Endlich — der KSC hat den Kampf aufgenommen!
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Fotos, Kolumnen - 263 Klicks
Das war knapp. Am Samstag kam es im Wildparkstadion zu einem jener Spiele, denen im weiteren Verlauf einer Saison eine so genannte Schlüsselstellung zukommen kann. Noch zu Beginn machte es ein äußerst verunsicherter KSC dem Gegner aus Leverkusen sehr einfach, jenen ebenso schön anzuschauenden wie effizienten Offensivfußball zu demonstrieren, den man heute „modern“ nennt. Nichts, aber auch rein gar nichts schien darauf hinzudeuten, daß den geplagten Kellerkindern endlich wieder ein Erfolgserlebnis gelingen könnte. Dies lag keinesfalls daran, daß die Gäste nun so unwiderstehlich aufspielten, sondern an den erschreckenden Fehlleistungen des KSC, wie man sie sonst auf Bundesligaplätzen nur selten zu sehen bekommt. Selbst Torhüter Markus Miller leistet sich zur Zeit wieder eine Phase, in der er seine spektakuläre Rettungsparaden mit unerklärlichen Aussetzern torpediert und dadurch zum Sicherheitsrisiko mutiert. Daß letztlich ein – übrigens wieder einmal – nur ungenügend ausgeführter Freistoß genügte, alles zuvor Gesehene auf den Kopf zu stellen, war nichts anderes als großer Sport und hat richtig Spaß gemacht.
Fluchtbewegungen
In wie weit man in die Spielanalyse die schwache erste Halbzeit einbeziehen sollte, ist zweitrangig. Viel wichtiger war am Ende nicht daß, sondern wie die Begegnung gedreht und von der Mannschaft der notwendige Neuanfang erarbeitet wurde. Gerade das Umfeld dürfte sich hierauf konzentrieren. Noch in der ersten Halbzeit waren Zuschauer scharenweise aus dem Stadion geflüchtet, um sich das zu erwartende Elend nicht länger ansehen zu müssen und bildeten sich an den Verpflegungsständen erregt diskutierende Grüppchen. Und selbst im Fan-Block war man nicht mehr bereit, der Mannschaft alles durchgehen zu lassen – zeitweise erhielt der unermüdlich rackernde Vorsänger Beschimpfungen oder gar ausgestreckte Mittelfinger als Antwort für seine Aufforderungen, die Spieler auch weiterhin lautstark zu unterstützen und, vor allem, nicht zu pfeifen. Kaum zu glauben, daß diese Wut am Ende in Standing Ovations und strahlende Gesichter allerorten mündete.
Vergangene Erfolge zählen nicht
Es wäre nur von Vorteil, wenn sowohl auf Seiten des Vereins als auch der Zuschauer die erstaunlich erfolgreiche Vorrunde der vergangenen Spielzeit endlich der Vergessenheit anheim fiele. Zunehmend unverständlich waren zuletzt die Verweise der sportlichen Leitung auf eben jene Erfolge geworden, sodaß man am Realitätssinn der Entscheidungsträger allmählich zu verzweifeln drohte. Nichts ist im Fußball vergänglicher als frühere Meriten und ist, was gestern noch erfolgreich war, heute nur um so genauer auf den Prüfstand zu stellen. So mag es zwar sein, daß die Mannschaft mit der taktischen Marschroute der Vorsaison schließlich hervorragend zurechtkam – doch dies ist eben nicht die Garantie dafür, daß sie dies auch dauerhaft und in Zukunft kann. Selbstverständlich ist es billig, sich hinsichtlich der Analyse der augenblicklichen Situation all zu sehr auf die Systemfrage zu beziehen. Niemand weiß die Spieler und ihre Möglichkeiten besser einzuschätzen als der Trainer. Und wenn sein Wissen darum nur den Rückschluß auf diese Spielvariante als die passende zuläßt, dann ist dies mangels besseren Wissens zu akzeptieren.
Notwendige Gedanken
Gerade Becker wird sich angesichts der enttäuschenden Bilanz der Punktspiele des Kalenderjahres 2008 aber auch die notwendigen Gedanken machen, den KSC alle seine Möglichkeiten ausschöpfen zu lassen. Daß er sich hierzu gleich neu erfinden muß, ist nicht notwendig. Aber auch er sollte sich fragen, wie es in einem derart kleinen Kader möglich sein kann, daß sich unter der Hand inzwischen so mancher Reservist darüber beklagt, nur ungenügend berufen und in die Entscheidungsfindung einbezogen zu werden. Gewiß – ehe ein Spieler zum Lamento des „der-Trainer-spricht-nicht-mit-mir“ ansetzt, sollte er tatsächlich jede Möglichkeit des sportlichen Aufdrängens genutzt haben. Und wenn dem so ist, daß Becker seit Monaten so manchem Drängler schlicht die letzte Bereitschaft, alles für eine Berücksichtigung zu tun, absprechen muß, dann ist dies angesichts der dünnen Personaldecke beim KSC geradezu dramatisch zu nennen.
Den Kampf auch annehmen
Es ist sicherlich schön, daß z.B. Christian Timm vor einem Jahr zwei Tore auf Schalke geschossen und Andreas Görlitz im vergangenen Herbst ganz hervorragend aufgespielt hatte. Gerade Letzterer sollte sich allerdings vergegenwärtigen müssen, sich in der Rückrunde in den allgemeinen Zusammenbruch nahtlos eingefügt zu haben. Es ist nicht in Frage zu stellen, daß der junge Stefano Celozzi momentan die stärkere Besetzung für die Position des Rechtsverteidigers darstellt und daher das Leistungsprinzip für die Aufstellung dauerhaft vorrangig sein muß. Görlitz muß und wird nach seiner Verletzungspause den Kampf energisch annehmen. Daß er dem KSC dann wieder ein Leistungsträger sein wird, ist unzweifelhaft. Viel wird also auch in Zukunft vom unbedingten Willen der Akteure abhängen, nicht nur alles für den persönlichen, sondern auch den Erfolg der ganzen Mannschaft zu tun.
Endlich wieder Abstiegskampf
Wie sagte es kürzlich ein Freund so schön – „endlich wieder Abstiegskampf und nicht das Larifari der vergangenen Monate!“ Was sollte man dem hinzufügen? Vielleicht nur so viel, als daß dieser Kampf am Samstag, den 8. November, endlich aufgenommen wurde. Dieser Schlüssel für künftige Erfolge sollte dringend mitgenommen werden.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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Hallo Matthias,
ich kann soweit alles unterstreichen, was ich hier gelesen habe, bis auf eines:
“Daß letztlich ein – übrigens wieder einmal – nur ungenügend ausgeführter Freistoß genügte, alles zuvor Gesehene auf den Kopf zu stellen, war nichts anderes als großer Sport und hat richtig Spaß gemacht.”
Paul Breitner hat einmal gesagt, wenn er eine Mannschaft trainieren würde und es würde auch nur ein Spieler in der Freistoßmauer bei einem Freistoß hochspringen, würde er diesen sofort auswechseln. Ich sehe das auch so. Wer bei Freistößen in der Mauer hochspringt, riskiert eben so ein Tor wie das von da Silva am Samstag. Daher: selbst schuld, Bayer. Dass es mit Kießling auch noch einen absoluten Haßspieler von mir getroffen hat, um so geiler. Insofern geb ich Dir recht, hat spaß gemacht.
Wenn man sich im TV allerdings die Wiederholung des Freistosses angesehen hat, war dieser beileibe nicht lausig ausgeführt und hätte durchaus auch die Chance gehabt im Tor zu landen, wenn Kießling (nochmals freu) ihn nicht abgefälscht hätte.
Solche Freistöße sind mir 1000mal lieber als diese flach getretenen,die mit dem Hochspringen der Mauer rechnen, wodurch der Ball dann unter der Mauer durch ins Tor rutscht. Solche Freistöße werden als Kunstschüsse gefeiert??? Das muss man sich mal vorstellen!!! Dann schon lieber schön angeschnittene, gezwirbelte, auch wenn sie vielleicht nur ins Tor gehen, weil Kießling (jaaaaaaaaaaaaaaaaaa) sie abfälscht…
Viele Grüße
Charlie