Ein geschlossenes System?
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 418 KlicksJesses Gott, war das ein Brüllen und Toben im Wildparkstadion, als Stefan Buck das 1:0 gegen Werder Bremen erzielt hatte. So viel Erleichterung war selten, vom Sechsjährigen unten am Zaun in einem Stehplatzblock bis hoch oben auf der Haupttribüne, zum allwissenden und besser betuchten Alt- und Edelfan. Solche Erlebnisse, wenn sich fast 30.000 Menschen kollektiv mit den Spielern auf dem Rasen zu einer unwiderstehlichen Gemeinschaft vereinen, sind selten. Um so mehr konnte man sich dieser über 90 Minuten gehaltenen Atmosphäre zu keiner Sekunde entziehen und war am Ende stolz, Teil dieser KSC-Familie gewesen zu sein.
Ein guter Brauch
Auch hernach auf der Pressekonferenz sah man endlich wieder in gelöste Gesichter. Zumal ist es ein guter Brauch im Wildpark, daß am Ende der Pressekonferenz zum letzten Heimspiel eines Jahres der älteste anwesende Journalist das Wort erteilt bekommt und das zur Neige gehende Jahr kurz reflektieren darf. Harald Linder vom Karlsruher Kurier nutzte dies, um zwar zunächst seine Erleichterung über den 1:0-Sieg gegen Werder Bremen kund zu tun, allerdings auch, um diese Gratulation mit dem berechtigten Hinweis zu ergänzen, daß trotzdem noch sportliche Steigerungsfähigkeit bestünde. Hierbei verfinsterte sich das Minenspiel des auf dem Podium sitzenden Edmund Becker merklich. So kurz und eigentlich hinwegsehbar dieser kleine Moment war, so sagt er doch sehr viel aus. Denn, auch wenn sich besagter Journalist hernach noch zu Recht für die gute Zusammenarbeit in den schwierigen letzten Wochen bedankte, wurde doch spürbar, daß der Cheftrainer des KSC die Widrigkeiten einer Negativserie nicht so selbstverständlich zu akzeptieren vermag, wie es erwartbar wäre.
Gemeinsam gegen die Krise
Generell haben sich die Entscheidungsträger des KSC während der Vorrunde ausgesprochen besonnen verhalten. Geschlossen wurden keinerlei Zweifel daran gelassen, die Krise mit dem Chef-Trainer durchstehen und mit ihm wieder erfolgreich sein zu wollen. Ebenfalls wurde darauf verzichtet, mit hektischen Entscheidungen irgendwelche Aktivitäten zu produzieren, die vielleicht die Öffentlichkeit ruhiger gestellt, der Sache aber wohl geschadet hätten. Kein Führungsspieler wurde „rasiert“ oder über Gebühr an den Pranger gestellt, sondern mit Gemeinsamkeit der Krise begegnet. Und wenn man sich die eigentliche ungeheuerliche Negativserie genau besieht, dann kann man sich kaum einen Verein vergegenwärtigen, der derart souverän mit einer vergleichbaren Talfahrt umgegangen wäre. So dürfen Präsidium, Management und sportliche Leitung mit Fug und Recht als Gewinner dieser Zeit bezeichnet werden – „yes, they can!“
Du, Ede, wie siehsch Du…?
Daß die Ruhe bewahrt werden konnte, war auch der heimischen Presse zu verdanken, auf deren Solidarität man sich absolut hatte verlassen können. Kaum verwunderlich, wenn manche Journalisten auf Pressekonferenzen unbefangen den Duz-Komment mit Verantwortungsträgern pflegen – „Du, Ede, wie siehsch Du des, daß die Mannschaft widder net des Ergebnis hat übber die Zeit hat bringe könne?“ – und in ihren Medien über alles schrieben, nur nicht über mögliche und tatsächliche Gründe des sportlichen Abschwunges. Sicher und geborgen wie in einem Kokon konnten und können Präsidium, Management und sportliche Leitung im Wildpark agieren, ohne daß die Presse Unruhe und Zweifel von Zuschauern und Beobachtern darzustellen vermochte, ja diese sogar für lange Zeit geradezu ignorierte. Um so mehr müssen Becker und Co nun kürzlich aus allen Wolken gefallen sein, als ihr geschlossenes System aus den Fugen geriet und sich ab und zu die Presse stärker mit den Zusammenhängen beschäftigte.
Ein einig Volk von Brüdern…
Als Monstranz diente hierbei die erstaunliche Konsolidierung des Klubs in wirtschaftlicher und sportlicher Hinsicht, die sich u.a. Raase, Dohmen und Becker zu Recht an ihr Revers heften dürfen. Denn mit so viel Intelligenz und Gespür war beim KSC schon lange nicht mehr gearbeitet worden. Hier arbeiten Männer zusammen, die sich nicht zufällig gefunden haben und sich gegenseitig bisweilen mehr ertragen müssen, als ihnen lieb ist, sondern die sich verstehen und absolut vertrauen. Diese Kameraderie strahlt auch auf die buchstäbliche Zusammenarbeit mit den Medien aus. So produktiv und positiv dieser Zusammenhalt auch zu sein vermag, birgt er doch Risiken. Vornehmlich kann es beispielsweise passieren, daß man sich in der allgemeinen Übereinkunft einzurichten beginnt und die kritischen Stellschrauben fehlen. Vergleichbar mit einer Mannschaft, in der die Harmonie zu ausgeprägt ist und eben jene legendären „Drecksäue“ vermißt werden, die eine Gruppe zu Höchstleistungen anzuspornen vermögen.
Kritik als Chance und Gewinn
Im konkreten Falle hätte dies bedeutet, daß die alarmierende Rückrunde der Vorsaison energischer hätte analysiert werden müssen. Nein, schon da war nicht mehr alles richtig, was zu einer begeisternden Vorrunde 2007/08 geführt hatte. Daß man diese Probleme in offensichtlicher Betriebsblindheit auch noch in die neue Spielzeit mitnahm, war schlicht unnötig. Daher sollten es die Verantwortlichen beim KSC eher als Chance, ja Gewinn ansehen, wenn künftig auch intern ihre Leistungsbilanz stärker hinterfragt werden würde. Kritik ist wichtig! Denn man kann davon ausgehen, daß kaum einer ernsthaft in Erwägung ziehen würde, diese Erfolgsgemeinschaft selbst im Falle eines Abstieges ohne Not sprengen zu wollen. Die KSC-Verantwortlichen verfügen bei allen Unwägbarkeiten über einen immensen Vertrauensvorschuß, den sie aber bitte nicht als selbstverständlich sehen sollten. Denn, wie leicht kann aus den lauen Lüftchen der vergangenen Wochen ein richtiger Sturm werden, der alle Gewißheiten hinwegzufegen im Stande wäre. Und wer hätte etwas davon, wenn dann die Frage lautetete, „Du, Ede, hat sich schon en Verein bei Dir gmeldet?“
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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ich denke auch, dass man einmal darauf hinweisen muss, dass tatsächlich der aktuelle einbruch der teamleistung auch schon diesem frühjahr erkennbar war. mir ist bis heute schleierhaft warum man in dieser “leerlaufphase im niemandsland der tabelle” nicht die zeit genutzt hat mehr zu experimentieren. warum hat man einen demotivierten hajnal, der ecken anscheinend nur noch in halber höhe schiessen konnte, nicht einmal gegen stindl eingetauscht? warum hat man nicht einmal langkamp für eggimann spielen lassen? so frage ich mich bei den erbärmlichen gebrechen, das im sturm fabriziert wird, ob nicht auch einmal einen amatuer für 20 minuten auflaufen lassen kann? schlimmer kann es nicht werden.
was mir auch völlig schleierhaft ist, warum man nach einer derart desolaten rückrunde keinen weiteren stürmer geholt hat. dafür sagte dohmen in jedes mikro “kapplani wird ein großer etc.”. das war falsch! und ich fürchte auch die rückkehr von federico wird es nicht ändern. beim hertha-spiel hat kappes wie falschgeld gespielt. er hat m. e. nach ein grottenmäßiges stellungsspiel. er stellt! sich jedesmal hinter größere abwehrspieler und fuchtelt wild mit den armen, aber er bewegt sich nicht einen meter… das sowas vom trainer, vom team geduldet wird, ist mir unerklärlich!
meine laieneinschätzung der rückrunde ist ja auch die, dass sich die verunsicherung beim team im verlauf der unglücklichen spiele langsam von vorne nach hinten weitergereicht hat. viele spiele sahen anfangs für unser team ganz gut aus, aber wenn man nie! trifft, dann klingelts halt irgendwann hinten. anfangs waren doch einige niederlagen, die uns in der letzten viertelstunde ereilten, dann wenn eine überlastete abwehr auch mal konzentrationsschwächen zeigt. dennoch glaube ich, dass es am sturmproblem liegt. wenn man so harmlos in personal und strategischer aufstellung spielt, dann wird die abwehr zur sollbruchstelle. ihr geht schlicht die luft aus, man wird lustlos nach vorne zu spielen, wenn die tröten kennedy u. kapplani so uninspiriert den ball verlieren… ich denke, dass der leistungseinbruch von eichner auch darauf zurückzuführen ist, dass unterbewusst keinen bock mehr hat den ball in die spitze zu spielen und dann gleich vollgas den rückwärtsgang einlegen zu müssen. ich hätte da teamintern schon lange rvoltiert. mir scheint er frisst es in sich rein und wird deshalb selber schlechter und hinterfragbar…
meine these: willst du was für deine abwehr tun, dann kauf einen stürmer! bei dem, was man aber aus der ferne mitbekommt, scheint aber ein stürmerkauf wohl immer noch keine priorität zu haben.
insgesamt bin ich natürlich der meinung, dass dohmen u. ede einen sehr guten job machen. der ksc ist finanziell limitiert. und bei den investitionen ist man nun einmal in der “fahrstuhl-liga” angesiedelt.
man wird als fan aber halt leider gezwungen sich zu fragen, was eigentlich mehr spass macht. abstiegskampf und regelmäßige niederlagen in der 1. liga oder viele siege und aufstiegseuphorie in der zweiten… zu meiner schande gab schon momente dieses jahr, da habe ich die zweite liga herbeigesehnt… ich wünsche mir eine rückrunde nach dem motto “lieber mit wehenden fahnen untergehen, als wie das häslein in der grube auf den biss der schlange warten!”
kauft zwei neue stürmer!
holger lauinger