\ Der am 25.12.1958 in Schöllbronn geborene Martin Wiesner spielte von 1977 bis 1983 in der ersten Mannschaft des KSC, mit der 1980 den Aufstieg in die erste Bundesliga erreichte. In den Aufstiegsspielen gegen Rot-Weiss Essen genügte nach einem 5:1 im heimischen Wildparkstadion eine 1:3-Niederlage an der Hafenstraße. Nach einer herausragenden Leistung im Hinspiel gab Wiesner in Essen die Vorarbeit zum erlösenden 3:1 durch Uwe Dittus. Für den KSC bestritt er 80 Bundesliga- (7 Tore) sowie 83 Zweitligaspiele (11 Tore). Verletzungsbedingt blieb dem hochtalentierten Mittelfeldspieler allerdings eine große Karriere versagt. Wiesner ist heute als Spielerberater tätig und lebt in Wettingen in der Schweiz.

Herr Wiesner, was ist für Sie „typisch KSC“?
Martin Wiesner : Daß er leider immer noch in der 2. Liga spielt! (Lacht)

Verfolgen Sie dessen Werdegang und was trauen Sie ihm in dieser Saison noch zu?
Martin Wiesner : Schon vom Beruf her verfolge ich die Ereignisse und traue ihm für diese Saison in jedem Fall eine weitere Rolle im vorderen Mittelfeld zu, wobei es für den Aufstieg wohl ein Jahr zu früh sein wird.

Sie sind Spielerberater. Sind auch aktuelle KSC-Spieler darunter?
Martin Wiesner : Ja, Timo Staffeldt und Marc Gallego.

Wie zufrieden sind Sie mit Staffeldts Entwicklung?
Martin Wiesner : Zunächst einmal war es für ihn wichtig, den Sprung von der Regionalliga- in die Bundesligamannschaft zu schaffen. Dort kann er wichtige Erfahrungen sammeln, die ihn weiterbringen.

Sie kamen wie Staffeldt aus der eigenen Jugend und spielten dann sechs Jahre in der ersten Mannschaft. Hätten Sie für Ihre Entwicklung im nachhinein eher einen Wechsel anstreben sollen?
Martin Wiesner : Nach dem Aufstieg 1980 folgte meine Berufung in die B-Nationalmannschaft, so daß alles soweit nach Plan verlief. Der Abstieg mit dem KSC 1983 störte dann diese Entwicklung, da damit eine große Verunsicherung verbunden war, wie und ob es mit dem KSC weitergeht. Ich entschloß mich dann für einen 2-Jahres-Vertrag bei den Stuttgarter Kickers.

Weshalb ausgerechnet zu den Kickers, die doch ebenso wie der KSC zweitklassig waren?
Martin Wiesner : Das Angebot stand eben. Es hätte zuvor Möglichkeiten gegeben, doch ich hatte beim KSC Vertrag. Und damals waren unter diesen Voraussetzungen die Transfermöglichkeiten natürlich enger als heute.
Danach, 1985, wechselte ich dann zu TeBe Berlin und nach deren Abstieg ein Jahr später ging es in die Schweiz. Durch einen Bandscheibenvorfall 1982 war ich letztlich so sehr eingeschränkt, daß ich heute mit der Entwicklung zufrieden sein muß – mehr war nicht drin. Die Rückenverletzung war schließlich sehr kräftezehrend, sodaß ich meine Karriere beenden musste.

Wie ging es weiter?
Martin Wiesner : Ich erwarb mir binnen eines Jahres alle Trainerlizenzen, um direkt danach in die Beratertätigkeit zu wechseln. Hier hatte ich dann das Glück, daß ich mit Spielern wie Harald Kohr, Stéphane Chapuisat, Peter Közle, Pavel Kuka oder Ciriaco Sforza einen guten Start hatte.

Ciriaco Sforza war seinerzeit auch beim KSC im Gespräch, ehe er sich für den FCK entschied. Lag es nur am Geld?
Martin Wiesner : Es war seine Entscheidung, sich zwischen dem VfB Stuttgart, dem 1.FC Kaiserslautern und dem KSC zu entscheiden. Nach allen Gesprächen mit Trainern und Managern der jeweiligen Vereine entschied er sich eben für Kaiserslautern.

Wann und wie kamen Sie eigentlich zum KSC?
Martin Wiesner : Das ging über die badische Auswahl, wo ich unter Pál Csernai trainierte. Beim KSC spielte ich drei Jahre in der Jugend, ehe ich am Ende des zweiten A-Jugend-Jahres in die Lizenzspielermannschaft übernommen wurde.

Gingen Sie als Jugendspieler auch ins Wildparkstadion?
Martin Wiesner : Natürlich, das wird auch heute noch so sein, daß die KSC-Jugendspieler sich die Bundesligaspiele ansehen. An mein erstes Spiel kann ich nicht mehr erinnern, es könnte allerdings 1974/75 gegen Saarbrücken gewesen sein.

Und welches Spiel aus Ihrer aktiven KSC-Zeit würden Sie gerne noch einmal spielen, weil es so viel Spaß gemacht hat?
Martin Wiesner : Also, es waren „supertolle“ Spiele gegen Bayern München, den HSV, Borussia Dortmund oder den 1.FC Nürnberg dabei. Das Spiel, an daß ich mich jedoch aus der Distanz und wegen meines Berufes am liebsten erinnere, ist das letzte Saisonspiel 1981/82 mit dem KSC beim Hamburger SV. Franz Beckenbauer hatte seine letzte Saison gespielt und war mit dem HSV noch einmal deutscher Meister geworden. Vor dieser Kulisse, wo nach dem Spiel noch der Meister gekrönt wurde, gegen Beckenbauer noch gespielt zu haben, hat bleibende Erinnerungen hinterlassen.

Es war das letzte Spiel unter Max Merkel. War die Entscheidung für den Trainerwechsel von Manfred Krafft zu Merkel für Sie eigentlich richtig?
Martin Wiesner : Es war eine Entscheidung, die damals auch unter uns Spielern ein Aha-Erlebnis ausgelöst hat und wir erkennen konnten, welche Zugkraft ein solcher Namen hat. Beim ersten Training war der Platz mit ca. 4.000 Zuschauern voll!
Und wenn ich recht erinnere, haben wir dem Max Merkel im ersten Eifer sogar seine teure Brille‚ runtergeschossen… (lacht) Ich weiß aber nicht mehr, wer von uns das war. (lebhafteres Lachen) Ein Erlebnis, von dem auch die vielen Zuschauer etwas hatten! (Starkes Lachen)
Ich weiß auch noch, daß die Zeit bis zum ersten Punktspiel wohl zu kurz war und er zur Identifizierung seiner Spieler auf dem Platz auf den Spielberichtsbogen angewiesen war.

Mit welchem KSC-Trainer haben Sie besonders gerne zusammengearbeitet?
Martin Wiesner : Jeder hatte seine Vorzüge. Am längsten hatte ich Manfred Krafft. Er war sicherlich derjenige, der uns in der Belastung am meisten strapaziert hat (lacht) und von dem ich gewiß meine Rückenprobleme davontrug (Starkes Lachen).
Aber er war auch derjenige, unter dem ich zum B-Nationalspieler berufen wurde. Aber es gibt zu jedem Trainer Anekdoten, an die ich mich gerne erinnere. Wie zu einem Horst Franz, der einen Fan am Zaun, der wohl zu stark geschimpft hatte, kurzerhand zur Strecke und zum Schweigen gebracht hat. (Heiterkeit). Ich wollte gar nicht mehr hinsehen, aber er war dann ruhig… (starke Heiterkeit) Also, jeder hatte etwas für sich. Auch ein Horst Buhtz, unter dem ich bei den Stuttgarter Kickers trainierte, oder Eckard Krautzun und Gerd Achterberg, die ich bei Tennis Borussia Berlin hatte (Weitere Heiterkeit).

Welche Mitspieler sehen Sie noch?
Martin Wiesner : Aus dem Beruf heraus natürlich Ede Becker und Rolf Dohmen, auch Rainer Ulrich und Hans-Jürgen Boysen. Den Wolfgang Schüler sah ich kürzlich wieder, er arbeitet heute im Immobilienbereich. Und Uwe Dittus sah ich zuletzt, als er noch für die Musikgruppe Pur zuständig war.

Herr Wiesner, zum Abschluß noch ein kleines Spiel. Stellen Sie bitte Ihre Lieblingsmannschaft aus Ihrer aktiven KSC-Zeit zusammen…
Martin Wiesner : Also… Im Tor Rudi Wimmer, in der Abwehr Rolf Dohmen, Rainer Ulrich, Karl-Heinz Struth und Hermann Kohlenbrenner. Im Mittelfeld den Wiesner, Wilfried Trenkel, Gerd Bold und Uwe Dittus sowie im Angriff Emanuel Günther und Raimund Krauth.

Ein netter Zufall, das war die Mannschaft aus den Aufstiegsspielen gegen RW Essen 1980!
Martin Wiesner : Das ist ja gut. Das war auch ein bleibendes Erlebnis damals! Beide Spiele, im besonderen das Hinspiel im Wildparkstadion, waren sicherlich ein Highlight meiner Karriere. Gerade der Modus mit Hin- und Rückspiel war natürlich sehr spannend – vergleichbar mit Spielen im Europapokal.

Vielen Dank, Herr Wiesner – ich hoffe sehr, Sie werden mit dem Ergebnis unseres Gesprächs zufrieden sein.
Martin Wiesner : Wenn nicht, dann steht Horst Franz vor Ihrer Tür… (Lachen)

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