Ist der KSC nicht mehr allein zu Haus?
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 222 KlicksDer ASV Durlach gewinnt durch seinen couragierten Pokalauftritt viele Sympathien.
„Na, da kann man ja vielleicht mal öfters vorbeischauen.“ Wenn ein solches Zitat nicht nur im ersten Rausch dahergesagt, sondern künftig auch in die Tat umgesetzt wird, dann würde sich die Pokalniederlage des ASV Durlach gegen Arminia Bielefeld künftig doch noch in einen großen Sieg verwandeln. Denn seit der Gründung des KSC im Jahre 1953, als sich die beiden Großen VfB Mühlburg und Phönix zusammenschlossen, wächst in Fußball-Karlsruhe im Schatten des Giganten aus dem Wildpark kaum noch ein Grashalm. Zu dominant beherrscht dieser das Geschehen, als daß kleinere Lokalvereine sich entwickeln konnten oder können. Der FV Daxlanden, einst mit Spielern wie Hugo Rastetter, Herbert Dannenmaier und natürlich dem legendären Nationalspieler August Klingler nicht nur für den KSC eine große Talentschmiede, ist ebenso in der Bedeutungslosigkeit verschwunden wie der Altmeister von 1910, der Karlsruher FV. Durch kommunale Ränkeschmiede seines legendären Platzes an der Hertzstraße verlustig gegangen, versucht er inzwischen ganz unten einen Neuanfang.
Sehnsucht nach ehrlichem Fußball
Auch ein FC Südstern, die SpVgg. Durlach-Aue oder eben der ASV Durlach – sie alle fristen das kümmerliche Dasein von Vereinen, deren treueste Zuschauer noch immer Verwandte, Freunde oder Freundinnen der Spieler sind. Und selbst dann darf parallel kein Spiel auf Premiere dazwischenkommen. Dabei gibt es eigentlich zahlreiche Fußballfreunde, die sich neben dem Profiverein aus dem Hardtwald gerne einem kleineren, aber um so ehrlicheren Amateurteam anschließen würden. Zwar hat der KSC (noch) den ideellen Vorteil, nicht in einer dieser gesichtslosen und auf Marketing getrimmten Arenen zu spielen, doch hat man dennoch Sehnsucht auf Fußball – ehrlichen Fußball mit Grasnarbe, Bratwurstduft und zu Mordwaffen umfunktionierten Regenschirmen. Dazu noch garniert mit etwas Ambition nach oben? Ja, das wäre schön. Vielleicht gelingt es dem Fünftligisten ASV ja tatsächlich, sich zu stabilisieren und für die Karlsruher Fußballfans zu einer wochenendlichen Alternative heranzureifen. Geduld und Augenmaß werden gefordert sein, um dieses Ziel zu erreichen, das ist sicher. Und vielleicht denkt der eine oder andere Mittelständler ja daran, daß es befriedigender sein kann, sich in einem überschaubareren Umfeld zu präsentieren, als in der großen Masse der Gönner des KSC unterzugehen. Dort fällt inzwischen weniger jener auf, der dabei ist, sondern derjenige, der nicht dabei ist.
Testspiele nur für Hartgesottene
Aber trotz der großen Show im Schatten des Turmberges spielt für die Karlsruher Fußballliebhaber jegliche Musik natürlich vor allem beim KSC. Wer es bis zum Saisonstart nicht aushalten mochte, den zog es mit diesem zu den Vorbereitungsspielen über die Dörfer. Jenen Hartgesottenen wird es angst und bange geworden sein, zumal die Bundesligakonkurrenz vermeintlich engagiert aufgerüstet hat. Doch es gibt nichts Graueres im Fußball als die Theorie. In dunkler Erinnerung ist noch die Vorbereitung auf die Saison 1992/93, als wirklich jeder nur das Schlimmste befürchtete – und am Ende qualifizierte sich der KSC erstmalig für den Europapokal. Und die Voraussetzungen sind tatsächlich nicht so schlimm, wie allseits befürchtet. Tamas Hajnal kann durch Antonio da Silva – Verletzungsfreiheit vorausgesetzt – gewiß ersetzt werden. Zumal Spieler wie Christian Timm, Alexander Iashvili oder Massimilian Porcello mehr als in der Pflicht stehen, sich mit breiterer Brust zu positionieren. Es wäre auch gar nicht so schlecht, sollte sich das Spiel nicht wieder auf nur einen Kreativspieler – wie dies zuletzt mit dem kleinen Ungar der Fall war – konzentrieren.
Störfaktor Mario Eggimann
Und Mario Eggimann ist sportlich weit weniger ein Verlust, wie es sein Status als Schweizer Nationalspieler vielleicht vermuten läßt. Denn zu oft in den vergangenen Monaten hatte sich der ehemalige Aarauer mehr als Störfaktor denn als Leistungsträger erwiesen. Völlig unverständlich waren daher die empörten Reaktionen in der Karlsruher Presselandschaft gewesen, weil der Schweizer Trainer Köbi Kuhn – in berechtigter Weise dem Leistungsprinzip folgend – für die EM auf ihn verzichtet hatte. Sollte Neuzugang Tim Sebastian auf die Außenposition gezogen werden müssen, wird selbst ein Martin Stoll den für Höheres zu langsamen Schweizer vergessen lassen können. Und glaubt jemand im Ernst daran, daß Edmond Kapllani erneut eine derartige „Seuche“ wie zuletzt am Fuß haben wird? Natürlich nicht. Der KSC setzt das Erfolgsrezept des Erfolgsduos Dohmen-Becker fort und baut auf seine eingespielte Einheit. Sollte sich diese auch weiterhin vertragen und von größeren Verletztenserien verschont bleiben, dann kämen sich ASV Durlach und KSC im Frühjahr 2009 nur dann näher, wenn die fleißigen Arbeiter in die Regionalliga aufstiegen. Und zu dieser Vorstellung, mit Verlaub, gehört schon sehr viel mehr an Glauben.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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