Am Ende einer langen Saison hat sich die Müdigkeit der KSC-Mannschaft auch auf das Publikum übertragen.

Man muß ehrlich sein und gestehen, daß man aus Karlsruher Sicht über das Saisonende nur noch von Herzen froh sein kann. Am Montag steht noch im Rahmen der Benefiz-Aktion „KSC tut gut“ ein Freundschaftsspiel gegen eine Prominentenauswahl an und viele – nicht nur Zuschauer, sondern auch Spieler! – werden froh sein, wenn man sich für die nächsten Wochen nicht mehr sehen muß. Zu unleidlich waren so manche Auftritte der vergangenen Monate, als man sich eingestehen mußte, daß es für ein ernsthaftes Mitspielen um die internationalen Plätze noch nicht reicht, aber auch keine Abstiegsgefahr mehr bestand. Wer den KSC in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgte, wird nicht zu Unrecht betonen, daß dieser Verdruß einem Jammern auf sehr hohem Niveau gleichkommt. Daß und mit welchen Mittel es dem Verein gelungen ist, der sportlichen Bedeutungslosigkeit von der Schippe zu springen, ist eine unglaubliche Leistung aller Beteiligten. Unter der Not drückender wirtschaftlicher Verhältnisse hat sich der KSC in der 2. Bundesliga stabilisiert und ist in die Bundesliga zurückgekehrt. Daß es auch anders hätte kommen können, ist in Mannheim, Kaiserslautern oder auf Degerloch gut zu beobachten. Man muß sich stets darüber im Klaren sein, daß dieser Erfolg keine Selbstverständlichkeit war und ist.

Eine ganz andere Saison

Zudem mag so mancher vergessen haben, daß einige Erfolge, gerade auch in der so hervorragenden Vorrunde, mehr auf der Kippe gestanden hatten, als daß sie einer zwangsläufigen sportlichen Überlegenheit entsprungen wären. Zum Beispiel Nürnberg am ersten Spieltag. Wenn der Club seine Chancen und die Verunsicherung des Neulings zeitig genutzt hätte, wäre der KSC statt mit einem 2:0-Sieg mit einer deutlichen Niederlage nach Hause gefahren. Die Saison hätte für beide Vereine ganz anders verlaufen können. Und in der Rückrunde fehlte dem KSC in den ersten Wochen ganz eindeutig so manches Glück der Hinrunde. Da ging der Ball halt mal an den Pfosten oder vorbei – im Gegensatz zum Gegner, dem das Fußballglück plötzlich holder war. Und das hatte nichts damit zu tun, daß man schwächer oder weniger entschlossen spielte. Bei mehr Schußglück wären die Spiele gegen Rostock oder Cottbus wohl positiver ausgegangen – und alle wären glücklich und stolz.

Muß man sich schämen?

Und dennoch ärgert man sich. War das letzte Heimspiel gegen den VfL Bochum hinsichtlich Einsatzbereitschaft und Leistungswille schon eine absolute Enttäuschung, so kann der Auftritt in Hamburg nur als erschütternd  bezeichnet werden. Wäre dies alleine nicht schon schlimm genug, so bedeuteten die Slapstickeinlagen zugleich eine üble Unsportlichkeit, ja  Wettbewerbsverzerrung gegenüber den Hamburger Mitbewerbern um die Teilnahme am UEFA-Pokal. In Anbetracht dessen, daß der KSC auch in der jüngeren Zeit häufig genug von dem guten Willen anderer Vereine abhängig war und künftig sein wird, ist man angesichts des Debakels beschämt. Nur gut, daß die Schwaben nicht selbst in der Lage waren, ihrerseits mit einem Sieg den KSC in den moralischen Zugzwang zu setzen.

Die Rückkehr der Normalität

Nun muß man sich darauf einstellen, daß nach dem Rausch des letzten Sommers die Normalität nach Karlsruhe zurückkehren wird. Die beiden Heimspiele gegen Cottbus und Bochum waren längst nicht mehr ausverkauft und es ist zu erwarten, daß der Rummel um Dauer- und Tageskarten in der nächsten Saison geringer sein wird. Die Tatsache, daß „unsere Jungs“ ein Heimspiel haben, wird nicht mehr automatisch den Reflex auslösen, unbedingt dabeisein zu wollen. Und daß das Karlsruher Publikum gerne pfeift, war bereits in den letzten Wochen wieder zu vernehmen gewesen. Dem Verein und seinen Verantwortlichen stehen ungemütlichere Zeiten bevor, und dies ohne grundlegend verbesserte Voraussetzungen im wirtschaftlichen Bereich. Man muß kein Fußballexperte sein, um zu erwarten, daß der KSC einstweilen nicht mehr so bald in das vordere Bundesligadrittel hineinschnuppern wird, wie im Herbst des vergangenen Jahres. Auf die Kritik und den Unmut, die damit im Umfeld verbunden sein werden, sollte man gefaßt sein.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


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