Früher war manches besser — auch ein Spiel gegen Schalke
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 451 Klicks„Es war einfach Klasse“ – nein diese Überschrift stand gestern nicht über dem Spielbericht des „kicker“ zum samstäglichen Bundesligaspiel des KSC gegen den FC Schalke 04. Sie stammt aus der Ausgabe vom 29. September 1975. Bitte nicht falsch verstehen, über weite Strecken zeigte gerade der KSC ein wirklich gutes Fußballspiel und kein Schalker hätte sich beschweren dürfen, wenn man wie nach dem Hinspiel mit leeren Händen dagestanden hätte. Aber, der letzte Pfiff fehlte eben, um das Spiel in das Langzeitgedächtnis der Fans einzubrennen. Dabei war es nicht immer so unspektakulär, wenn die beiden Mannschaften aufeinander trafen – womit wir wieder im besagten September 1975 wären.
Das Tor des Jahres
46.000 Zuschauer waren dabei, als 1975 der damalige Bundesligaaufsteiger KSC zum ersten Mal seit über sieben Jahren wieder den Spitzenklub aus dem Kohlenpott begrüßen durfte. Und sie wurden nicht enttäuscht, sahen sie doch eine rassige Begegnung, in der die Gäste früh mit 2:0 in Führung lagen. Beide Tore erzielte Klaus Fischer, wobei sein Fallrückzieher zum zweiten Treffer sogar zum Tor des Jahres gewählt wurde. Nebenbei bemerkt, war der Ball zuvor durch Rainer Ulrich noch leicht abgefälscht worden. Wäre dies nicht geschehen, hätte der sich damals in bestechender Form befindende KSC-Keeper Sigi Kessler dieses Traumtor dem öffentlichen Gedächtnis vielleicht entzogen. Und das wäre schade gewesen. Der KSC jedenfalls ließ sich nicht beirren und heizte dem Altmeister hernach derart kräftig ein, daß Helmut Kremers ein Eigentor unterlief und dem überragenden Raimund Krauth sogar noch der Ausgleich. Die Fans waren begeistert!
Ein Albtraum
In der Folgesaison hingegen waren sie wohl eher entgeistert. Denn nur wenige Wochen vor Saisonende unterlag man den Königsblauen an gleicher Stätte mit einem fürchterlichen 1:7. Auch hier erlebte man wieder einen Klaus Fischer, den die gute Hardtwaldluft zusätzlich zu stimulieren schien. Er traf dreimal. Nun wäre dieses Debakel nicht so schlimm gewesen, hätte sich der KSC nicht mit dem 1. FC Saarbrücken im Abstiegskampf befunden. Und hätten zusätzlich dieselben Schalker nur eine Woche zuvor nicht zuhause gegen just diese Saarländer noch mit 0:1 verloren, da ihr Torwart Enver Maric – heute Torwarttrainer bei Hertha BSC – einen Acimovic-Schuß von der Mittellinie partout nicht abwehren wollte und widerstandslos passieren ließ. Dem FCS, noch wenige Wochen zuvor weit abgeschlagen hinter dem KSC liegend, gelangen in diesen Wochen noch weitere überraschende Siege, sodaß viele Karlsruher noch heute an der Seriosität jener Aufholjagd zweifeln. Denn am Ende stieg der KSC ab.
Meister vor Schalke
Im Herbst 1983, nachdem beide Vereine mehrmals zwischen der ersten und zweiten Bundesliga hin- und hergewechselt waren, traf man sich zur Abwechslung einmal zum Spitzenspiel der 2. Bundesliga. Wieder pilgerten die Massen ins Stadion und sahen diesmal 32.000 ein erneut rassiges Spiel. Wolfgang Schüler, Uwe Bühler und Hans-Jürgen Boysen trafen zum 3:0-Sieg und ließen keinen Zweifel mehr daran aufkommen, daß der KSC unter seinem Trainer Werner Olk mit Macht in die Bundesliga zurückstrebte. Nach 38 Spieltagen, an denen 25 KSC-Siege gefeiert werden durften, kehrte man im Mai 1984 als Meister in das Oberhaus zurück. Der FC Schalke folgte auf Platz zwei.
Winnie Schäfers erster Sieg
Im Sommer 1987 kam der S04 dann mit Toni Schumacher im Tor nach Karlsruhe, das unter Winfried Schäfer gerade wieder aufgestiegen war. Am 3. Spieltag gelang den Badenern mit 4:1 der erste Bundesligasieg mit dem noch jungen Trainer. Arno Glesius, Thomas Süß, Milorad Pilipovic und Helmut Hermann hießen die Torschützen, die für ein unvergeßliches Aufatmen im Badischen sorgten. Denn viele Experten hatten vor der Saison Bedenken an der Bundesligatauglichkeit des Neulings geäußert und war noch nicht absehbar gewesen, wie viele Siege unter einem Trainer Schäfer noch zu feiern sein sollten. Der „Pfiff“ des 4:1 über den FC Schalke 04 sollte jedenfalls noch über viele Jahre nachhallen.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



Einträge (RSS)