Beim Auswärtsspiel in Bochum hat es gescheppert.
Am 1. Dezember wurden vor dem Bundesligaspiel in Bochum mehrer Polizisten und KSC-Fans. Auslöser der Krawalle waren nach übereinstimmenden Aussagen ein überforderter Ordnungsdienst, unangemessen agierende Ordnungshüter sowie aggressiv reagierende Fans. Der KSC jedenfalls handelte rasch und unterstrich per Presseerklärung bereits am frühen Montag, daß er über die Vorfälle „schockiert und entsetzt“ sei. Zudem forderte er eine harte und konsequente Verfolgung der Taten – und folgte somit in Ton und Sinn der unmißverständlich der Sichtweise des VfL Bochum sowie der vor Ort befaßten Ordnungs- und Sicherheitskräfte. Die mitformulierten Genesungswünsche galten ausschließlich den verletzten Polizeibeamten.
Vorauseilender Gehorsam
Hier nun beginnt das Dilemma eines exponiert im öffentlichen Fokus stehenden Bundesligisten, der sich inzwischen den öffentlich erwarteten Reflexen stellen und diese für sich übernehmen muß. Und hinsichtlich der samstäglichen Gewaltexzesse bedeutete dies, Mitgefühl und Empathie zunächst vorbehaltlos den Beamten zu widmen. So nachvollziehbar dieser vorauseilende Gehorsam gegenüber der „Political Correctness“ und ihren willigen, ja billigen Helfern in den Medien auch sein mag, so entlarvt er doch einiges mehr. So zum Beispiel, daß sich Journalisten flugs am Polizeibericht orientieren und umstandslos auf jedwedes Nachfragen verzichten.
Von der Bevölkerung im Stich gelassen
Der KSC muß sich den Vorwurf gefallen lassen. Den vorhandenen kurzen Draht zu den Fan-Betreuern und Supportern, um die Gemengelage ausreichend zu erhellen, nicht genutzt zu haben. Inzwischen ist aussagekräftiges Videomaterial aufgetaucht, das die Fans belastet und die Brutalität Bochumer Verantwortlicher bloßlegt. Erst hieraufhin scheint der KSC um eine objektivere Sichtweise bemüht und sich gegen eine pauschale Verurteilung seiner Fans zu verwahren. Zurecht fühlen sich betroffene KSC-Anhänger inzwischen allerdings nicht nur von ihrem Verein im Stich gelassen. Sondern auch vom rechtsempfinden einer Gesellschaft, die sich gegenüber Auswüchsen einer ordnungspolitischer Repressalien zunehmend teilnahmslos zeigt. Das Kollektivvertrauen in Angemessenheit und Richtigkeit von Maßnahmen zugunsten der „öffentlichen Sicherheit“ scheint grenzenlos geworden zu sein. Zumal für ein jegliches sanktionierbare Verhalten eine passende Schublade mit dem Aufkleber „selber schuld!“ bereitsteht.
Entsprechende Konsequenzen
Für KSC-Fans bedeutet dies, daß sie mittelfristig bei jeder Auswärtsfahrt noch kritischer beäugt werden dürften – mit allen Konsequenzen und entsprechenden Gegenreaktionen. Und für den Bürger gilt: Nie ist es so einfach gewesen, vom unbeteiligten und selbstgerechten Betrachter zu einem zu entsorgenden Störfaktor zu werden.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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