Es liegt ein Glänzen und Strahlen über dem Wildpark, wie man es glaubt, seit Menschengedenken nicht mehr glaubt, nicht mehr gesehen zu haben – wenn jemals überhaupt, dann in den fünfziger Jahren, als Spieler wie Rudi Fischer, Walter Baureis oder Rudi Sommerlatt den KSC zu den Ehren zweier DFB-Pokalsiege und 1956 sogar ins Endspiel um die deutsche Meisterschaft führten. In nur kurzer Zeit war es dem jungen Fusionsverein gelungen, eine ganze Region, von der Kurpfalz bis Ortenau und Hotzenwald, von der Westpfalz bis über Pforzheim hinaus, für sich zu begeistern und die Leidenschaften der Fußballanhänger auf sich zu fokussieren. In jenen Jahren zählte der KSC zu den besten und modernsten Vereinen Deutschlands überhaupt.

Das Fundament war gelegt

So hoch stand der Verein im Folgenden nie mehr wieder und ohne diese frühen Erfolge ist sein zweiter Popularitätsschub im Zuge der Europapokalerfolge unter Winfried Schäfer in den 90er Jahren kaum denkbar. Es liegt in der Natur des Fußballs begründet, daß ein Verein seinen Anhängern nur in seltenen, kurzen Perioden so viel Freude bereitet, daß sie ihn auch in den weitaus längeren Phasen sportlicher und emotionaler Dürre nicht vergessen und ihm treu bleiben. Und sich spätestens dann seiner erinnern, wenn er großen Sport anzubieten wieder fähig ist. So wie in diesen Tagen.
Und jetzt ächzt es im Gebälk dieser nordbadischen Institution. Nein, auf  diese hemmungslos wieder aufflammende Leidenschaft war der Club nicht vorbereitet. Als die Mannschaft im Spätsommer des vergangenen Jahres mit unwiderstehlicher Wucht begann, zurück in die Bundesliga zu streben, hielt so manche Verwaltungsebene diesem überraschenden Erfolg nicht stand. Und noch immer tut man sich schwer, wenn Unvorhergesehenes geschieht.
Gleichzeitig fühlt man sich allerdings in der Rolle eines „wir sind wieder wer!“ schon wieder ganz kommod – und sorgt bisweilen für Kopfschütteln.

Ende einer liebgewordenen Tradition

Der umgängliche und in seiner Hemdsärmeligkeit sympathische Wirt des museal wirkenden Clubhauses scheint das erste Opfer der neuen Zeit im Wildpark zu werden. Wünscht man sich im nun wohl bald entstehenden Arenentempel etwa eine repräsentativere Bewirtschaftung der Vereinsgaststätte? Die Nickeligkeiten scheinen jedenfalls zuzunehmen und so werden selbst Brüche mit liebgewordenen Traditionen in Kauf genommen. Zusätzlich zur Eintrittskarte war es mittels eines Verzehrscheines bislang üblich, schon vor der offiziellen Öffnung des Stadions auf das Gelände zu gelangen und sich im Clubhaus buchstäblich bei Speis und Trank gemütlich zusammenzusetzen, zu fachsimpeln und sich auf das Spiel einzustimmen. Viele Familien und ältere Stadiongänger nutzten gerne diese gemütliche Atmosphäre. Vorgeblich soll nun dieses System von vielen allzu Ungeduldigen „ausgenutzt“ worden sein. Nur in welcher Form? In all den Jahren waren marodierenden und brandschatzende Horden nie gesichtet worden. Und auffällige Kartenbetrügereien fanden und finden ohnehin unabhängig des vorzeitigen Betretens des Stadiongeländes statt. Zurück blieb also bei vielen der ob der Kurzfristigkeit der Entscheidung – Freitagnachmittag! – überraschten Stadiongänger natürlich nichts als Verärgerung. Und dem Wirt noch weniger Geld in der Kasse, als es durch diverse Auflagen des Vereins ohnehin schon der Fall ist.

Bodenhaftung noch vorhanden?

Im Dezember 1993, nur wenige Wochen nach der epochalen 7:0-Demontage des FC Valencia, zog der damalige Manager Carl-Heinz Rühl einen Schlußstrich unter seine acht Jahre währende, erfolgreiche Tätigkeit bei seinem KSC. Nach seiner Auffassung hatte mehr als ein Verantwortlicher etwas zu frappant die Bodenhaftung verloren. Soweit ist der neue KSC natürlich noch lange nicht. Hoffentlich.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


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