Seit 1985 befriedigt der in Weihenstephan ausgebildete und studierte Braumeister Rudi Vogel (51) mit seinen Hausbrauereien in Karlsruhe, Durlach und Ettlingen den Durst zahlreicher Freunde eines guten Bieres in Karlsruhe und Umgebung. Der Badener hält seit den 60er Jahren zu seinem KSC und ist als langjähriger Dauerkartenbesitzer treuer Stammgast im Wildparkstadion.

Herr Vogel, was ist für Sie typisch KSC?
Dass man nie weiß, was hinterher herauskommt …
Vielleicht ganz aktuell: Ein zu geringes Zutrauen in eigene Stärken und Perspektiven. Obwohl ich die finanziellen Zwänge nicht kenne, ist es schade, dass man Masmanidis nach Bielefeld ziehen ließ und jetzt offenbar auch noch Gefahr läuft, Danny Schwarz an 1860 zu verlieren. Es war halt zu oft der Fall, dass man jemanden hat „renne’ lasse“ und danach stand man dann „nass“ da…
Aber ich gehe gerne raus! Sicher, der Vogelbräu hat sieben Dauerkarten und es gab Jahre, da hatte man Probleme, jemanden zum Mitnehmen zu finden, gerade nach den Abstiegen hat man fast schon etwas dafür bezahlen müssen, damit jemand mitgeht. Ansonsten haben wir jedoch immer unseren Spaß und kann man gut damit leben, dass der KSC halt nicht der FC Bayern ist. Der KSC ist für mich ein wichtiger Bestandteil des Wochenendes. Und dass man sich ab und zu mal ärgert, gehört einfach dazu.

Wann waren Sie das erste Mal auf dem KSC?
Nun, meine erste Fußballiebe war der FCB…

Oh mein Gott…
… der FC Busenbach.

Ach so…
Aber zum KSC kam ich auch schon in den 60er Jahren und kann mich auch an Spiele wie gegen 1860 mit dem „Radi“, Petar Radenkovic, erinnern. Aber das war noch nicht regelmäßig, eher so hin und wieder mal.

Hatte Sie Ihr Vater mitgenommen?
Nein, das waren der Onkel oder auch mal Bekannte.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, aus den vergangenen vierzig Jahren noch einmal ein KSC-Spiel im Stadion zu erleben – für welches würden Sie sich entscheiden?
Natürlich Valencia. Obwohl man gehofft hatte, dass das 1:3 noch aufzuholen sei, waren die Ereignisse des Rückspiels doch völlig unerwartet, waren die Voraussetzungen denkbar schlecht. Aber – vor dem Spiel kam ein im benachbarten Erbprinz in Ettlingen beschäftigter Bekannter zu uns und erzählte von den dort untergebrachten Spaniern, dass man die Brust nicht weiter würde herausdrücken würde können wie diese es tun. Da haben die einen Fehler gemacht.
Es war überhaupt eine phantastische Zeit und ich begleitete die Mannschaft damals auch nach Eindhoven, Porto oder Bordeaux. In Valencia war ich urlaubsbedingt leider nicht.

Waren die Europapokalspiele die Ausnahme oder sind Sie öfters auswärts mit dabei?
Eher weniger, aber wenn sich die Gelegenheit bot und bietet, bin ich schon manchmal dabei. Zuletzt bin ich immer bei den Spielen in Dresden dabei, weil wir dort ja auch geschäftlich aktiv sind. Generell bin ich aber eher ein typischer Heimzuschauer, der versucht, alle Heimspiele zu sehen. Was zeitlich aber auch schwer genug ist.

Gibt es in Dresden auch einen Vogelbräu?
Wir brauen im Ballhaus Watzke, einem Dresdner Traditionslokal. Wir richten uns natürlich nach dem dortigen Pilsgeschmack, benutzen z.B. böhmischen Hopfen. Es ist ein schönes, herbes Pils.

Gab es eine Art Schlüsselerlebnis für Sie, dass der KSC Ihr Verein wurde?
Nein, das kann ich nicht sagen, das ist irgendwie gewachsen.

Wie finden Sie die Stimmung im Wildparkstadion, sind Sie mit der dort gepflegten Fan-Kultur zufrieden?
Es hat etwas, es ist schon ein Erlebnis. Da ich häufiger erst ganz knapp oder verspätet zum Spiel kommen kann, habe ich meine Dauerkarte im Sitzplatzbereich auf der Gegengerade, über dem Fan-Block. Da bin ich hautnah dabei und finde die Aktionen der Fans toll. Natürlich, Auswüchse im Stadion wie Leuchtkugeln oder Krawalle, wie durch die Dresdner Fans zum Beispiel, finde ich nicht gut. Die Polizeipräsenz im Stadion ist manchmal schon erschreckend, wenn ich hinter der Gegengerade das Stadion verlasse und man hat eine Wand aus Polizisten vor sich. Vielleicht ist es besser, bevor einmal richtig etwas passiert, aber… es ist nicht schön.
Wobei ich die Dresdner Fans wirklich nicht negativ herausnehmen möchte. Ich war auswärts schon zweimal Dresden und fand die Atmosphäre im Stadion richtig toll. Alleine die „Dynamo“-Wechselgesänge…, die Stimmung dort ist wirklich gut. Ich bin sehr gerne in Dresden und habe auch viele Kontakte zu Dynamo-Fans. Man darf die Mehrheit nicht über die Minderheit definieren. Leider aber haben sie einen recht großen Anteil von Idioten unter den Fans. Dagegen muß sich der Verein noch mehr engagieren, hat er das Problem zuvor vielleicht etwas zu sehr vernachlässigt. Mit einem Karlsruher Kennzeichen auf dem Auto würde ich nicht hinfahren…

Leben Sie die Rivalitäten von Verein und Fans mit Mannschaften wie Kaiserslautern oder dem VfB eigentlich mit?
Mit Sicherheit. Also, wir haben samstags ein Bundesligatipspiel, da können Kaiserslautern, Bayern, Gladbach oder Stuttgart spielen gegen wen sie wollen, bei mir verlieren die immer – deswegen habe ich bei unserem Spiel auch noch nie Geld gewonnen…

Schade eigentlich…
Nein, nein, da bin ich konsequent, die kriegen von mir keine Punkte. Und wenn sie gegeneinander spielen, dann gibt’s natürlich ein Unentschieden.

Gibt es eigentlich einen KSC-Spieler oder –Trainer, der Sie so sehr verärgert hat, dass Sie Ihm kein Bier ausschenken würden?
Wenn, dann dem Jörg Berger. Der hatte mich nicht unbedingt begeistert. Aber, wenn er denn käme, dann würde ich ihm zwar schon bescheid geben – aber kein Bier geben? Nein, nein, also, soweit würde ich dann doch nicht gehen. Nein, nein…

Sind KSC-ler eigentlich manchmal bei Ihnen zu Gast?
Ja, klar. In Ettlingen zum Beispiel Winfried Schäfer, den sehe ich da öfter. Auch der Ede Becker kommt in Ettlingen vorbei und der Thomas Kies in Durlach. Ja, doch, es schauen immer mal wieder welche vom KSC vorbei.

Welche Spieler stünden denn Ihrem KSC-Dreamteam?
Oh, da würde ich sehr an unserer damaligen Europapokalmannschaft hängen. Im Tor natürlich Oliver Kahn, Gunther Metz, den ich gerne sah, Michael Wittwer, Oliver Kreuzer, aber auch ein Michael Harforth, Mehmet Scholl, Michael Tarnat, Thomas Häßler… und auch Iannis Masmanidis oder Danny Schwarz, von denen ich sehr angetan bin.

Wer im derzeitigen Kader ist Ihr Lieblingsspieler?
Markus Miller Fußballgott! Aber die Mannschaft ist an sich sehr sympathisch, da sie gewachsen ist und viele junge Leute dabei sind. Und das gefällt mir immer wieder gut am KSC, dass man es schafft, mit eigenen, unbekannten jungen Leuten eine starke Mannschaft zu schmieden. Auch wenn sie erst einmal über den Kampf ins Spiel kommt. Und gerade diese Runde hat bislang sehr viel Freude gemacht. Es rücken von unten ja auch wieder einige nach. „Gugge’ mer mal“…

Zum allgemeinen Entsetzen ist Budweiser das offizielle WM-Bier. Was halten Sie davon?
Ja, gut – wenn man kurz vor dem Verdursten ist, und es ist eiskalt, dann würde ich es trinken. Nur in der allergrößten Not, sonst käme ich nie auf den Gedanken. Es ist halt so: Es ist kein gutes Bier, aber die verkaufen weltweit 150 Mio. Hektoliter. Und alle deutschen Brauer zusammen kommen auf ca. 110 Mio. Hektoliter. Da ist es unerheblich, was ich als Fachmann oder Biertrinker zum Geschmack sage.

Und im Juni steht der Vogelbräu ganz im Zeichen des Fußballs und der WM?
Ja, wir haben auch sonst immer viele Premiere-Gucker. Im Sommer stellen wir dann Großleinwände in die Biergärten und werden auch drum herum noch einiges machen. Es wird in dieser Zeit halt kein anderes Thema geben.

Wann kam bei Ihnen eigentlich der Wunsch auf, Brauer zu werden?
Das hat sich über das allgemeine Interesse einfach so ergeben. Wichtig war ein ganz tolles Praktikum hier in Karlsruhe beim Moninger. Von da ab war für mich klar, das ist es!

Herr Vogel, nach allgemeinem Verständnis gehört zum Bier im Stadion die Bratwurst. Ist diese Kombination für Sie eigentlich auch der Favorit?
Das passt gut. Wobei, früher gab es immer einen Stand, so einen Imbisswagen, der hatte auch immer Curry-Wurst. Zu Europapokalzeiten war das immer unsere Lieblingsmahlzeit. Das vermisse ich heute – dass man keine Curry-Wurst mehr bekommt.

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