Für Traditionsvereine wird die Luft in Deutschland immer dünner.
Ein Freund kam jüngst beiläufig auf das Thema „Traditionsvereine“ und wie denn seine „ideale“ Bundesliga zusammengesetzt sein müsse, zu sprechen. Er gab freimütig zu, daß diese ebenso exakt wie zwingend die Vereine der Saison 1982/83 beinhalten müsse. Denn in jenem Jahr begann er erstmals, sich als Kind mit dem Fußball zu beschäftigen. Diesen interessanten Gedanken wandte der Verfasser natürlich sogleich auf sich an und zog für sich denselben Schluß. Wie schön wäre es doch, würde sich durch einen großartigen Zufall die Bundesliga des Jahres seiner Fußballsozialisierung wieder zusammenfinden. Dieses Erweckungserlebnis war im Sommer 1975, als neben den Offenbacher Kickers auch noch Bayer 05 Uerdingen, RW Essen und Fortuna Düsseldorf erstklassig waren. Die zu jener Zeit zweitklassigen Borussia Dortmund, 1.FC Nürnberg oder VfB Stuttgart würden in dieser Traditionsliga selbstverständlich überhaupt nicht vermißt werden. Natürlich müßten alle Mannschaften die gleichen Trikots tragen, sogar mit der alten Werbung – der HSV mit „Campari“, die Eintracht mit „Remington“ und der KSC mit „Karlsruher Leben.“ Und auch die alten Stadien würden in diesem Traum wiedererstehen: Wedaustadion, Müngersdorfer Stadion oder die Hafenstraße mit ihrer legendären Westkurve. Hinweg mit all den kalten und seelenlosen Arenen! Der Zuschauer würde sich von windschiefen Stufen und spreißeligen Holzbänken aus am Spiel der Kosteddes, Simonsens oder Handschuhs ergötzen können und hierbei stets den Duft von Bratwürsten und billigen Zigarren in der Nase haben…
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Von der Neger-Republik zu Godfried Aduobe – der deutsche Fußball und seine schwarzen Spieler.
Heute erscheint das neue Sammelbilderalbum zur Anfang Juni beginnenden Fußball-Europameisterschaft. Die Tatsache, von nun an bei jedem Zeitungs- oder Zigarettenkauf auf die Tütchen mit den bunten Sammelbildern zu stoßen, sollte ein 39jähriger Mann eigentlich relativ gelassen zur Kenntnis nehmen. Wenn dieser jedoch erst vor wenigen Tagen in seinen Schränken etwas Ordnung geschaffen hat und hierbei auf die Schätze seiner Kindheit gestoßen ist, dann ist das allerdings etwas anderes. Eine besondere Pretiose ist hierbei das Album zur WM 1974. Man blättert und bleibt an den Bildern der Spieler von Zaire und Haiti hängen. Beim Karibik-Teilnehmer sind einem sogar drei Namen im Gedächtnis geblieben – Emmanuel Sanon, der 1974 Italiens Torwartlegende Dino Zoff wie eine Laterne ebenso unvergeßlich wie aber auch so dermaßen links stehen ließ und die Karibier mit 1:0 in Führung schoß. Oder Ernest Jean Joseph, der erste Doping-Sünder in der Geschichte der Fußball-WM. Und natürlich Torwart Henri Francilion, der sich nur wenige Wochen nach der WM bei 1860 München wiederfand. Vom Verein bei der Vertragsunterschrift naiv übervorteilt und später von Trainer Max Merkel übel gemobbt, wurde er dort jedoch nicht glücklich. Nach nur einer Saison mit gerade einmal sechs Einsätzen war er bereits wieder weg.
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Es ist ein Ritual. Immer wenn es Frühling wird und sich der Fußball in den Endspurt der Saison begibt, starten vornehmlich Boulevardblätter zuverlässig eine Basis-Recherche und schauen einfach mal nach, wie denn so im Umfeld von Abstiegskandidaten die Stimmung ist. Umfeld heißt, daß man mit den Angestellten betreffender Klubs spricht und sich allgemein bei Menschen umhört, die einerseits mittels Fußball – z.B. als Kneipenbesitzer – von einem erfolgreichen Fußballverein und dessen Fans profitieren. Oder andererseits ihre Lebensidentität auf den Verein fokussieren. Hieraus entstehen alsdann dramatische Studien menschlichen und gesellschaftlichen Elends, wie man sie allenfalls nach Bürgerkriegen oder Weltwirtschaftskrisen kennt. Objekte solcherlei Interesses finden sich natürlich nur in Ostdeutschland (Cottbus, Rostock usw.), im Ruhrgebiet (Duisburg, Bochum usw.) oder im strukturschwachen Südwesten (Kaiserslautern). Hinzukommend gehört es inzwischen zum Standardrepertoire des modernen Fußball-Profis, daß man sein Engagement auf dem Platz längst nicht mehr nur an den eigenen Interessen und Bedürfnissen ausrichtet, sondern selbstverständlich auch an die Angestellten des Vereins und die gesamte Region denkt, für die man sich nur allzu kräftigst ins Zeug zu legen gedenkt.
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Arminia Bielefeld kämpft gegen die Hartnäckigkeit seiner eigenen Geschichte.
Was passiert eigentlich, wenn ein Sportjournalist aus beruflichen Gründen ein Bundesligaspiel besuchen möchte? Nun, zunächst fragt er beim betreffenden Heimverein um eine Zulassung an und läßt sich akkreditieren. Diese Akkreditierung ermöglicht ihm u.a. die Nutzung der Presseräume des betreffenden Stadions, einen Sitzplatz mit Arbeitsfläche auf der Tribüne, eine Internetmöglichkeit sowie eine in der Regel solide Grundversorgung mit Speisen und Getränken. Beim KSC z.B. sind es die unverwüstlichen Wienerle mit Weck, beim FC Bayern gar ein warmes Büffet. Das ist fein. Sollte sich der Zeitungsjournalist nach dem Spiel allerdings von einem Spieler oder Trainer ein paar Fragen beantworten lassen wollen, so muß er reichlich Geduld mitbringen, da zunächst Funk und vor allem Fernsehen an der Reihe sind. Wenn anschließend die Akteure der Begierde nach dem ersten Medienmarathon tatsächlich noch ein paar Minuten Muse haben, sich der schreibenden Zunft zu stellen, dann entsteht bei jener ein Hauen und Stechen sondergleichen, um zumindest noch ein paar Fetzen Originaltöne erhaschen zu können. Und das ist natürlich weniger fein.
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Stefan Buck und Timo Staffeldt können ihr Glück kaum fassen – obwohl für das morgige Spiel mit Timm, Porcello, Aduobe, Eggimann, Mutzel, Carnell, Hajnal, Görlitz, Eichner und Freis nur zehn Spieler verletzt oder gesperrt ausfallen würden, hat sich der Trainer mutig ein Herz gefaßt und die beiden auf der Taktiktafel für die Startelf notiert.
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„Es war einfach Klasse“ – nein diese Überschrift stand gestern nicht über dem Spielbericht des „kicker“ zum samstäglichen Bundesligaspiel des KSC gegen den FC Schalke 04. Sie stammt aus der Ausgabe vom 29. September 1975. Bitte nicht falsch verstehen, über weite Strecken zeigte gerade der KSC ein wirklich gutes Fußballspiel und kein Schalker hätte sich beschweren dürfen, wenn man wie nach dem Hinspiel mit leeren Händen dagestanden hätte. Aber, der letzte Pfiff fehlte eben, um das Spiel in das Langzeitgedächtnis der Fans einzubrennen. Dabei war es nicht immer so unspektakulär, wenn die beiden Mannschaften aufeinander trafen – womit wir wieder im besagten September 1975 wären.
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