Warum hat der KSC Erfolg? Ganz einfach …
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 224 KlicksDer KSC mischt die Liga auf. Hierfür gibt es einen guten Grund.
Stellen wir uns einmal vor, am Samstag wäre ein KSC-Fan – und zwar ein für diesen Verein so typischer Skeptiker und Bruddler – von einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Abgeschiedenheit eines fernöstlichen Klosters zurückgekehrt und hätte erstmals in dieser Spielzeit eine Begegnung seines Vereins gesehen. Er hätte wohl die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und sich angesichts der unmißverständlichen 0:4-Niederlage in Bremen in all seinen düsteren Vorahnungen bestätigt gefühlt.
Daß diese Szenerie nach nunmehr 13 Spieltagen und einem 4. Tabellenplatz so aus der Welt gefallen klingt, ist so selbstverständlich nicht. Denn im Gegensatz zu Mitaufsteiger MSV Duisburg, der seinen Kader gehörig durcheinandergewürfelt und, oberflächlich gesehen, angemessen verstärkt hatte, vertraute der letztjährige Zweitligameister dem Stamm seiner Erfolgsmannschaft und ergänzte ihn allenfalls punktuell. Hierauf unkte bspw. ein Heinz Höher, einst erfolgreicher Bundesligatrainer beim VfL Bochum und dem 1. FC Nürnberg, der in den vergangenen Jahren als Jugendtrainer in Fürth Christian Timm hautnah beobachten konnte, daß der KSC mit diesem keine Freude haben würde.
Christian Timm wird den KSC nicht voranbringen, und …
Denn nach seiner Meinung bringe dieser eigentlich immer nur dann Leistung, wenn es um einen neuen Vertrag ginge. Zudem verfüge er nicht über die von einem Spieler zu erwartende Ernsthaftigkeit, alles seinem Job unterordnen zu können. Nein, er sah wirklich keinen Ansatzpunkt, daß Timm den Badenern helfen und einen „großen Kick“ hinlegen könne. ´
Nun, offen betrachtet, hat sich Höher nicht vollständig geirrt. Abgesehen seines großen Spiels auf Schalke hat sich der schmale Westfale tatsächlich noch nicht so richtig gefunden. Er muß zurückhängender spielen, als er es sich als empfundener Stürmer eigentlich wünscht. Damit ist er nicht zufrieden und bisweilen versteckt er sich auf dem Feld doch zu sehr. Aber dennoch, es paßt. Wie bei Tamas Hajnal, der den genialen Federico als Vorbereiter noch nicht ersetzen konnte und wie im Vorjahr beim FCK nach starkem Beginn nun merklich abbaut. Oder bei Andreas Görlitz, der bisweilen seine Überdurchschnittlichkeit beweist – aber eben leider nur bisweilen. Und Alexander Iashvili? Gott bewahre, dessen fleischgewordenes Herumirren an der Weser war leider auch keine singuläre Erscheinung.
… dann ist man eigentlich schon abgestiegen!
Ja aber, wenn dem so ist – weshalb würde unser Reisender dann einem solch grandiosen Irrtum unterliegen? Sagen wir es mit Karl-Heinz Rühl, ebenso wie Höher ein erfahrener Ex-Trainer und viele Jahre Manager des KSC. „Wenn man glaubt, acht, neun Neuzugänge zu benötigen, dann ist man eigentlich schon abgestiegen. Das war damals so und ist es heute noch.“ Wichtiger sei es, so fuhr er fort, über einen eingespielten Stamm und eine harmonierende Mannschaft verfügen zu können.
So einfach – und erfolgreich! – kann Fußball sein.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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