetzen können, er also den Nachweis der Bundesligatauglichkeit bislang schuldig geblieben ist. Auch ist einzuwerfen, daß er nicht der Typ „Hajnal“ ist, der läuferisch derart zu überzeugen wußte. Der Hoffnungsträger wird, sofern er denn tatsächlich kommen wird, recht schnell durch Leistung überzeugen müssen, um in einem charakterlich veränderten Kader und einem nervöseren Umfeld nicht vorzeitig in die Kritik zu geraten. Auch wird er nicht der Spielertyp sein, der Mannschaftsauftritte wie im Berliner Olympiastadion entscheidend wird beeinflussen können. Diese Spielerpersönlichkeit, die die aggressiven Mike Franz und Markus Miller im vorderen Bereich entscheidend ergänzen kann, ist der gebürtige Hagener gewiß nicht und so dürfte der KSC künftig auch weiterhin versuchen, eher spielerisch aus der Misere zu kommen. Der plakativ eingeforderte Abstiegskampf wird woanders stattfinden, und nur vereinzelt in Karlsruhe.

Welcher Eggimann käme zurück?

Auch ist wohl ein Mario Eggimann wieder im Gespräch. Wobei hier zu beachten sein wird, welchen Eggimann man denn aus Hannover zurückbekäme – den aus der KSC-Vorrunde 2007/08, oder den aus der Rückrunde. Käme Letzterer, wäre es vielleicht sinnvoller, aus der zweiten Mannschaft Florian Krebs oder Sebastian Langkamp in die Bundesliga zu werfen. Zwar haben sie es trotz aller Veranlagung nicht geschafft, sich dort für die erste Mannschaft aufzudrängen, doch galt dies auch für Lars Stindl. Ehe dessen Chance kam, hatte er sich in den Regionalligaspielen der vorangegangen Monate auch nicht so positionieren können, daß sein aktueller Status als Heilsbringer erwartbar gewesen wäre.

Die eine, entscheidende Lösung wird es nicht geben können

Anhand dieser Gedankenspiele um zwei potentielle Verstärkungen wird deutlich, daß man sich die notwendige Gewißheit nicht wird einkaufen können. Gerade beim KSC – der nicht über das finanzielle Vermögen verfügt, sich relativ punktgenau entscheiden zu können – wird man sich daher vor der Erwartung hüten müssen, dem Umfeld die entscheidenden Lösungen präsentieren zu können. Edmund Becker und alle anderen Verantwortlichen, die sich in der Krise bislang bewährt haben und auf Kurzentschlossenes bewundernswert verzichteten, werden deshalb auch viel Glück benötigen.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


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